Grenchner Fasnacht
Das «Intelligenzplatt» Gränchner Gosche war auch schon «härter»

Die Fasnachtszeitung «Gränchner Gosche» ging auch schon härter mit der Grenchner «Provinenz» ins Gericht.

Oliver Menge
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Die «Gosche» ist ab sofort am Kiosk und in den Geschäften im Stadtzentrum erhältlich.

Die «Gosche» ist ab sofort am Kiosk und in den Geschäften im Stadtzentrum erhältlich.

Ab heute ist das «Offizieller Orkan der Faschingszunft Grenchen» erhältlich, wie gewohnt für einen «5-liber, all inclusive und währungsbereinigt». Und einmal mehr werden haufenweise Grenchner Persönlichkeiten, Politiker und Prominente in die Pfanne gehauen.

Wer den «Gosche»-Schreibern in diesem Jahr aufgefallen ist – ob angenehm oder unangenehm –, bekommt seinen Platz oder Vers im «Fasnächtlichen unzensurierten Intelligenzplatt». Man spart nicht mit Häme und Wortspiel, allerdings hat die Redaktion des GT auch schon «härtere» Goschen erlebt.

Obwohl Stapi François Scheidegger das Titelblatt ziert, kommt er doch vergleichsweise gut weg, oder wenig vor, wie mans nimmt. Immerhin nehmen Göschi und Co seine Tendenz, Dinge unter dem Deckel zu halten, aufs Korn. Und sie beschreiben ihn als den Ausdauernden, der zwar Mühe mit seiner Verwaltung hat, aber immer noch ausharren will. Scheidegger bietet vielleicht weniger Stoff für eine Fasnachtszeitung als sein Vorgänger, der auch in der diesjährigen, 69. Auflage, prominent vertreten ist. Vielleicht hat die Absicht des Stapis, «ein besseres Klima» zu schaffen, auch bei der Gosche eingeschlagen?

So oder so, man ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, braver als auch schon. Aber nichtsdestoweniger amüsant! Die provinzielle Prominenz, die sogenannte «Provinenz», findet sich wieder in Grenchens Fasnachtszeitung, die Zeichnungen von «dr Anger» sind meisterlich – der Pinselstrich lässt den Kunstkenner vermuten, dass es sich hier um einen ehemaligen Chefbeamten der Stadt handeln muss, der sich früher mit exakten Zeichnungen und Plänen rumgeschlagen hat und nun als Künstler ganz neue und fruchtbare – nicht furchtbare – Wege geht. Die Themenauswahl der Gosche ist einmal mehr vielfältig bis international.

Hier ein kleiner Überblick zum Gluschtigmachen: Göschis Rundgang durch Grenchen ist wie immer äusserst vergnüglich, diesmal gehts durch die musikalische Stadt, von Person zu Person, von Institution zu Institution, von Ton zu Ton.

Bachelor aus Grenchen

Eine ganze Auswahl möglicher Partner präsentiert die Gosche der «Bachelor»-Kandidatin Laura Tschaggelar, die den Bachelor ja schmählich verschmähte. In Grenchen gäbe es laut Gosche doch den einen oder anderen Kandidaten, der – mit wenigen Abstrichen – dem geforderten Profil entsprechen würde.

Dass die BMX-Piste als Test-Bahn fürs BGU-Fahren dienen könnte, darauf muss man kommen, sehr spassig und bissig. Dies nur ein Teil der witzigen Sport-Seite mit internationalem Touch. Immerwährendes Thema in Grenchen ist auch der Verkehr, vor allem dann, wenns eben nicht rund läuft. Nach dem Motto: Navis kennen die Archstrasse nicht.

Aber auch für den Flugverkehr bietet die Gosche ganz neue Ideen, die sich der Regierungsrat doch bitte zu Herzen nehmen möge. Jedenfalls könnte man so das leidige Thema der Pistenverlängerung elegant umschiffen.

Eine ganze Seite widmet die Gosche der Lieblingsnachbarstadt Solothurn – eine Stadt im Regen. Äusserst lesenswert! Auch die Grenchner Politiker kriegen ab und an ihr Fett weg, sei es Ivo von Büren als Puppenspieler, der seine Gemeinderatspuppen im Griff hat, sei es Remo Red-Bill als Wahlkämpfer, der sich, wie viele andere Kandidaten, auf dem Märetplatz den Marktbesuchern geradezu aufdrängen musste oder als Altlast im Trinkwasser.

Viel sagen auch die dazugehörigen Zeichnungen aus, die einmal mehr äusserst gelungen sind. Auch der doppelte David, Baumgartners Doppelmandat als Sparer bei der Gemeinde und Sparer beim FCG, wird treffend dargestellt.

Seitenhiebe allenthalben

Auf den 20 Seiten der Gosche finden sich noch viele, feine Seitenhiebe auf Parteien, Institutionen und politische Gremien. Natürlich dürfen auch die prominenten Abtretenden nicht fehlen, ob sie nun freiwillig oder unfreiwillig den Platz räumen. So wie Feuerwehrkommandant Bruno Bider oder Polizeikommandant Robert Gerber als «blaui Lüüchtene». Die Abgänge auf der Baudirektion werden verschiedentlich thematisiert, wenn auch nicht mit der Schärfe, die der Umstand eigentlich verdienen würde.

Doch halt: Auch das GT bekommt natürlich eins ans Schienbein – just wegen des «Verschweigens» dieser Missstände. Ob da wohl immer noch zensuriert wird? Nein, die Redaktoren sind nur zu freundlich. Apropos Just: Auch derjenige mit Vornamen «Perli» hat als strammer Kämpfer für seinen Windpark einen Platz in der Gosche auf sicher.

Zu guter Letzt folgt das Narre-Abc mit Schüttelreimen und Zwei- oder selten Vierzeilern zu diversen Personen des öffentlichen oder öffentlich bekannten Grenchner Lebens. Alles in allem die passende Lektüre vor einer «monschtröösen Gränchner Fasnacht».