Es ist ein feuchtkalter Oktobermorgen. Eine kühle Brise weht einem bei gerade einmal vier Grad Celsius um die Ohren und wegen der dicken Nebelschwaden sieht man zu Beginn kaum die Hand vor Augen. Trotzdem versammelten sich am Samstag über 20 Pilzfreunde zur Exkursion des Pilzvereins Grenchen & Umgebung im Leuziger Wald. So viele wie wahrscheinlich noch nie, wie Vizepräsident Andreas Baumgartner anmerkte.

Der Ausflug diente als krönender Abschluss des diesjährigen Pilzkurses, welcher Ende August begonnen hatte. Aber vom frischgebackenen Kursabsolventen bis hin zum langjährigen Sammler ist hier alles zusammengekommen, um dem gemeinsamen Hobby zu frönen.

Ausgerüstet mit gutem Schuhwerk, Sackmesser und einem Korb sind die Teilnehmenden bereit, frisch ans Werk zu gehen. Einige haben sich zur Sicherheit zudem noch eine Leuchtweste übergestreift, denn Anfang Monat begann auch die Jagdsaison.

Erwartungen sind getrübt

Bevor das grosse Sammeln allerdings beginnen kann, erklärt Kurt Bisang, technischer Leiter des Vereins, die Situation im Wald, welche leider nicht allzu rosig aussehe. «Macht euch nicht zu grosse Hoffnungen», so Bisang wenig ermutigend. Denn vor rund zwei Wochen sei ein regelrechter Pilzhype ausgebrochen.

Sprich: Das Gelände dürfte inzwischen grossmehrheitlich abgegrast sein. Dies tat der Stimmung allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil, es spornte den einen oder anderen dazu an, noch energischer zu suchen. Und so schwärmen die Sammler – aufgeteilt in Vierer- und Fünfergruppen – in alle Himmelsrichtungen davon.

Kaum haben wir den Waldweg verlassen und uns einige Meter ins Dickicht begeben, springen einem die ersten Pilze beinahe schon entgegen. Hatte sich der Experte anfangs etwa getäuscht? Die Gruppe begutachtet das erste Exemplar: Es riecht ziemlich intensiv und wenig angenehm, sodass die Nase schnell wieder weggezogen wird. «Dies ist ein kleiner Schirmling – wegen des Geruchs wird er auch Stink-Schirmling genannt» erklärt Bisang mit einem Schmunzeln. Es folgen weitere Pilze, über die Bisang einiges zu erzählen vermag, doch sie haben allesamt einen Haken – sie sind nicht essbar. Im besten Fall sind sie einfach nicht geniessbar und im schlimmsten Fall hochgradig giftig.

Schon abgegrast

Wie beispielsweise der Kahle Krempling, dem wir begegnen. Dieser kann bei wiederholtem Verzehr zum Tod führen. «Wir müssen uns bewusst sein, dass wir ein bis zwei Dutzend Speisepilze haben die für uns interessant sind bei rund 6000 bis 8000 Pilzarten in der Schweiz», sagt der Experte. Bisang hatte Recht behalten, die offenen Stellen im Wald geben kaum noch was her, denn das meiste wurde bereits von früheren Besuchern eingesammelt.

Doch der Profi hält auch noch ein paar Tipps bereit. «An den Rändern, wo es allmählich in die Brombeersträucher hineingeht, schauen die Leute meistens nicht mehr so gut.» Und tatsächlich lassen sich etwas abseits die ersten Speisepilze wie der Marronen-Röhrling ausfindig machen. Er gehört zu den ergiebigsten und geschmackvollsten seiner Art.

Körbe sind am Ende doch voll

Das gefundene Gut wird sogleich mit dem Messer bearbeitet und auf Befall untersucht. Der Pilzprofi hat auch hier wieder nützliche Tricks auf Lager. «Den Pilz von oben aufschneiden, denn nicht alle Insekten kommen vom Stiel her hinein», sagt Bisang. Ausgerüstet mit dem nötigen Wissen und nach erstem Anfangserfolg, bahnen wir uns unseren Weg durchs Gestrüpp immer weiter ins Waldesinnere. Dabei ermahnt der Pilzexperte die Gruppe, nahe beieinander zu bleiben und auf die Orientierung zu achten. Denn wenn man sich nicht auskenne, könne man sich gerade beim Pilzesuchen schnell einmal im Wald verlaufen.

Rund zwei Stunden dauert die Suchaktion durch den Wald, bevor es mit gefüllten Körben wieder zurück zum Ausgangspunkt – der Leuziger Waldhütte – geht. Dort steht für die fleissigen Sammler eine wärmende Suppe bereit, während die gefundene Ware von Baumgartner nochmals genaustens überprüft und kontrolliert wird.