Red Bull Race Day

Das Grollen der Dinosaurier: In Grenchen flitzten Flugzeuge und Boliden um die Wette

Der Geruch von verbranntem Gummi des Red Bull Race Days lockte die Leute zu Tausenden auf den Grenchner Flughafen. Der Publikumsandrang mit 36'000 Besuchern über zwei Tage strapazierte die Logistik des Grossanlasses jedoch bis aufs Äusserste. Die Organisatoren schienen überfordert.

Viel Rauch, der Geruch nach verbranntem Gummi und Motorenlärm von gefühlten 120 Dezibel: Das Spektakel auf dem Flughafen Grenchen war grandios – aber es machte auch einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits lockte es Leute aus der ganzen Schweiz zu Tausenden nach Grenchen.

Andererseits hinterliess es den ökologischen Fussabdruck eines Dinosauriers. Zudem waren die Organisatoren in vielen Bereichen von der schieren Menschenmasse, die sich auf den Flughafen drängte, schlichtweg überfordert.

Abwechslungsreiches Kontrastprogramm

Zu den wenigen ruhigen Momenten gehörten die Synchronflüge der Modellsegler, die ihre farbigen Zeichnungen in den blauen Himmel zeichneten. Die Modellflieger boten einen schönen Kontrast; ansonsten dröhnten die Motoren mit gefühlten 120 Dezibel. Wer keinen Gehörschutz trug, riskierte, einen bleibenden Tinnitus mit nach Hause zu nehmen. Ohropax für Erwachsene waren gratis, der Pamir für Kinder kostete 30 Franken. Beide Angebote wurden kaum genutzt, meistens riefen die Eltern ihren Sprösslingen zu, wenn sie sich die Ohren zuhalten sollten. Und als dann Sébastien Buemi mit dem Formel-1-Rennwagen vorbeiraste, war es meistens schon zu spät.

So spektakulär waren die Shows in der Luft

Red Bull Race Day: So spektakulär waren die Shows in der Luft

Weitere Eindrücke

Red Bull Race Day

Auch in Zeiten der Sensibilisierung für Umweltfragen hat ein Anlass, der so viele Leute anzieht, sicherlich seine Berechtigung. Andererseits sendet der Red Bull Race Day Signale aus, die ein wenig wie das Poltern der letzten Dinosaurier klingen. Denn schon bald wird das Brüllen der Formel-1-Motoren der Vergangenheit angehören und durch das Surren der Formel E ersetzt. Der Geruch nach verbranntem Gummi mag für die Autofans wie ein feines Parfum riechen, aber die Menge an Feinstaub und Gummipartikel, die die Nascar-Boliden mit ihren 1250 Pferdestärken mit ihren Drifts über die Wiesen des Flugplatzes verteilten, dürfte die nächste Heuernte wohl in Sondermüll statt Viehfutter verwandeln.

Ein schöner Höhepunkt war der Formationsflug einer imposanten DC3 mit drei deutlich kleineren Flugzeugen Beech 18. Die «Classic Formation», deren Besitzer der Bettlacher Unternehmer Hugo Mathys ist. Die Fans der alten Flugzeuge waren begeistert. Auf der anderen Seite dürfte es das letzte Mal gewesen sein, dass in Grenchen eine Red-Bull-Air-Race-Demo zu sehen war. Auf Ende Jahr wird die Kategorie aufgelöst, wenn nicht noch ein Wunder passiert. Die Dinosaurier mögen einst noch so laut gepoltert haben, sie konnten sich den gewandelten Zeiten nicht anpassen und sind ausgestorben. Und so freut sich Grenchen auf die neue Spezies, die schon bald die Herrschaft über den Flughafen übernehmen wird. Still und leise werden bereits in fünf Wochen die elektrisch angetriebenen Flugzeuge an der «smartflyerchallenge» den Grenchner Luftraum erobern.

«Hätte ich gewusst, dass ich eine Stunde auf der Autobahn A5 im Stau stehen werde und dass ich hier eine Stunde in der Schlange für einen Hamburger warten muss, wäre ich wohl nicht nach Grenchen gekommen», fasste der Oltner Martin Müller sein Erlebnis zusammen – ohne zu ahnen, dass er auf dem Heimweg gleich noch einmal so lange in der Schlange stehen musste, weil sich der Stau auf der A5 von Grenchen bei der Verzweigung Luterbach mit dem Ferienverkehr der A1 kumulierte.

«Trotzdem hatte es einfach zu wenig Helfer»

«Ich bin zwar ein Fan schöner Autos, aber ehrlich gesagt war ich trotzdem etwas enttäuscht», meinte der Grenchner Benjamin Schilt, der zusammen mit seinem Vater zu Fuss auf den Flugplatz gekommen war. «Einerseits ist es gut für Grenchen, wenn ein Anlass so viele Leute aus der ganzen Schweiz anlockt. Andererseits hatte es so viele Leute am Rand der Piste, dass ich zum Beispiel die Formel-1-Boliden gar nie richtig sehen konnte.»

Auch Benjamin Schilt kritisierte die Organisatoren: «Dass man in der Hitze ewig anstehen muss, wenn man ein Getränk kaufen will, ist nicht in Ordnung. Man wusste ja, dass die Leute zu Tausenden kommen werden. Trotzdem hatte es einfach zu wenig Helfer.» Immerhin darf man den Organisatoren positiv anrechnen, dass sie an drei Stellen die Wasserhähne öffneten, damit man den gröbsten Durst gratis löschen konnte.

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