Gemeinschaftsantenne GAG
Das Glasfasernetz in Grenchen verdichtet sich

Das Ausbauprojekt für Grenchen ist auf Kurs, 2015 folgt dann Bettlach. «Sie sind Aktionäre der GAG und haben ebenfalls ein Recht auf diesen Service-Update», erklärt GAG- Chef Kurt Hohler.

Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen
Glasfasernetz
11 Bilder
Aufbereitung der optischen Signale
Glasfaser-Verteilerkasten
Service-Fahrzeuge der GAG
Hier laufen alle GAG-Internetsignale durch
GAG-Werkhof an der Alpenstrasse
Elektroschrott
GAG-Chef Kurt Hohler vor einer Rolle mit Glasfaserkabeln
Der Serverraum hat eine Schutzgas-Löschanlage
Das Analogsignal wird aus einem Digitalsignal gewonnen

Glasfasernetz

Andreas Toggweiler

Die grosse Senderumstellung auf dem Kabelnetz der Gemeinschaftsantenne GAG vom vergangenen Mai war weit weniger problembehaftet als die letzte grosse Umstellung vor fünf Jahren, als die GAG die TV/Radio-Signale des Quickline-Verbundes übernahm. Dieser Kabelnetz-Verbund wächst kontinuierlich und ist nach der Swisscom und UPC Cablecom inzwischen die drittgrösste Mediensignal- und Telecom-Anbieterin in der Schweiz.

Alle Fernsehsignale der 21 Quickline-Partner wurden am 6. Mai auf schwergewichtig digitale Verbreitung umgestellt. Im analogen Angebot verblieben nur noch die SRF-Sender und einige Lokalstationen. «Auch wenn in den Wochen nach der Umstellung bei uns das Telefon noch oft klingelte wegen Fragen, wurden die umfangreichen Anpassungen im Digitalangebot von unseren Kunden gut aufgenommen», bilanziert GAG-Chef Kurt Hohler nach gut drei Monaten.

Dies führt Hohler, der die GAG seit neun Jahren leitet, auf drei Gründe zurück. «Viele der heutigen Geräte (z.B. Settop-Boxen) haben sich selbstständig auf die veränderten Signale eingestellt, bei anderen musste ein Sendersuchlauf gestartet werden.» Auch habe man im Vorfeld ausführlich kommuniziert, mit Inseraten, Plakaten, Schreiben an die Kunden, Informationsveranstaltungen, Internet usw. «Und schliesslich sind die Verbesserungen der Bild- und Tonqualität bei HDTV derart augenfällig, dass man gerne von diesem Fortschritt profitiert», so Hohler.

1000 Settop-Boxen verkauft

Doch wurden auch rund 1000 Settop-Boxen «nahezu zum Selbstkostenpreis» verkauft, welche ältere TV-Geräte mit den neuen sogenannten MPEG-4-Signalen kompatibel machen. Auf Knopfdruck stehen den über 20 000 angeschlossenen Haushalten im GAG-Gebiet 500 digitale TV- und Radioprogramme zur Verfügung, sowie gegen Bezahlung weitere Packages (Sport, News, fremdsprachige Sender usw.). «Die Rückmeldungen der Kunden sind überwiegend positiv», so Hohler.

Das interaktive Fernsehen «Verte!» mit Replay, Videothek und Aufnahmefunktion würden inzwischen über 1200 Kunden nutzen, rund 6000 Kunden wählen die GAG als Internet-Provider und weitere 4000 für die Festnetz- und Mobiltelefonie. In Grenchen allein sind 7500 Haushalte als GAG-Netz angeschlossen, was 38 Prozent des Marktgebietes ausmacht.

GAG in Zahlen

Kunden in 16 Gemeinden

Die Gemeinschaftsantenne GAG ist eine Aktiengesellschaft im Besitz der Gemeinden Grenchen, Bettlach, Lengnau, Pieterlen und Selzach. Sie beliefert Kunden in 16 Gemeinden mit TV/Radio, Internet und Telefoniedienstleistungen: Grenchen, Bettlach, Lengnau, Selzach, Pieterlen, Safnern, Meinisberg, Orpund, Leuzigen, Arch, Rüti, Büren, Dotzigen, Lommiswil, Romont und Aegerten. Die Firma erzielt mit 15 Mitarbeitenden einen Umsatz von 10,5 Mio. Fr. Sie ist eine von 21 Wiederverkäuferinnen des Quickline-Verbundes, der von der gleichnamigen Firma in Biel mit Multimedia-Signalen sowie Internet- und Telefonie-Dienstleistungen beliefert wird. Die GAG wiederum ist für die Gewährleistung der technischen Infrastruktur bis zum Hausanschluss verantwortlich. (at.)

Um die Datenflut dieser Angebote weiterhin problemlos «handlen» zu können und um den Hauptkonkurrenten Swisscom in Schach zu halten, ist die GAG zurzeit daran, das Glasfasernetz der Stadt Grenchen aufzurüsten. Die Signalübermittlung mittels Lichtleitern steigert die Kapazität um ein Mehrfaches.

Vor der jetzigen Modernisierung waren 50 Verteilstationen in der Stadt bereits mit Glasfasern mit der Zentrale an der Alpenstrasse verbunden, dazu auch einige geschäftliche Grosskunden. «Wir bauen dieses Netz jetzt auf 150 Knotenpunkte aus», erklärt Hohler. Von diesen Punkten aus werden die Signale mit ebenfalls leistungsstarken Koaxialkabeln auf die Hausanschlüsse verteilt. Auch diese würden aber auf den modernsten Stand gebracht.

Warum nicht gleich die Glasfasern bis ins Haus ziehen und damit sogenanntes «Fibre to the home» realisieren? – «Technisch kein Problem», meint Hohler, doch eine Frage der Kosten. Die Kapazitätsreserven der Glas/Koax-Verbindungen seien für Privatanschlüsse, auch für zukünftige Bedürfnisse, mehr als genügend, die Möglichkeiten für eine Aufrüstung auf Glasfasern bis in die Wohnung jederzeit gegeben.

2015 kommt Bettlach dran

Ein Autobahnzubringer direkt auf jeden Garagenplatz macht ja in der Tat, bildlich gesehen, wenig Sinn. Und bevor man jedes der 2814 Grenchner Gebäude frisch verkabelt, gilt es, an die Nachbargemeinden zu denken. «Sie sind Aktionäre der GAG und haben ebenfalls ein Recht auf diesen Service-Update», erklärt Hohler. So wird denn ab 2015 auch in Bettlach das bestehende Glasfasernetz ebenfalls stark ausgebaut. Zu diesem Zweck dient unter anderem ein zweiter Werkhof an der Lebernstrasse in Bettlach.

Laut Hohler investiert die GAG Jahr für Jahr zwei bis drei Millionen Franken für die Werterhaltung und den Ausbau des Netzes. Mit Ausnahme der Gemeinde Aegerten ist sie auch Eigentümerin der Infrastruktur. «Wir wollen unseren Kunden stets den besten Service bieten, das ist unsere Philosophie.»

Dies zahlt sich offenbar auch aus. Die Kundenzahl der GAG steige kontinuierlich an, was allerdings nicht zuletzt auch auf die intensive Wohnbautätigkeit zurückzuführen sei, wie Hohler einräumt. Anderseits gehört ein Kabelanschluss insbesondere bei Mehrfamilienhäusern auch heute noch zum Standard.