Brigitte Stettler
Das Gesicht der Grenchner Stadtbibliothek geht

Nach 43 Jahren Tätigkeit für die Stadt geht die Leiterin der Stadtbibliothek in Pension. «Ich hatte den besten Job, den man sich wünschen kann», sagt Brigitte Stettler.

André Weyermann
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Brigitte Stettler prägte die Grenchner Stadtbibliothek.

Brigitte Stettler prägte die Grenchner Stadtbibliothek.

Hansjörg Sahli

Sie war über Jahrzehnte Gesicht und Seele der Stadtbibliothek. Nun nach 43-jähriger Tätigkeit verlässt Brigitte Stettler «ihre» Bücher im Schulhaus I und wird den Ruhestand geniessen. «Ich hatte den besten Job, den man sich wünschen kann. Diese Mischung zwischen Büchern und dem Kontakt zu den Menschen ist schlicht genial», erklärt die gelernte Buchhändlerin.

Diese Liebe zu ihrem Beruf bekamen auch die Kundinnen und Kunden im besten Sinne zu spüren. Immer hatte sie Zeit für ein paar Worte, beriet und ermunterte und hat damit gar manchem Lesenden neue Welten eröffnet.

Als Aushilfe begonnen

Es passt zum spontanen Wesen von Brigitte Stettler, dass sie sich in den Siebzigerjahren aus dem Aargau kommend einfach mal beim städtischen Personalchef Max Obrecht nach einer Stelle erkundigte. So landete sie als Aushilfskraft beim damaligen Archivar/Bibliothekar Hans Kaufmann. Die Chemie zwischen den beiden muss von Beginn an gestimmt haben. Auf jeden Fall wurden ihr immer mehr Arbeiten übertragen und Schuldirektor Teddy Buser machte sie schliesslich zur Verantwortlichen für die Stadtbibliothek.

Während ihrer langen Zeit konnte sie verschiedene Umbauten mitgestalten, erlebte die Wandlung von der «Papierli-Kartei» zur Computer-Datenbank, sah den Kundenstamm auf über 2000 wachsen und war zuletzt Hüterin von gut 40 000 Büchern. Ein Anliegen war ihr immer auch die Leseförderung. So fanden in der Bibliothek zahlreiche Lesungen statt, vor allem auch Anlässe für Kinder und Jugendliche.

Überhaupt hat sich Brigitte Stettler in der Gemeinde nachhaltig engagiert. Sie war Mitbegründerin und Präsidentin des Kleintheaters, präsidierte die Literarische Gesellschaft, sass im Verwaltungsrat der Parktheater-Genossenschaft und arbeitete in der Kulturkommission mit. Ausserdem hat sie ihr Schreibtalent verschiedentlich unter Beweis gestellt; eine Tätigkeit, die sie wieder aufzunehmen gedenkt.

Quantität und Qualität

Täuscht der Eindruck, oder werden immer mehr Bücher geschrieben? «Es gibt tatsächlich mehr Schreibende als je zuvor. Irgendwie hat jeder das Gefühl, er könne ein Buch publizieren, wobei die Qualität mit dieser Entwicklung nicht in jedem Fall mithalten kann», meint sie dazu.

Die Bibliothek sei gut aufgestellt mit einem starken Frauenteam mit Maya Karlen als Vorgesetzter und mit Karin Burkhalter, die seit einigen Jahren im Schulhaus I tätig ist. «Ich hoffe sehr, dass sich das angedachte Projekt in der Alten Turnhalle verwirklichen lässt», äussert sie sich zur Zukunft. Es ist ihr auch ein Anliegen, sich von allen Kunden der Bibliothek mit einem Merci zu verabschieden. Besonders dankbar ist sie für die grosse Unterstützung, welche sie auch in schwierigen Zeiten, als sie sich dezidiert zum politischen Geschehen in der Stadt äusserte, erfahren durfte.

Der Zeitpunkt, um Adieu zu sagen, sei goldrichtig: «Ich habe das Gefühl, ich kann zur Türe hinausgehen und meinen Beruf mitnehmen. Es ist eine runde Sache.»

Es werde ihr bestimmt nicht langweilig werden, denn eigentlich sei das Leben mit allem, was es beinhaltet, ihr grosses Hobby. «Ich werde natürlich weiterhin Bücher lesen, der Natur zuhören, Gespräche führen, mich an kleinen Dingen erfreuen und mich auch weiterhin in keiner Hinsicht verbiegen. Das Leben an und für sich ist genial und ja, ich bin wunschlos glücklich», beschreibt sie ihre Pläne.

Tönt so, als ob sich da jemand lustvoll der «Kunst des Müssigganges» widmen werde.