Mittelländer Ausstellung

Das Geschäft an der mia lief nicht, jetzt will Aussteller sein Geld zurück

Zu wenig Umsatz an der mia.

Zu wenig Umsatz an der mia.

Nachdem das Publikum an der mia weitgehend ausblieb, will ein Aussteller aus der Innerschweiz Geld zurück. Etliche Aussteller folgen ihm. Der Messeveranstalter verweist auf seine Juristen.

Die Unzufriedenheit mancher Aussteller mit dem Verlauf der 28. mia geht so weit, dass jetzt Forderungen gegenüber dem Messeveranstalter erhoben werden. «Aufgrund der durchwegs negativen Erfahrungen an der diesjährigen mia Grenchen, sehen wir uns gezwungen, bei der FVF Messe Event AG zu intervenieren», schrieb am Montagmorgen der Innerschweizer Stephan Bosshard, der mit seinen Süssigkeiten (gebrannte Mandeln, Caramels etc.) an der mia präsent war.

Denn auch ihm, wie bei vielen anderen Ausstellern, lief das Geschäft nicht. «Der uns entstandene Verlust geht in die Tausende und wir sind nicht bereit, diesen zu akzeptieren», schreibt er in einem Mail an die mia.

Happige Vorwürfe

Die anderen Aussteller fordert er in einer Kopie auf, es ihm gleich zu tun und 50 Prozent der Platzmiete zurückzufordern. Die Intervention begründet man damit, dass es der FVF Messe Event AG «nicht gelungen ist, eine ordentliche und ernstzunehmende Messe auf die Beine zu stellen.» Für diesen Misserfolg macht man «ganz alleine den Veranstalter verantwortlich» - Mehr noch: «Kann es sein, dass es von vornherein geplant war, die mia ein letztes Mal durchzuführen? ... wusste der Veranstalter gar schon von vorneherein, dass man diese mia an die Wand fahren wird, aber vorher nochmals kräftig abkassieren will?», so der happige Vorwurf an Messeveranstalter Sandro Keller.

Es folgt eine Mängelliste mit neun Punkten. Darunter wird die Verkleinerung des Messegeländes bei gleichzeitigem «hohem Eintrittspreis» kritisiert, die «Abnabelung» vom Lunapark, ein fehlender Rundgang im Aussengelände, das «nicht familiengerechte Abendprogramm mit Hard Rock-Musik». Zudem habe er den vorgängig fest versprochenen Standplatz nicht erhalten, schreibt Bosshard.

«Übers Ohr gehauen»

«Es geht mir ja nicht primär ums Geld, auch wenn mich das Ganze wohl mit Standmiete, Spesen und Personal gegen 10 000 Fr. gekostet hat», erklärt Bosshard am Telefon. Die Einnahmen seien da ein Tropfen auf den heissen Stein. «Wir möchten, dass jedermann weiss, dass wir übers Ohr gehauen wurden.» Etliche Aussteller hätten sich bereits auf sein Mail hin gemeldet und unterstützten das Vorgehen, sagte Bosshard am Nachmittag.

«Wir sind uns im Velodrome die Beine in den Bauch gestanden, weil wir keine Kundschaft hatten. Und es ging allen so.», sagt eine weitere Ausstellerin, die nicht namentlich genannt sein will. «Selbst wenn ich das ganze Geld für den Stand zurückbekäme, wäre mein Verlust nicht gedeckt», empört sie sich. Auch habe sie sogar Kunden nach Messeende selber zum Velodrome hinausführen müssen, weil keine Security vorhanden gewesen sei. «Es wurde viel falsch gemacht – zu viel.»

Keller sagt nichts

Messeveranstalter Sandro Keller will auf Anfrage keine Stellung nehmen zu den zahlreichen und massiven Vorwürfen. Er habe sie an seine Rechtsvertretung weitergeleitet. «Jeder konnte sehen, dass die Messe gut organisiert war», sagt Keller lediglich.

Stadtpräsident François Scheidegger nimmt «mit Bedauern Kenntnis von dieser Entwicklung», will sich aber zur Auseinandersetzung zwischen Messeveranstalter und Ausstellern nicht äussern. Dennoch werde er jetzt das Gespräch mit Sandro Keller suchen. «Denn für die Stadt ist es wichtig, bald zu wissen, wie es mit der mia weitergeht. Hier möchte ich bis Mitte Juni Klarheit haben», meint Scheidegger.

Gewerbeschau kommt knapp zustande

Auch für GVG-Präsident Heinz Westreicher ist guter Rat teuer. Wie es mit der mia weitergehen soll, scheine ihm zurzeit unklar. «Der erhobene Eintrittspreis war sicher eine sehr hohe Hürde», meint er.

Dieser habe wohl das Publikum, als auch die einheimischen Aussteller kopfscheu gemacht. Ohnehin sei es schwierig, die Grenchner Firmen für derartige Auftritte zu motivieren. «Das haben wir bei der Gewerbeausstellung für das Grenchner Fest einmal mehr festgestellt.» Diese komme nun zwar zustande, «aber nur mit Mühe und Not», wie Westreicher betont.

Die Kapazitäten im GVG, um der mia zu einem Neustart zu verhelfen, sind nicht vorhanden. Sollte sich ein OK aus einheimischen Kräften aber formieren, sei man sicher bereit im Rahmen der Möglichkeiten mitzuziehen», meint der Gewerbeverbandspräsident.

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