Sanierung

Das Gemeindehaus Bettlachs erhält ein Jahrhundertlifting

Die Fassade des Bettlacher Gemeindehauses wird umfassend saniert. Dafür ist es auch höchste Zeit, denn an allen Ecken und auf allen Seiten platzte Verputz ab, wodurch Risse sichtbar wurden.

«Wir haben Schäden entdeckt, deren Behebung dringend nötig war», erklärt Enrico Sansoni, Inhaber der Firma, die mit der Fassadensanierung beauftragt wurde. Für Sansoni ist es nicht die erste Fassade eines geschichtsträchtigen Gebäudes in der Region, welche er erneuert, hat seine Firma doch unter anderem das Schulhaus in Büren, das alte Schulhaus und den Turm in Leuzigen saniert.

Das Gemeindehaus Bettlach ist seit längerem eingerüstet und wird es auch noch eine ganze Weile bleiben. Den Beschluss zur längst fälligen Renovation hatte der Gemeinderat im Dezember 2012 gefällt und dafür einen Kredit von 220 000 Franken bewilligt.

Dass man nicht um eine umfassende Renovation herumkommen würde, war schon seit geraumer Zeit klar: An allen Ecken und auf allen Seiten platzte der Verputz ab, Risse wurden sichtbar.

Man wusste auch, dass die Bruchsteinmauern komplett freigelegt werden müssen. «Der Grundputz ist ‹erstickt› und deswegen ausgesandet». Das heisst, Feuchtigkeit, die durch Risse unter den Verputz eindrang, konnte nicht mehr entweichen, respektive der Putzaufbau konnte nicht mehr genügend atmen, erklärt Fachmann Sansoni.

Das ehemalige Schulhaus

Das 1840 erbaute Haus, das ursprünglich nur zwei Stockwerke hoch war, diente früher als Schulhaus. 1899 wurde auf die bestehenden zwei Stockwerke ein drittes aufgebaut.

Zwischen 1943 und 1945 nahm man einen ersten Umbau vor, von da an diente es als Gemeindehaus. 1981 wurde es innen komplett saniert und erhielt es sein ockerfarbenes Aussehen, man übermalte den alten Kalkanstrich mit einer Dispersionsfarbe.

«Das war damals Mode. Viele Häuser wurden mit Dispersion gestrichen, aber man übersah dabei, dass Dispersion einfach zu wenig atmungsaktiv ist. Ein Bruchsteinmauerwerk muss zwingend offenporig beschichtet sein, sodass der Feuchtigkeitshaushalt gewährleistet ist», erklärt Sansoni.

Vor allem an der Westseite wurde immer wieder geflickt, Abplatzungen wurden mit Gewebe und Kunsttoffputz mehrmals überarbeitet, ein komplettes Flickwerk entstand, das schon von Weite zu sehen war.

Aus diesem Grund musste nun der gesamte Verputz runtergeschlagen werden, ohne die darunterliegende Mauer zu beschädigen. «Wir wussten, dass die Bruchsteinmauer rund 70 bis 80 Zentimeter dick ist, aber wir wussten nicht, wie gross die anfallende Menge von Verputz ist, die von Hand runtergeschlagen werden musste. Schliesslich waren es ganze 23 Kubikmeter.» Um Einiges mehr, als erwartet, man hatte mit rund 12 Kubikmetern gerechnet.

Verfaulte Balken und Risse

Was darunter zum Vorschein kam, war wenig erfreulich: Auf der Westseite fand man Balken, deren «Kopfteile» aus der Mauer ragten, auf einer Länge bis zu 25 Zentimetern vollkommen verfault. Abklärungen des Zimmermanns ergaben, dass es sich zum Glück nicht um tragende Balken handelte und man so die verfaulten Teile einfach entfernen konnte, ohne die Statik des Gebäudes zu gefährden.

An manchen Orten wurden Risse sichtbar, die man jetzt «entkoppelt», das heisst, im Grundputz werden örtlich Edelstahlnetze eingebaut, um statische Risse zu überbrücken. In der ursprünglichen Bruchsteinmauer waren ganze Steine herausgebrochen.

Man holte im Steinbruch neue Steine, behaute sie auf die geforderte Grösse und setzte sie in die Mauer ein. Danach wurden alle Löcher mit einem speziellen Stopfmörtel verschlossen.

Teile der Stuckatur des Dachabschlusses waren nahe daran, herunterzufallen, man musste ganze Teile des Mauerwerks herausnehmen, flicken, reprofilieren und neu versetzen. «Das hätte echt gefährlich werden können», sagt Sansoni. Schäden also, die man nicht im Voraus abschätzen konnte und mit denen man zum Teil nicht gerechnet hatte.

Zurück zu Ursprünglichem

«In einer nächsten Phase werden wir nun einen neuen Grundputz aufbringen, wenn dieser trocken ist, kommt darauf ein neuer Deckputz», erklärt Sansoni. Bei den Materialien gehe man dabei zurück auf Ursprüngliches: «Es sind Sanierputze auf mineralischer Basis. Auch die Silikatfarbe, welche zuletzt auf die Fassade kommt, ist mineralisch und offenporig Das heisst, wenn es regnet, wird sich das Gebäude dunkel verfärben, und wenn es trocknet, wieder aufhellen.»

Sansoni betont, das sei keine Aussenisolation. «Das Haus wurde beim letzten Umbau innen mit einer leichten Gips-Karton-Verbundplatte isoliert. Zudem werden bei der jetzigen Sanierung alle Fenster erneuert.»

Farbgebung noch unklar

Welche Farbe das Gemeindehaus dereinst erhalten soll, darüber ist man sich noch nicht einig. «Wir haben einige Muster geliefert, aber es gibt natürlich Stimmen, welche wieder wieder den Ockerfarbton wünschen.

«Das wäre nicht unbedingt in meinem Sinn, dieser Farbton stammt wahrscheinlich aus den 80-er Jahren. Das Gemeindehaus darf durchaus ein bisschen frischer und heller daherkommen», meint der Fassadenspezialist. Aber die Entscheidung liege bei der Fachkommission, und die habe noch nicht entschieden.

Im Juli sollte die Sanierung der Fassade abgeschlossen sein. Alles geht langsam vor sich, weil Grundputz, Deckputz und Farbe jeweils etliche Tage bis Wochen zur Trocknung benötigen. Aber nach den Sommerferien sollte das alte Gemeindehaus in neuem Glanz erstrahlen.

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