Lange passierte fast gar nichts auf dem Bauplatz der Grenchner Moschee «Ebu Hanife» der Albanisch islamischen Glaubensgemeinschaft (AIG) an der Maienstrasse. Die Bauarbeiten ruhten nach dem Aushub mehrere Wochen lang. Die Baugrube war lange mit Wasser gefüllt, im lehmigen Boden konnte fast nichts versickern.

Nun geht etwas auf dem Gelände neben Otto’s: Ein Kran steht auf dem Gelände, der Untergrund ist geebnet, Werkleitungen und Sickerleitungen sind verlegt und eine erste Betonschicht wurde gelegt. Momentan ist eine Baufirma daran, die Armierungen zu verlegen, um das Betonfundament giessen zu können. «Sieben Jahre Verzögerung sind doch eigentlich genug», sagt Nadir Polat von der Mimari GmbH, welche die Bauleitung übernommen hat.

Alles habe bis jetzt geklappt und er sei zuversichtlich, dass die Bauzeit von eineinhalb Jahren eingehalten werden könne. «Es geht vorwärts und wir rechnen damit, dass der Rohbau schon Ende November dieses Jahres fertiggestellt ist. Solange die Temperaturen über 5 Grad Celsius liegen, kann man ohne Probleme betonieren.»

Ein schwieriger Start

Der Bau der Moschee in Grenchen hatte vor fünf Jahren landesweite Wellen geworfen, als Unbekannte ein totes Schwein und vier Schweinsköpfe dort vergruben sowie 120 Liter Schweineblut auf dem Gelände verteilten, um damit den Untergrund zu entweihen und damit den Bau zu verhindern. Die Täter wurden nie gefasst. Jetzt, da der Boden betoniert sei, werde es wohl schwierig, dort etwas zu vergraben, so Polat lachend. Und doch will man die Baustelle überwachen. Polat hat der Bauherrschaft, der Albanisch islamischen Glaubensgemeinschaft (AIG), ein Überwachungssystem vorgeschlagen.

Die Moschee «Ebu Hanife», benannt nach einem islamischen Theologen aus Persien, der um das Jahr 698 nach Christus lebte, soll ein Gebäude von rund 8 Metern Höhe werden, ungefähr so hoch wie ein dreistöckiges Gebäude, mit einem kuppelartigen Aufbau. Im Innern sollen rund 200 Personen Platz finden, fürs Gebet, für Deutsch- und Religionskurse. Neben der Moschee sind 53 Parkplätze geplant.

Die Baukosten belaufen sich laut den ursprünglichen Plänen auf knapp 2 Millionen Franken. Eine erste Baubewilligung aus dem Jahr 2010, die schon um ein Jahr verlängert worden war und verfiel, hatte die Baudirektion an die Bedingung geknüpft, dass die Bürgschaft einer Schweizer Bank vorliegen muss, welche sicherstellt, dass das Geld während der gesamten Bauzeit zur Verfügung steht. Der Bauherrschaft gelang es aber nicht, die Summe und die geforderte Garantie beizubringen. Nur etwa die Hälfte des Kapitals wurde aufgetrieben – die AIG hatte rund eine Million Franken gesammelt – und keine Schweizer Bank wollte die Garantie liefern.

Für die neue Baubewilligung im Jahr 2013 setzte man die Hürde etwas herab: Verlangt wurde nur noch, dass das Geld für den Bau auf einem Sperrkonto hinterlegt wird, das treuhänderisch verwaltet wird. Inzwischen konnte die AIG sämtliche verlangten Dokumente und Garantien beibringen – die Aargauer Kantonalbank soll laut unbestätigten Informationen die Garantie abgegeben haben – und kurz vor Ablauf der Verlängerung der Baubewilligung erfolgte der Spatenstich.

Nun scheint alles in geordneten Bahnen zu verlaufen. Das Geld für den Bau werde treuhänderisch von einer darauf spezialisierten Abteilung der Firma Weiss-Apetito verwaltet, so Polat.

Grosses Interesse von Lokalen

«Wir stellen mit Freude ein grosses Interesse von lokalen Handwerksbetrieben fest, welche sich am Bau beteiligen wollen.» Insbesondere der Innenausbau im nächsten Jahr interessiere. Die Moschee wirke wie ein Magnet und er verspüre auch einen grossen Goodwill seitens der verschiedenen Betriebe, so Polat: «Mancher Betrieb möchte für sich Werbung machen können, indem er beispielsweise vermelden kann, er habe den Blitzschutz für die Moschee in Grenchen geliefert oder so ähnlich.»