Es war der einzige Ort, wo das Logo des grössten Arbeitgebers in Grenchen so richtig prominent und von weither sichtbar prangte: das 2012 neu erstellte Werk 18 der ETA an der Flughafenstrasse, im Volksmund unter dem Begriff «Zifferblattfabrik» bekannt. Alle anderen ETA-Werke in Grenchen und Bettlach sind zwar auch irgendwie angeschrieben, aber weitaus diskreter.

Seit einigen Tagen prangt aber am Hochregallager des ETA-Werks ein ganz anderes Logo: «R.W.», zwei Buchstaben, welche für den Namen «Rubattel & Weyermann» stehen, eine Firma der Swatch Group in La Chaux-de-Fonds. Das ETA-Werk wurde somit innerhalb des Konzerns umfirmiert.

Zifferblatt-Spezialistin

Die Firma Rubattel & Weyermann wurde 2002 von der Swatch Group übernommen und ist wie das ETA-Werk auf die Fertigung von Zifferblättern spezialisiert, insbesondere für das Luxussegment. Sie wurde 1890 von den beiden Graveuren und Guillocheuren Frédéric Rubattel und Walther Weyermann gegründet, die eine Meisterschaft im Gravieren von speziellen Mustern auf Zifferblättern entwickelt hatten, das Guillochinieren. In den letzten Jahren wurde auch die Tradition der Herstellung von emaillierten Zifferblättern wiederbelebt, die in den Luxus-Marken der Swatch Group zum Einsatz kommen. Der Sitz der Firma befindet sich in einem neuen Industriekomplex an der Rue Louis Chevrolet in La Chaux-de-Fonds, zusammen mit anderen Swatch Group-Firmen, beispielsweise der Firma Universo, die Uhrenzeiger herstellt.

Im Jahresbericht 2017 der Swatch Group sind Rubattel & Weyermann nur wenige Zeilen gewidmet. Die Rede ist von einem «wachsenden Auftragsvolumen». Zu den Hintergründen der Umfirmierung gibt sich der Konzern gewohnt einsilbig. «Rubattel & Weyermann war schon immer in diesem ETA-Werk tätig, auch ohne Logo an der Fassade. Wegen wachsender Nachfrage, brauchte das Unternehmen in den letzten Jahren einfach mehr Platz. Wir haben diese Präsenz nun visuell signalisiert», erklärt Swatch Group Kommunikationschef Bastien Buss auf Anfrage.

Für Angestellte ändert nichts

Die Arbeitnehmer der Fabrik hätten neue Verträge zu gleichen Bedingungen erhalten, die Leitung des Werks sei dieselbe geblieben, so Buss weiter. Drei temporär Angestellten sei der Vertrag nicht verlängert worden. Die Hauptsprache bleibe Deutsch und es würden weiterhin Lehrlinge ausgebildet.

Keine Angaben macht Buss über die steuerlichen Auswirkungen der Umfirmierung auf Grenchen und über die allfällige Verschiebung von Arbeitsplätzen zwischen Grenchen und La Chaux-de- Fonds. Immerhin hatte die Swatch Group anlässlich der Bekanntgabe ihrer Jahreszahlen Ende Januar davon gesprochen im Jahr 2018 1700 neue Arbeitsstellen geschaffen zu haben, davon 1300 in der Schweizer Produktion.

Luxussegment läuft gut

Der Personalbestand in der Schweiz wird mit 18 000 angegeben. Wo diese Stellen genau geschaffen wurden, darüber schweigt sich der Konzern wie gewohnt aus. Fakt ist: im vergangenen Jahr ist das Luxussegment bei der Swatch Group sehr gut gelaufen. Blancpain vermeldete einen Rekordumsatz und auch das mittlere und das untere Preissegment habe sich «gut behauptet», wie es heisst.

Wenn die FH (Federation Horlogère) rückläufige Stückzahlen bei den Uhrenexporten im Segment bis 500 Fr. vermeldet, heisse das bezüglich Swatch Group nicht dasselbe, meint Buss, allerdings ohne konkreter zu werden. Denn auch über Stückzahlen sagt die Swatch Group fast nie etwas, ausser es werden Produktionsjubiläen erreicht wie kürzlich die 50. Millionste Longines-Uhr.

50 Jahre Mondlandung

Im Jahresausblick 2019 erwartet die Swatch Group ein «gesundes Wachstum trotz der starken Vergleichsbasis des ersten Halbjahres 2018». Die Nachfrage sei gut und «die Produktionsprobleme und Engpässe, vor allem im Bereich Habillage (Endmontage der Uhren) werden im 1. Halbjahr gelöst sein», heisst es. Der Konzern hatte Lieferengpässe im Prestige- und Luxussegment (Blancpain, Omega und Longines) eingeräumt.

Impulse erwarten die Uhrmacher dieses Jahr insbesondere vom Jubiläum 50 Jahre Mondlandung (die Astronauten trugen 1969-1972 auf dem Mond Omega Speedmaster Uhren). Angekündigt wurde ferner eine Smart Watch (Tissot T-Touch) mit eigenem Betriebssystem. Noch diesen Monat will Swatch die Plattform Sistem 51 (mechanisches Swatch-Werk) mit einer antimagnetischen Spiralfeder lancieren.