Mit sattsam bekannten Liebesgeschichten inklusive Happy End, Sonnenuntergang und so weiter hat Pedro Lenz nichts am Hut. Seine Geschichten spielen im wahren Leben, kommen aus der Nachbarschaft, nähren sich aus Erlebtem.

Seine Protagonisten sind oft genug von der Gesellschaft zu Verlierern Gestempelte, ihre Liebesbeziehungen zumeist unerfüllt, verloschen, unausgedrückt oder schlicht unerfüllbar.

Aber der Autor macht daraus Liebesgeschichten in einer anderen Dimension, indem er seinen Akteuren mit Zuneigung, ja Zärtlichkeit begegnet, sie mit all ihren Schwächen akzeptiert und ihre Stärken nicht vergisst.

Pedro Lenz ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der sich auch mal von Wortassoziationen verleiten lässt. Dabei versteht er es trotzdem, das Publikum immer wieder in die Geschichte zurückzuholen und mit Wortwitz und Situationskomik für manch heiteren Moment zu sorgen.

So fahren wir im Zug zwischen Olten und Grenchen mit, wo ein junger Mann via Handy seiner Noch-Geliebten das Scheitern der Beziehung aufgrund verschiedener Lebensauffassungen mitteilen will. Das Gespräch zieht sich in die Länge, nicht zuletzt, weil Mitpassagiere sich einmischen. Und als er es sich anders überlegt hat, der Beziehung noch eine Chance geben will, passiert es: Der Akku gibt seinen Geist auf.

Wir leiden mit einem Kleinkriminellen mit, der auch bei seinem letzten Autobruch ausser einem Liebeslied von Celentano nichts Zählbares erbeuten konnte. Von seinesgleichen in der Oberschule habe es halt keiner viel weiter gebracht als in die nächste «Spunte», resümiert er und lässt auch das letzte Rendezvous mit Corinne platzen.

Jacqueline ihrerseits will sich an der Aare beim Krimilesen entspannen und muss sich dann doch die ganze Lebens-, Liebes-, und Leidensgeschichte eines Passanten anhören, der sie eigentlich nur um eine Zigarette angeschnorrt hat.

Bei der Geschichte von Barbara bleibt die Freundschafts-Anfrage übers Facebook wegen unausgelebter Emotionen während der Jugendjahre unbeantwortet, und Sabine begrüsst nach Jahrzehnten noch einen ehemaligen Schul-Schwarm mit dessen Kosenamen «Hösu», obwohl dieser ihn eigentlich an seine schmerzlichsten Stunden erinnert.

Da sind auch noch der Marktschreier, der an der Messe Verkaufserfolge feiert, in der Beziehung zu seiner Frau jedoch nur Niederlagen erleidet. Oder der Sozialhilfebezüger, der mit seinem Hund Alexander sogar die gleiche Exit-Kundennummer teilt und seinem unverständigen Sozialarbeiter erklärt: «He sorry, me mues doch ou mou dr Return of Investment aaluege, dr psychosoziau Output, dr Emotional Value vo somene Tier.»

So las Pedro Lenz einen bunten Strauss an berührenden Geschichten vor, die dem einen oder anderen aus dem Publikum das eine oder andere Mal merkwürdig vertraut vorgekommen sein dürften.