Heimelektronik
Das «Digirama» feiert sein 30-jähriges Jubiläum: Von der TV-Röhre bis zum WLAN

In Grenchen finden neben Interdiscount und Fust zwei Radio-/ TV Geschäfte als Familienbetriebe ein Auskommen. Eines davon, das «Digirama» feiert nun ihr 30-jähriges Bestehen.

Andreas Toggweiler
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Erfolg in einer volatilen Branche: Stephan Buser in seinem «Digirama»-Geschäft an der Bahnhofstrasse.

Erfolg in einer volatilen Branche: Stephan Buser in seinem «Digirama»-Geschäft an der Bahnhofstrasse.

Andreas Toggweiler

In Grenchen existieren nebst den Discountern noch immer zwei klassische Radio/TV-Geschäfte. Beides sind Familienfirmen. Das «Digirama» von Stephan Buser feiert dieses Wochenende zusammen mit seinen Kunden sein 30-jähriges Bestehen.

Vor gut zwei Jahren hat «Roth TV Video Hi-Fi» an der Marktstrasse nach 57 Jahren die Segel gestrichen. Das Schaufenster ist seither leer geblieben. Denn Unterhaltungselektronik wird in Grenchen seit geraumer Zeit gleich von zwei Discounter-Ketten (Interdiscount und Fust) angeboten, bei Migros findet man eine grosse Abteilung und einfache Geräte auch bei der Landi oder bei Otto’s. Zudem gewinnt auch das Internet laufend Marktanteile. Wie kann da ein Fachgeschäft noch mithalten?

Vom Geräteverkauf zur Komplettlösung

Stephan Buser, Eigentümer und Geschäftsführer des «Digirama» an der Bahnhofstrasse, muss nicht lange überlegen. «Unsere Vorteile sind Service und Beratung und das Angebot von aufeinander abgestimmten Komplettlösungen.»

Vom reinen Verkaufs- und Reparaturgeschäft für Geräte habe man sich längst zu einem Dienstleistungsbetrieb für die audiovisuelle Versorgung von Haushalten und Gewerbe entwickelt, erklärt Buser. Denn die moderne Haustechnik erlaube heute die Vernetzung von fast allem. Dank IP-basierter Technologie kann beispielsweise jeder Raum über WLAN oder Netzwerkkabel mit individuellem Musikprogramm beliefert werden, gesteuert wird das ganze per Handy oder Tablet.

Da Busers Geschäft der seit 1998 existierenden Einkaufskooperation «Electronic Partner» (EP) mit europaweit 12 000 Fachgeschäften angehört, könne man beim Geräteverkauf gleichzeitig mit Aktionen aufwarten, welche preislich mit den Discountern mithalten könnten. Dazu kommen verlängerte Garantiefristen, Beratung und Service. «Wir können so das Beste beider Welten kombinieren», meint Buser.

Was nicht heisse, dass man als Gewerbebetrieb nicht kämpfen müsse. «Wir bewegen uns in einer sehr schnelllebigen Branche». Die Marge beim Geräteverkauf ist minim, das Preisniveau sinkt laufend. So sei die Homepage des Geschäfts inzwischen auch eine Verkaufsplattform geworden.

Auch hier nutzt man die Ressourcen des EP-Verbundes, dessen Obmann Buser für die Schweizer EP-Händler ist. Das grosse Sortiment im Geschäft an der Bahnhofstrasse 2, das auch Computer, Handys und sogar Haushaltgeräte umfasst, sei auch dank dieser Partnerschaft möglich.

Die Zukunft ist digital

Alles begann in den 1970er-Jahren, als Stephan Busers Vater in einem kleinen Atelier an der Weinbergstrasse begann, Fernsehgeräte zu reparieren. Ab 1977 wurde auch erste Geräte verkauft. 1986 konnte man ein Verkaufsgeschäft an der Bündengasse beziehen (dort, wo zuletzt die Brockenstube bis zu ihrem Umzug an die Marktrasse heimisch war).

«Schon damals, als ITT die ersten Fernsehgeräte mit Digital-Chassis auf den Markt brachte, gab mein Vater dem Geschäft den Namen Digirama», erinnert sich Buser, «denn er erkannte früh, dass der Digitaltechnik die Zukunft gehört.» Heute hat sich diese flächendeckend durchgesetzt und wird ende 2017 auch noch das analoge Telefon mittels VoIP ablösen.

Fast wäre man geneigt, vom «digitalen Dschungel» zu sprechen, was eine entsprechende Gegenbewegung auslöst: Einerseits das Revival der analogen Schallplatte (ein Thorens-Plattenspieler mit Röhrenverstärker und JBL-Boxen steht im Geschäft fürs Hörerlebnis bereit), anderseits der Trend zu einfachen, formschönen Geräten mit intuitiver Bedienung. «Die Leute haben genug vom Kabelsalat und Bergen von Fernbedienungen, was ich bestens verstehe».

Buser arbeitet deshalb mit einem Anbieter zusammen, der massgeschneiderte Möbel für Audio- und TV-Komponenten fertigt. Komplettangebote umfassen zudem auch den ganzen Papierkram mit den Providern.

Facelifting steht an

Und weil sich die Technik rasant entwickelt und die Möglichkeiten immer grösser (und für den Laien unübersichtlicher) werden, sieht Buser für seinen Betrieb mit 8 (Teilzeit-)Angestellten inklusive Lehrling auch eine Zukunftsperspektive.

Ein Facelifting für das Geschäft sei mittelfristig angedacht, verrät er. Zuerst wird aber gefeiert: mit einem «Oktoberfest» heute Freitag und morgen Samstag in Zusammenarbeit mit dem «Grenchner Hof» vis-à-vis.

Geschäft geht bald an die 4. Generation

Das zweite Grenchner Fachgeschäft, Radio TV Schnyder, befindet sich ebenfalls an der Bahnhofstrasse und hat noch eine längere Geschichte als das (grössere) Digirama. «Ich vertrete inzwischen die vierte Generation, seit mein Urgrossvater an der Bündengasse mit dem Verkauf von Handorgeln begann», erklärt Patrick Schnyder (26), der schon die Lehre im Betrieb seines Vaters Manfred Schnyder (58) gemacht hat.

Es sei auch vorgesehen, dass er und seine Schwester Nicole (28) das Geschäft in absehbarer Zeit vom Vater übernehmen werden. Auch Patrick Schnyder beurteilt die Zukunftsaussichten als intakt. Nebst ebenfalls umfassenden Service und Beratung habe man sich auf Geräte von Qualitätsmarken spezialisiert, welche auch Ersatzteile liefern – was heute immer seltener der Fall ist.

Die Geräte werden in der hauseigenen Werkstatt gewartet. Das Angebot umfasst ein aktuelles Sortiment an TV-, Mulimedia und Audiogeräten, wobei auch Schnyder ein Revival der analogen Tontechnik auffällt. Mit dem «Digirama» komme man sich nicht ins Gehege. «Jeder Anbieter hat seine Marken und seinen Kundenstamm», erklärt Schnyder. (at.)