Doch, um den zu verstehen, muss man zuerst die Situation erklären: Der Bahnhofplatz wird täglich von vielen Pendlern überquert, die entweder vom Bahnhof her in die Stadt strömen oder von dort ihren Zug erreichen wollen. Gleichzeitig sind auf beiden Seiten dieses «Fussgänger-Nadelörs» etliche Bushaltestellen zu finden, und auch der motorisierte Verkehr beansprucht die Durchfahrt. Der Verkehr bei den zwei Fussgängerstreifen links und rechts der Bahnhofstrasse wurde in den letzten Jahren während der Stosszeiten morgens und abends von Mitarbeitern der Securitas geregelt, was die Stadt rund 90 000 Franken im Jahr kostet. In einem Pilotversuch wurde nun während dreier Tage auf diese Verkehrsregelung verzichtet, man wollte schauen, ob sich das Problem nicht von selber löst und man das Geld einsparen könnte.

Nebenbei bemerkt, das Problem ist nicht neu: Schon vor Jahren diskutierte man, ob es nicht viel schlauer wäre, dort ein Ampelsystem zu installieren, aber im Hinblick auf die Neugestaltung des Bahnhofplatzes verschob man das Vorhaben immer wieder. Vor zwei Jahren wurde eine ähnliche Studie durchgeführt, die zum Ergebnis kam, dass ohne Lotsen am Bahnhofplatz zu Stosszeiten das blanke Chaos herrscht und man nicht auf eine Verkehrsregelung verzichten kann.

Nun wurden alsoFussgänger, Busfahrer, Automobilisten und Velofahrer erneut als Versuchskaninchen aufeinander losgelassen, und wie man hört, ist die Kritik an diesem Versuch ziemlich laut. Nicht nur Buschauffeure klagen über mehr Stress, auch Vertreter der Autolobby motzen gewaltig.

Seien wir ehrlich: Die Ursache des Verkehrsproblems liegt zu einem grossen Teil im Verhalten der Fussgänger. Denn seit die Gesetzgebung diesen den uneingeschränkten Vortritt auf dem Fussgängerstreifen einräumt, latschen viele einfach drauflos, oft noch mit Kopfhörern völlig abgeschottet, den Blick starr nach vorne gerichtet. Ganz einfach nach dem Motto: «Jetzt komm ich und alle anderen sollen gefälligst warten». Steht man als Autofahrer vor dem Fussgängerstreifen, ist es durchaus möglich, dass man minutenlang warten muss, weil immer wieder jemand den Streifen betritt und sein Vortrittsrecht einfordert, egal, ob sich da schon eine Kolonne gebildet hat. Und ist man als Automobilist so frech und «drückt», wird man aufs Übelste beschimpft, zu Recht natürlich. Die Nerven liegen auf beiden Seiten blank. Nur selten – und meist sind es ältere Fussgänger – gewähren diese einigen der wartenden Autos den Vortritt.

Die Resultate desPilotversuchs sind obsolet, denn jeder, der in Biel mit dem Auto unterwegs ist, der ist grundsätzlich selber schuld. Und im Grunde geht es nur darum, die 90 000 Franken einzusparen. Ob die Verantwortlichen mit ihrer Aktion den politischen Behörden beweisen wollten, dass sparen um jeden Preis keinen Sinn macht, bleibt offen. Sicher ist, dass der dreitägige Pilotversuch nicht nur viele Nerven gekostet hat, sondern auch sonst nicht ganz billig war. Mit anderen Worten: Diesen «Pilotversuch» hätte man sich auch sparen können. Wetten?