Jubiläum

Das Bachtelen ist eine «Perle der Heimlandschaft»

Mit Ansprachen, Dankesworten, Musik und dem Auftakt zur Festspielwoche hat das Sonderpädagogische Zentrum Bachtelen am Montagabend sein 125-Jahre Jubiläum gefeiert.

Schon verschiedene Aktivitäten waren im Jubiläumsjahr 125 Jahre Bachtelen bisher zu verzeichnen. Am Montag war nun die Reihe an einem offiziellen Festakt mit Ansprachen, Dankesworten und Musik. «Endlich ist es soweit», sagte denn auch Andreas Kummer, Präsident des Vereins Kinderheim Bachtelen anlässlich seiner Begrüssung der Honoratioren und Bachtelen-Mitarbeitenden. Das «Bachtelen», so wird das Heilpädagogische Zentrum für Verhalten und Sprache im Volksmund genannt, zeige sich im Jubiläumsjahr in bester Form. Dank einer flexiblen Gestaltung des Angebotes sei man auch für die Zukunft gerüstet.

«Grossartige Leistungen von starken Persönlichkeiten», sei es der Gründer Pfarrer Otto Widmer oder auch die Schwestern von Ingenbohl, hätten das Bachtelen zu dem gemacht, was es heute ist: «Eine solide und erfolgreiche Institution.» Ebenso aber auch der «Geist der Solidarität in unserer Gesellschaft». Diese sei bereit, Kinder und Jugendliche auf dem schwierigen Weg ins Leben tatkräftig und auch finanziell zu unterstützen.

Auch der kantonale Erziehungsdirektor Remo Ankli bedankte sich bei «all denjenigen, welche sich durch ihre engagierte Arbeit für eine bessere Zukunft von Kindern und Jugendlichen eingesetzt haben. Aus Erfahrung und auch aus der pädagogischen Forschung wissen wir, dass es schlussendlich dieser persönliche Kontakt zur Lehrperson, zur Erzieherin, zum Schulhausabwart oder zur Küchenangestellten ist, der ein Kind oder einen Jugendlichen für die nächsten Lebensschritte ermutigt oder befähigt», sagte Ankli.

«Geistig und körperlich fit»

Dass die Jubilarin trotz ihres Alters so fit sei, sei einerseits Führungspersönlichkeiten mit «überdurchschnittlichem sozialen Engagement und Verantwortungsbewusstsein» zu verdanken, anderseits auch immer wieder «betriebswirtschaftlich denkenden Kräften». Die Institution Bachtelen habe zudem als «impulsgebender Partner» den Kontakt zum Kanton immer wieder gesucht. Dieser trägt die rechtliche, fachliche und auch finanzielle Verantwortung für die Sonderpädagogik im Kanton Solothurn.

Das Bachtelen sei und bleibe ein wichtiger Diskussionspartner, der stets wichtige Beiträge eingebracht und so zu einer pragmatischen, sachlichen Diskussion in der Politik beigetragen habe. Das Bachtelen habe dabei eine «kontinuierliche Evolution» durchgemacht und sich immer wieder den Anforderungen der Zeit angepasst, beispielsweise durch Anpassung aktueller Angebote für die Abdeckung «offensichtlicher Versorgungslücken». Dies sei eine aussergewöhnliche sozialpolitische Leistung und ein beeindruckender Fähigkeitsausweis in den Bereichen Sonder- und Sozialpädagogik.

Lob von der Wissenschaft

Karl Diethelm, Gesamtleiter des Sonderpädagogischen Zentrums, hielt danach einen geschichtlichen Rückblick auf die Bachtelen-Entwicklung. Auch die Wissenschaft kam zu Wort, (aus Krankheitsgründen) in Form einer Videobotschaft. Helmut Pauls, Professor für Sozialtherapie an der Hochschule Coburg (D) verbrachte vor 25 Jahren ein Forschungssemester im «Bachtelen» und hält seither regelmässigen Kontakt. Er würdigte einerseits die herausragende Rolle, welche auch Fachkollegen dem Bachtelen als «Perle in der Heimlandschaft Schweiz» attestieren, erwähnte aber auch den markanten Wandel hin zu ambulanten und teilstationären Angeboten.

Das Bemühen, Kinder möglichst lange in ihrem sozialen Umfeld zu belassen, könne – nicht zuletzt aus Spargründen – auch dazu führen, mit stationären Massnahmen zu lange zuzuwarten, warnte Pauls. Er erläuterte zudem die 2006 lancierte «Vision von Magglingen», welche zu einer erfolgreichen, heute weitgehend abgeschlossenen Neuausrichtung des Bachtelen geführt habe. Die Institution erbringe heute mit weniger Chefs das Doppelte an Leistung. Auch pflege man eine beispielhafte Kultur im Umgang mit Fehlern. 83 Prozent der Bachtelen-Abgänger bezögen auch nach 10 Jahren keine Transferleistungen vom Staat, wie eine Evaluation der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigte. Pauls: «Dazu kann ich nur sagen: Chapeau!»

Nach der Jubiläumsfeier konnten die Gäste den ersten Aufführungen der Theater-Festspielwoche «Z’mitzt am Rand» beiwohnen. Die Musikgruppe Inflagranti umrahmte den Festakt mit osteuropäischen Klängen. Christoph Koch, Leiter Koordination und Entwicklung, führte durch den Abend.

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