Ab 6. Mai werden auf der analogen Gemeinschaftsantenne alle ausländischen Sender abgeschaltet, um mehr Platz für die Verbreitung von Digitalsendern zu haben. Was das für die Kundinnen und Kunden der Gemeinschaftsantenne Grenchen bedeutet, darüber informierten Fachleute das Publikum an zwei Anlässen im Velodrome.

Nach der letzten Umstellung auf der Grenchner Gemeinschaftsantenne vor vier Jahren war bei den TV-Fachhändlern der Teufel los. Hunderte von Kunden, die ihre Lieblingssender nicht mehr fanden, suchten fachmännische Hilfe.

Das soll am kommenden 6. Mai nicht mehr passieren. Dann geht nämlich auf allen 18 Kabelnetzen des Quick-Line-Verbundes der nächste Digitalisierungsschub vor sich. Das Angebot der digitalen Fernsehsender wird stark ausgebaut, wie Quick-Line-Vertreter Fabrizio Passani vor den interessierten GAG-Kunden darlegte. «Künftig werden 130 digitale Fernsehsender im Grundangebot unverschlüsselt erhältlich sein, darunter 59 HD-Programme. Dazu kommen 190 Radiosender.»

Neue Senderreihenfolge

Insbesondere wird sich auch für all jene, die heute bereits digital fernsehen (rund 86 Prozent der heutigen TV-Geräte), die Senderreihenfolge ändern. Alle Pay-TV-Angebote werden auf die oberen Kanäle verschoben und doppelt gelieferte Sender (HD und nicht HD) gestrichen.

Künftig wird nur noch die HD-Version eines Senders verbreitet. Die Senderreihenfolge richte sich dabei nach der Beliebtheit der Sender. «Erstmals ist damit ein lückenloses Durchzappen der bekanntesten Sender möglich», betonte Passani.

Um von diesem Komfort zu profitieren, müssen gewisse technische Rahmenbedingungen erfüllt sein, die TV-Fachhändler Stefan Buser darlegte. Wichtigster Schritt: Am TV-Gerät (mit Digitalempfang DVB-C) einen Sendersuchlauf durchführen.

«Dann sollte bereits alles wieder seine Ordnung haben», so Buser. Ab 15. April sollen auf der Webseite www.go4HD.ch sogar Anleitungen zu diesem Schritt für verschiedene TV-Geräte ersichtlich sein. «Diese stehen aber auch in der Bedienungsanleitung des Fernsehers.»

Fachgeschäfte gewappnet

Buser bat um Verständnis, dass möglicherweise am 6. Mai der TV-Fachmann nicht gleich auf Abruf kommen könne. Denn, dass trotz ausführlicher Information und minuziöser Vorbereitung auch dieses Mal etliches «Trouble-Shooting» gefragt sein wird, schien für Buser klar. «Jeder Haushalt hat besondere Bedürfnisse und Konfigurationen», weiss er aus Erfahrung.

Wer heute noch einen Analog-TV mit Settop-Box besitzt, muss überprüfen, ob diese das neue Datenformat MPEG-4 unterstützt. «Das ist bei einem grossen Teil der heutigen Geräte der Fall», weiss Buser.

Ein Gerätecheck auf besagter Webseite gebe darüber Auskunft. Die Händler bieten zu diesem Zweck Settop-Boxen der neusten Generation zu reduzierten Preisen (ab 140 Fr.) an, die sich künftig sogar als Videorecorder nutzen lassen.

Analog nur noch bis 2015

Wer partout weiter analog fernsehen will, muss sich künftig sehr einschränken: Um auf der Senderskala genug Platz zu haben für die neuen Digitalprogramme, werden die analogen TV-Sender auf 10 Kanäle reduziert: die Sender von SRF aller Sprachregionen sowie TeleBielingue, TeleBärn Tele M1 und der GAG-Infokanal. Laut Buser wird das analoge TV-Programm voraussichtlich 2015 ganz abgestellt, weil SRF ab dann nur noch digital senden wird.

Die Gäste nutzten die Informationsabende auch, um ihrem Ärger Luft zu verschaffen. Einige beklagten Störungen auf dem Kabelnetz. Die Fachleute räumten ein, dass die Verbreitung digitaler Signale diffiziler sei und auch erhöhte Qualitätsansprüche an die Hausinstallation stelle. Unter Umständen müssen ältere Einrichtungen ersetzt werden.

«Wieso nur Mike Shiva?»

Die schöne neue Kabelfernsehwelt hat auch noch andere Tücken: «Warum muss ich mir auf Schweizer SAT 1 Mike Shiva antun, wenn ich auf dem deutschen Sender einen Krimi schauen könnte?»

Auch diese Frage musste sich GAG-Chef Kurt Hohler gefallen lassen. Er sei da allerdings machtlos, wie er zugeben musste: Denn die Schweizer Kabelnetzbetreiber sind verpflichtet, die Sender mit Schweizer Werbefenstern zu verbreiten.

Nicht betroffen von der Umstellung sind die UKW-Radiosender, die übers Kabel verbreitet werden. Eine vergleichbare Senderumstellung wird am 6. Mai auch bei der GA Weissenstein stattfinden.

Die GAGversorgt nach eigenen Angaben rund 20 000 Haushaltungen in den Gemeinden Grenchen, Bettlach, Lengnau, Selzach, Pieterlen, Lommiswil, Leuzigen, Arch, Rüti, Büren, Dotzigen, Meinisberg, Safnern, Orpund, Romont und Aegerten.