Es ist nicht leicht, mit dem Thema Alter ein Kabarettprogramm zu gestalten, ohne dass man ins bemühende positive Jux-Denken oder in depressive Endzeitstimmung gerät. Christine Schütze und Sky du Mont gelingt die Gratwanderung: Du Mont – auch ein begnadeter Erzähler – liest als prominenter, leicht tattriger Bewohner der Altersresidenz Happy End aus seinem neusten Buch «Jung sterben ist auch keine Lösung» vor.

Immer wieder frech unterbrochen von der «Pflegekabarettistin» Christine Schütze, die mit Gesang und am Flügel das Publikum, Verzeihung, die Mitbewohner und Mitbewohnerinnen im Gemeinschaftsraum, begeistert. 

Altersheim für Sohn gesucht

Du Mont erzählt von dem 76-jährigem Klaus, für den seine fidele, 96-jährige Mutter einen Platz im Altersheim sucht. Da das nicht klappen will, gibt sie für ihn ein Kontaktinserat auf – mit allen Konsequenzen. Schütze interveniert: Speeddating wäre im Alter angemessener…

Klaus wird von der Mutter – die auch «als Probelauf» die eigene Beerdigung inszeniert – auf eine Kreuzfahrt geschickt: «100'000 Lebensjahre machten sich auf in Richtung Norden.» Doch zum Schluss ein Happy-End: Klaus bricht mit der neuen Partnerin Evi und der Mutter zu neuen Ufern auf. «Hauptsache zu zweit, das Ziel spielt keine Rolle, es ist egal, wie lang der Weg noch ist.»

Die Pflegekabarettistin Christine Schütze mokiert sich über das Rentnerbild in den Medien: Die Senioren büxen aus dem Altersheim aus, klauen einen Bus, erklären nebenbei den Enkeln das Leben, überfallen kichernd eine Bank… Die «Silver Ager» sind gesund, haben viel Geld und sie verbringen eine herrliche Zeit.

Früher: Leiden und Einsamkeit

Kurz, das Altsein ist abgeschafft. Früher, ja früher, da verband man mit dem Alter Leiden und auch Einsamkeit. Schütze: «Einige Alte sind sogar gestorben.» Menschen wurden weise am Ende ihres Lebens und spielten nicht Frühling im Herbst. Man solle die Peinlichkeiten der Werbung überlassen.

Und dann: Heimbewohner du Mont im Morgenmantel und einem verhuddelten Stofftier in den Armen kann ohne ein bestimmtes Lied nicht einschlafen. Christine Schütze setzt sich an den Flügel und die ersten Takte des «Hallelujah» von Leonard Cohen ertönen. Das Publikum singt den Refrain mit. Hallo, was soll das jetzt? Du Mont singt aufrechtstehend auch mit: «I did my best, it wasn’t much.» Und dann versteht man: Hier macht man sich nicht lächerlich. Hier geht es um – Würde.