Planung

Das Agglomerationsprogramm für die Region Grenchen liegt vor

Ein erster Entwurf des Agglomerationsprogramms wird heute Dienstag Abend den Gemeinderäten von Grenchen, Lengnau und Bettlach vorgestellt.

Mit dem Ja zu den Statuten des Agglomerationsvereins als Trägerschaft und der Genehmigung der nötigen Planungskredite haben sich Grenchen, Bettlach und Lengnau letztes Jahr entschlossen, ein Agglomerationsprogramm auszuarbeiten. Es ist die Grundlage für die Ausrichtung von Subventionen an Verkehrsinfrastrukturprojekte der beteiligten Gemeinden.

Im Auftrag des Agglomerationsvereins als Trägerschaft haben zwei Planungsbüros nun einen Entwurf ausgearbeitet, der den politischen Behörden der drei Gemeinden heute Abend vorgestellt wird. Eine grosse Fülle von Unterlagen wurden erarbeitet, die Stärken und Schwächen der Region in verschiedener Hinsicht beschreiben und mit raumplanerischen, demografischen und Mobilitätsdaten untermauern.

Es geht um mehr als nur um den Bahnhofplatz

Vorstellungen, was zu realisieren wäre, existieren vor allem in Grenchen schon lange. Nebst der Neugestaltung des Südbahnhof-Areals, die wahrscheinlich unabhängig von einem allfälligen Agglomerationsprogramm realisiert wird, würde Grenchen auch gerne eine zweite Bahnhofunterführung bauen, die zugleich als Veloroute zu den Quartieren und Sportanlagen südlich der Bahnlinie dient. Auch die Bahnreisenden selber würden davon profitieren, befindet sich doch der Gleiszugang am Bahnhof Grenchen Süd faktisch am Ende des Zuges.

Die Realisierung der Unterführung wäre ein typisches Vorhaben, das mit Geldern aus den Agglomerationsprogrammen subventioniert werden könnte. Dass der Bahnverkehr insbesondere auf der Jurasüdfusslinie markant zunehmen wird, davon gehen die Planer aus. So wird bis 2040 mit einer Verdopplung der Passagierzahlen gerechnet.

Busversorgung gut, aber nicht flächendeckend

In einer späteren Phase dürfte sodann auch der Busbahnhof beim Bahnhof Süd zu klein werden. Weitere Perrons könnten aber problemlos auch südlich des Bahnhofes auf der Riederenstrasse realisiert werden. Dies ist allerdings noch nicht Gegenstand des aktuellen Agglomerationsprogramms. Zusammenfassend attestieren die Planer der Region eine «insgesamt gute ÖV-Erschliessungsgüte», als Alternative zum MIV (motorisierte Individualverkehr). Auffällig sei, dass einige Siedlungsgebiete eine Mehrfachabdeckung mit mehreren Linien aufweisen, andere Gebiete eher marginal oder gar nicht an das Busnetz angeschlossen sind oder direkte Verbindungen fehlen.

Der Autoverkehr ist in Grenchen traditionell stark entwickelt. Umso mehr erstaunt, wie anlässlich der Eröffnung der A5 die Gestaltung des Autobahnanschlusses Grenchen vernachlässigt wurde. Heute ist sowohl die Ausfahrt als auch der Autobahnzubringer zu Stosszeiten regelmässig überlastet. Mobilitäts- und Gestaltungsstudien sollen im Rahmen des Aggloprogramms den Problemen auf den Grund gehen und Lösungen aufzeigen.

Zusätzliche Überlegungen sind auch für die Erschliessung der Industriezone Neckarsulmstrasse nötig. Dies insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass dieser Arbeitszone im kantonalen Richtplan eine grosse Bedeutung zugemessen wird. Mitunter sogar für die ganze «Hauptstadtregion», zu welcher sich der Kanton Solothurn zählt.

Auch Lengnau und Bettlach haben Anliegen

In Bettlach besteht ebenfalls Interesse an einer möglichst guten Anbindung an den Schnellzugshalt in Grenchen Süd, ebenfalls in Lengnau, wo mit dem Pharmawerk von CSL Behring / Thermo Fisher demnächst ein grosser Player «ans Netz» gehen wird.

Bevölkerung wächst in Lengnau am schnellsten

Bevölkerung wächst in Lengnau am schnellsten

Wobei auch die beiden Dörfer durchaus eigene Anliegen verwirklichen möchten, die wiederum die ganze Region Grenchen aufwerten. Lengnau, das durch ein fulminantes Bevölkerungswachstum auffällt (vgl. Grafik) möchte seit Jahren sein Bahnhofareal aufwerten und Bettlach verfügt angrenzend zur Grenchner Industriezone Neckarsulm ebenfalls über eigenes Industrieland, das zur Zeit vermarktet und überbaut wird. Dies wird zu zusätzlichen Verkehrsströmen führen. Sowohl der Bahnhof Bettlach als auch der Bahnhof Lengnau sind zudem relativ schlecht ans Busnetz angebunden.

Das Aggloprogramm umfasst verschiedene Massnahmenblätter in drei Bereichen: Verkehr, Landschaft und Siedlung. So soll bereits in einer ersten Phase die Veloroute zwischen Grenchen und Bettlach erstellt werden. Das Massnahmenblatt Siedlung macht dabei recht detaillierte Angaben über die Ziele der baulichen Verdichtung in den verschiedenen Quartieren und im Bereich Landschaft soll das Aareufer aufgewertet und ein Konzept für die Nutzung des Grenchenberges erstellt werden.

Ziel: Einreichung im kommenden Jahr

Laut Stadtbaumeister Aquil Briggen soll nach der Vorstellung dieses ersten Entwurfes bis nach den Sommerferien eine vernehmlassungsfähige Vorlage ausgearbeitet werden. Diese soll öffentlich zur Mitwirkung aufgelegt werden. Auch die drei Gemeinderäte können danach noch Ergänzungen anbringen. 2021 wird das bereinigte Agglomerationsprogramm bei den Kantonen Solothurn bzw. Bern eingereicht, welche es ihrerseits an den Bund weiterleiten.

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