Der Fahrplanwechsel vom vergangenen Sonntag bringt für Grenchen im Regionalverkehr keine Änderung. Wohl aber gibts im Fernverkehr eine wichtige Neuerung: Der Interregio Biel–Delle fährt jetzt weiter bis Meroux (bzw. Montbéliard) in Frankreich, wo sich der TGV-Bahnhof von Belfort befindet. Dort kann man jetzt direkt umsteigen nach Paris.

Zeitlich ist damit die französische Hauptstadt mit dem öV von Grenchen etwa gleich weit weg wie St. Moritz, nämlich gute vier Stunden. Damit lässt sich ein mondänes Christmas-Shopping-Wochenende in einer europäischen Hauptstadt dann doch etwas ökologischer bewältigen als per Billigflieger.

Man muss dafür nicht einmal speziell früh aufstehen. Ein Beispiel: Wer um 7.30 Uhr in Grenchen Nord in den RegioExpress steigt, ist um 8.55 in Méroux, einer neuen Regionalhaltestelle direkt über dem TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard. Von dort gehts um 9.21 Uhr mit bis zu 320 km/h weiter nach Paris, wo der TGV Lyria um 11.37 im Gare de Lyon eintrifft.

Am Sonntagnachmittag steigt man um 16.23 Uhr im Gare de Lyon in den Zug und ist um 20.29 Uhr zurück in Grenchen Nord.

Bahnlinie reaktiviert

Diese Neuerung wurde möglich, nachdem die SNCF zusammen mit den SBB die 1992 stillgelegte Bahnlinie zwischen der Grenzstadt Delle und Belfort wieder in Betrieb genommen haben. Seit der Eröffnung der neuen TGV-Linie Rhone-Rhin 2011 gab es lediglich eine Busverbindung vom Bahnhof Delle zum TGV-Anschluss in Montbéliard.

Faktisch wurde die Strecke neu gebaut. Nicht weniger als 110 Mio. Euro haben die verschiedenen Beteiligten in die neue Strecke investiert. Dies sind namentlich Frankreich mit 33 Millionen, die französische Region (ehemals Departement) mit 33 Millionen und die Schweiz mit knapp 25 Millionen als die grössten Beitragszahler. Auch die EU hat mit 3,1 Mio. Euro mitbezahlt und der Kanton Jura mit 3,2 Mio. Euro.

Im September 2015 begannen die Bauarbeiten für die Wiederinbetriebnahme der rund 20 Bahnkilometer zwischen Delle und Belfort. Die Bahnlinie wurde 1873 nach dem Deutsch-französischen Krieg gebaut und war auch im und nach dem 1. Weltkrieg Teil einer Deutschland umfahrenden Achse Frankreich–Schweiz–Italien, zu der auch der Grenchenberg- und der Lötschbergtunnel gehörten.

Nachdem 1993 auch der Güterverkehr eingestellt worden war, war der Investitionsbedarf für die Wiederinbetriebnahme gross: Elektrifizierung der Strecke, Neuverlegung der Gleise und des Gleisbetts. Hinzu kam die Renovation von 13 Bahnübergängen und der Kreuzungsstelle Grandvillars. Die Bauarbeiten dauerten bis zum vergangenen Frühjahr, danach wurde die Strecke ausgetestet.

Spezielles Rollmaterial

Für den grenzüberquerenden Verkehr setzen die SBB spezielles Rollmaterial ein, das sowohl mit dem einheimischen (15 kV) Stromsystem zurechtkommt als auch mit dem französischen mit 25 kV. Im Bahnhof Delle werden die beiden Fahrleitungssysteme galvanisch getrennt.

Mit den Behörden und einer kleinen historischen Ausstellung am Bahnhof Delle wurde die neue Strecke am vergangenen Wochenende eingeweiht. Die Strecke wird von französischen Medien auch als Erleichterung für die französischen «Frontaliers» (Grenzgänger) gefeiert, welche im Jura und in der Westschweiz arbeiten. Täglich gibt es so 16 neue Verbindungen in beide Richtungen zwischen Delle und Belfort.

Endstation Belfort

Für Grenchner und Bieler ist damit nicht nur Paris näher, sondern mit einer Reisezeit ab Biel von (bzw. Grenchen Nord) von weniger als zwei Stunden auch die französische Departementshauptstadt Belfort mit rund 50 000 Einwohnern. Sie ist neue Endstation des Zuges. Und natürlich lassen sich vom TGV-Bahnhof Montbéliard auch Züge besteigen nach Mulhouse und Strasbourg, aber auch nach Marseille oder Montpellier.