Es ist nicht ganz einfach, älteren Leuten das Internet näher zu bringen. «Ich brauche das nicht mehr», hört Urs Zimmermann, Geschäftsleiter des Grenchner Vereins Pro Seniuter, oft. Das Misstrauen ist weit verbreitet: Laut einer Studie der Uni Zürich nutzen erst 51 Prozent der 60-69-Jährigen die neue Technologie. Bei den über 70-Jährigen sind es nur gerade 17 Prozent. Zimmermann, ehemaliger Bühnenmeister am Parktheater, lässt sich von den Zahlen nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Schliesslich hat er schon die Ehrenbürgerschaft eines spanischen Dorfes erhalten, wo er zwanzig Jahre lang lebte, ein Restaurant aufbaute und mit Farbe im Dorf Touristen anlockte.

Keine schweren Taschen mehr schleppen, sondern die Lebensmittel am Computer bestellen und sich liefern lassen: Ganz konkret zeigt er älteren Leuten die Vorteile des Internets auf. «Computerkenntnisse bringen Lebensqualität. Es geht um Unabhängigkeit im Alter», sagt Zimmermann. «Sonst droht eine Zweiklassengesellschaft. Denn viele Informationen findet man heute vor allem über das Internet.»

Zimmermann zeigt an einem Beispiel, was es heisst, wenn man von den neuen Technologien ausgeschlossen ist: Eine Frau aus dem Däderizquartier geht mit dem Bus zum Bahnhof Süd, löst ein Billett und fährt nach Hause zu ihrem Mann. Gemeinsam fahren sie nun mit dem Bus an den Nordbahnhof, wo sie den Zug nach Basel nehmen. Das Problem: Am Nordbahnhof gibt es nur noch Automaten, die sie nicht bedienen können. Einen bedienten Schalter gibt es nur noch am Südbahnhof. «Wie kann man da ohne Internet eine Reise ins Tessin planen?», fragt Zimmermann.

Kurse, die bei null beginnen

Zwei Wege verfolgt Pro Seniuter. Der eine sind Kurse, die quasi bei null beginnen. Erklärt wird, wie eine Computermaus funktioniert. «Wir werden nicht älter, wir werden besser», ist Zimmermanns Motto. Der Aufbau des Kurses ist dem Alter angepasst: Es gibt genügend Pausen, auch die Ergonomie vor dem Bildschirm ist ein Thema. Nicht mehr als sechs Personen sind in einer Gruppe, der Computer wird zur Verfügung gestellt.

Als zweites Standbein betreibt der Verein in Grenchen eine von rund 20 Computerias in der Schweiz. Diese ist vor allem für Leute, die schon einen Computer besitzen, damit aber noch Probleme haben. Denn der digitale Graben macht sich auch unter den Rentnern bemerkbar: Während einige keine Ahnung haben, haben andere ein Problem mit ihrem i-Phone.

Auch schon Testkäufe gemacht

Nachdem einem über 70-Jährigen ein überteuertes Notebook verkauft wurde, ist der Verein auch konsumentenschützerisch tätig geworden. In den letzten Wochen ist eine 69-jährige Frau, gut gekleidet und mit Gold behangen, in die Grenchner Computergeschäfte gegangen und hat sich als ahnungslose Käuferin ausgegeben. «Alle Grenchner Geschäfte haben gut abgeschnitten», sagt Zimmermann. Überall sei sofort gefragt worden, wozu der Computer benötigt werde. «Teure, aber unnötige Geräte sind nicht verkauft worden.» In den kommenden Wochen will Pro Seniuter auch in anderen Städten Testkäufe durchführen.

Nächste Computeria ist am Donnerstag, 18. August, um 19.30 Uhr im Parktheater. Thema: Digitale Fotoablage.