Hobby im Alter
Daniel Düsentriebs Werkstatt im Alterszentrum «Baumgarten»

Josef Koszos Werkstatt hat alles, was sie braucht, um eine Werkstatt zu sein: Schraubenzieher, Zangen und andere Werkzeuge. Nur befindet sie sich an einem Ort, wo man eine Werkstatt wohl am allerletzten eine Werkstatt erwarten würde.

Andreas Kaufmann
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Josef Koszos hat eine Werkstatt im Alterszenturm

Josef Koszos hat eine Werkstatt im Alterszenturm

Andreas Kaufmann

Josef Koszos Werkstatt befindet sich in einem Alterszentrum, genauer im «Baumgarten» in Bettlach. Und: Josef Koszos ist seit fünf Jahren ein Bewohner derselben.

Bald schon nach seinem Eintritt hat sich seine Leidenschaft gezeigt, mit den Händen zu arbeiten, das heisst: wieder mit den Händen zu arbeiten. So arbeitete er 30 Jahre lang in Grenchner Industriebetrieben, unter anderem in der Produktion von Türen und Fenstern.

Nie nach Plan, nur nach Fantasie

Weitaus verspielter ist das Tätigkeitsfeld des 78-Jährigen hier im Alterszentrum. So hat Josef Koszo an Metallbausätzen Gefallen gefunden, nachdem die Aktivierungsleiterin Marita Isenmann ihn darauf aufmerksam gemacht hatte. Mit diesen lassen sich nach Bauplan Modell-Fahr- und -flugzeuge zusammenstellen.

Doch der gebürtige Ungare winkt ab: «Ich baue nie nach Plan, sondern gehe meinen eigenen Ideen nach.» Und wenn ihm ein fertiges Werk nicht mehr gefällt, wird es auseinandergeschraubt und zu etwas Neuem zusammengefügt.

Koszo schwenkt die Arbeitsleuchte vom Bett zum Ateliertisch rüber und rückt seine Errungenschaften ins richtige Licht. Er, der selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat im Modell ein Gefährt nachgebaut, womit sich der Gehbehinderte über eine Handkurbel fortbewegen könnte.

Als seine alte Brille entzwei ging, hat er die beiden Teile mit entsprechenden Metallbauteilen wieder zusammengeschraubt. Not macht erfinderisch, weswegen man Koszo im «Baumgarten» auch ein wenig als «Daniel Düsentrieb» bezeichnet.

Alarmanlage, made by Koszo

Und aus der Zeit der Zweierzimmer stammt noch die selbst kreierte Glocke, die Josef Koszo signalisiert, wenn Besuch die Türfalle zu seinem Daheim runterdrückt. «Mein grosser Stolz aber ist das», sagts und zeigt auf das Modell einer Windmühle.

«In meiner Heimat ging ich zusammen mit der Müllerstocher in dieselbe Schule», erinnert er sich. Doch seine Erinnerungen an seine ländliche Heimat sind geprägt von schweren Familienverhältnissen und von körperlichen Mangelerscheinungen, die er nicht zuletzt auch in den Kriegszeiten zu erleiden hatte.

Mit 24 Jahren kam er schliesslich über Umwege in die Schweiz wo er Fuss fasste später eingebürgert wurde und wo er sich heute auch zuhause fühlt. Einzig erfreut und erwärmt ihn die Tatsache, dass ihn seine Schwester im vergangenen Jahr besucht hat: «Ich habe sie zuletzt gesehen, als sie noch drei Jahre alt war», erzählt Koszo.

Sehnsucht nach einer alten Heimat

Und dann und wann packt ihn die Sehnsucht nach einer alten Heimat zu packen, wenn er handwerklich aktiv wird. Beispielsweise, wenn er beim Taschenflechten die ungarischen Landesfarben zusammensucht. Denn auch sonst beteiligt sich Josef Koszo engagiert am Aktivierungsprogramm des «Baumgartens».

Das Werkeln würde ihm fehlen, gibt er zu, auch wenn ihm für neue Erfindungen im Moment keine Ideen mehr in den Sinn kommen: «Aber sobald ich wieder einen Einfall habe, mache ich mich wieder an die Arbeit.»