Daniel Bloch, CEO und VR-Präsident des Schokoladenherstellers Chocolats Camille Bloch SA im Berner Jura, ist bekannt als kompetenter und unterhaltsamer Referent. Sein Ruf eilte ihm voraus: Am Innovations-Frühstück der Wirtschafts- und Standortförderung der Stadt Grenchen im Tissot Velodrome war der Seminarraum bis auf den letzten Platz besetzt. Zahlreiche Unternehmer, Politiker und Vertreter von Verbänden wollten von Bloch hören, was den Erfolg einer Firma seiner Meinung nach ausmacht. Und mit welchen Mitteln man dorthin gelangt.

Nach der Begrüssung durch Karin Heimann, Wirtschaftsförderin der Stadt Grenchen, begann Bloch seinen Vortrag mit einem Witz – seinem einzigen Beitrag zur aktuellen Diskussion über den Steuerwettbewerb, wie er sagte: Ein Solothurner und ein Berner gehen durch die Wüste. Da kommt ein hungriger Löwe und verfolgt die beiden. Der Solothurner bleibt stehen und packt ein paar neue Turnschuhe aus seinem Rucksack. Sagt der Berner zu ihm: «Du glaubst jetzt aber nicht im Ernst, mit den Turnschuhen kannst du schneller laufen als der Löwe!» Antwortet der Solothurner: «Nein, aber schneller als du!»

K, M oder U?

Er werde oft gefragt, was die Camille Bloch SA jetzt sei, ein K, also ein kleines Unternehmen, oder ein M, ein mittleres Unternehmen. Für ihn sei das nicht entscheidend, nur das U zähle, das stehe für das Unternehmen und für Unabhängigkeit. Wichtig sei nicht die Grösse, sondern die Unabhängigkeit.

«Alle klagen, also darf ich das auch», sagte Bloch schmunzelnd. Denn tatsächlich sei der Markt im Schokoladen-Business insgesamt rückläufig: Haben Herr und Frau Schweizer im 2004 noch über 12 Kilogramm Schoggi pro Kopf gegessen, waren es letztes Jahr nur noch 10,3 Kilogramm. Aber Camille Bloch konnte den Marktanteil in dieser Zeitspanne um 70% von 2,9% auf 4,9% steigern. «Es kommt nicht drauf an, ob man gross oder klein ist. Sondern nur darauf, ob man sich besser an die Verhältnisse anpassen kann.»

Die Ragusa-Story

Die Geschichte des Familienunternehmens ist eng mit deren bekanntestem Produkt verknüpft, mit Ragusa. Daniel Blochs Grossvater lancierte das Produkt während dem Zweiten Weltkrieg aus einer Not heraus: Weil aus Afrika fast kein Kakao mehr zu kriegen war, ersetzte er diesen mit Haselnusspulver. Dazu definierte er mit der Riegelform etwas völlig Neues, dem er noch einen Fantasienamen gab – er hatte früher einmal die Stadt Dubrovnik besucht und wusste, dass diese Stadt früher Ragusa geheissen und zu Venedig gehört hatte.

Als Daniel Bloch in den 90er-Jahren CEO des Familienunternehmens wurde, wurde ihm gesagt, mit Ragusa könne man nicht mehr wachsen. Der Riegel war zur Schweizer Marken-Ikone geworden. Ein privates Essen bei Freunden und seine Kinder, die auf der Heimfahrt noch Hunger verspürten, gaben den Ausschlag für die Weiterentwicklung: Er habe während der Fahrt einen «normalen» Riegel teilen müssen – bei 120 km/h keine einfache Angelegenheit – und schlug tags darauf in der Firma die Mini-Variante vor. Damit kannibalisiere man nur die eigene Marke, befürchteten seine Marketingleute. Aber mit einem anderen Produkt aus eigenem Hause, mit «Torino», habe man bereits gute Erfahrungen gemacht mit einer kleinen Variante. Also setzte man das Vorhaben eines kleineren Ragusas um - und war äusserst erfolgreich.

Später lancierte man Ragusa Noir, «Schwarz war überall im Trend und wir benötigten genau 5 Minuten Brainstorming» und in Kanada lancierte Camille Bloch die «Blonde»-Linie – «In Quebec können Frauen länger ohne Männer als ohne Schokolade leben», scherzte der Unternehmer. Der Erfolg der feminineren und jüngeren Linie übertraf alle Erwartungen.
Das neuste Produkt, das auch Sommer-tauglich sei, sind die Ragusa Gipfeli, von denen Bloch eine stattliche Anzahl mitgebracht hatte. Mit diesem Produkt könne Camille Bloch auch an Anlässen wie dem Gurten-Festival oder dem Open Air Frauenfeld als Sponsor auftreten.
Fazit der Geschichte über Ragusa: Man müsse nicht immer etwas Neues erfinden. «Manchmal müssen wir einfach nur entdecken, was schon in uns steckt».

Vertrauen der Kundschaft

Obwohl Kontrollen und die Gesetzgebung in der Lebensmittelbranche immer strenger würden, habe die Industrie ihre Unschuld verloren. Bloch erinnerte an Skandale, wie die Lasagne mit Pferdefleisch, die das Vertrauen der Konsumenten beschädigen. Er kritisierte die grossen Konzerne, die immer weniger selber herstellen, nannte Nestlé als Beispiel, deren Geschichte mit Milchpulver, Kaffee und Kakaopulver begonnen hatte. «Irgendwann wollten sie die Nummer 1 werden, Finanzer nahmen Einsitz in der Geschäftsleitung und Sinn und Seele gingen verloren.» Camille Bloch setze viel mehr auf die eigenen Stärken – beispielsweise will man sogar künftig die Haselnüsse selber ziehen.

Manchmal lohne es sich auch, darauf zu verzichten, auf jedes Bedürfnis sofort einzugehen und jedes auftretende Problemchen sofort lösen zu wollen, sondern zuzuwarten. Irgendwann sei der Druck dann zu gross und der Zeitpunkt gekommen, an dem man aus der Summe der Probleme die Kraft ziehen könne, die es brauche, um den «Sprung aus dem warmen Wasser» machen zu können. So geschehen, als das neue Besucherzentrum konzipiert und gebaut wurde, statt anzupassen und umzubauen, erklärte Bloch. Denn hier liege das Geheimnis: Die Firma suche die Nähe zum Konsumenten und wolle diesen an der eigenen Leidenschaft teilhaben lassen.

Der Unternehmer betonte am Schluss, was für ihn das Wesentlichste sei: Erfolg lasse sich an sichtbaren Dingen, Gebäuden und erfolgreichen Marken messen und ersehen. Wesentlich für ihn sei aber die «unsichtbare» Arbeit im Umgang mit den Mitarbeitenden und deren Wertschätzung.

Der Vortrag von Daniel Bloch kam beim Publikum sehr gut an und am Schluss gab es lang anhaltenden Applaus.