Viele mögen sich bestimmt noch erinnern: Grenchen hatte einst ein äusserst beliebtes Warenhaus, die EPA. Wie wir aufgrund eines Besuchs einer netten Dame auf der Redaktion des Grenchner Tagblatts erfahren konnten, hätte man just in dieser Woche ein rundes Jubiläum feiern können, denn die Grenchner EPA wurde genau vor 50 Jahren eröffnet – am 14. November 1968. So jedenfalls sagte die Dame, die offenbar als stellvertretende Filialleiterin der EPA Grenchen fungierte, wo zeitweise bis zu 40 Personen eine Beschäftigung fanden.

2005 teilte die Filiale Grenchen das Los der letzten neun verbliebenen Häuser, die nicht in Coop-City- Filialen umgewandelt worden waren, und wurde geschlossen. Ein herber Schlag für Grenchen, wie man immer wieder hört, nicht nur dann, wenn sich Nostalgiker an das Warenhaus am heutigen Zytplatz zurückerinnern. Denn in der EPA konnte man einfach alles finden, was man suchte. Der Bummler, der die Grenchner Filiale auch ab und zu besuchte, wenn sein Beruf ihn in die Uhrenstadt brachte, war selber häufiger Kunde in der noch etwas grösseren Bieler EPA an der Dufourstrasse.

Dort gab es die beste Schwarzwäldertorte, die beste Käsefonduemischung, die besten und billigsten Scheren und Werkzeuge, die billigsten T-Shirts und Hemden, die trendigsten Wohnaccessoires wie Duschvorhänge, Spiegel, Lampen, Näh- und Strickzeugs (für Mama), Dekomaterial und vieles mehr. Ich erinnere mich zum Beispiel an kleine Lautsprecher, die man für wenig Geld erstehen konnte, die den grossen, teuren HiFi-Boxen in Sachen Power durchaus das Wasser reichen konnten und mit denen ich meine damalige Wohnung beschallte – sehr zum Leidwesen meiner Nachbarn.

Die EPA hatte eine lange Geschichte: 1930 wurde das erste Schweizer Discount-Warenhaus, das im Billigsegment angesiedelt war, in Zürich eröffnet. Die Abkürzung EPA entstand aus dem Namen «Einheitspreis AG». Lange vor Denner, Lidl und Aldi stand der Name für Billigangebote. Die EPA an der Marktgasse in Bern wurde im März 1932 eröffnet. Später wechselte man den Namen zu «EPA Neue Warenhaus AG». Die Aktiengesellschaft wurde 1944 im Handelsregister eingetragen und bestand bis 2001. In diesem Jahr wurde die EPA von der Oscar Weber Holding an eine Familie Buhofer verkauft. Im April 2002 wurden 40 Prozent des Aktienkapitals von Coop übernommen. Bis Anfang 2005 wurden in der Folge alle 39 bestehenden EPA-Filialen entweder in Filialen der Warenhaus-Kette Coop City umgewandelt oder geschlossen.

Lange wurde in Grenchen diskutiert und spekuliert, ob man auf der Schild-Rust-Wiese nicht wieder ein Warenhaus hinstellen sollte, so eines in der Art der einstigen EPA. Aber daraus wird wohl nie etwas. In Zeiten des Onlinehandels haben es inzwischen sogar diejenigen Warenhäuser schwer, die sich bis jetzt an besser frequentierten Standorten wie Solothurn und Biel behaupten konnten, ganz zu schweigen von den kleinen Detailhändlern, die mit der heute herrschenden «Geiz-ist-geil»-Mentalität und der Bequemlichkeit ihrer Kundschaft zu kämpfen haben, die sich lieber die Ware online bestellt und nach Hause liefern lässt. Wenns hochkommt sogar direkt aus China zu einem Bruchteil des Preises, den man hier bezahlt.

Zu glauben, dass mit einem Warenhaus à la EPA alles wieder besser würde, ist dann doch etwas blauäugig. Die «guten alten Zeiten» sind wohl endgültig vorbei. Es bleibt etwas Wehmut und das Schwelgen in nostalgischen Gedanken, weil früher alles besser war. Wirklich?