Mit einem Postulat im Gemeinderat will die Fraktion erreichen, dass die Wohnhäuser im Besitz der Stadt in eine Firma nach dem Vorbild der SWG überführt werden. Wird der Vorstoss erheblich erklärt, betritt die Stadt Neuland bei der Immobilienbewirtschaftung.

Weder die Recherche bei 30 grossen politischen Gemeinden im ganzen Land noch die Anfrage beim Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) haben eine Immobilienorganisation zutage gefördert, die mit der geschilderten Idee übereinstimmt. Am nächsten kommt nach Aussage von Lukas Walter, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim BWO, wahrscheinlich die Zürcher Gemeinde Elgg: «Dort hat das BWO im Rahmen des damals geltenden Wohn- und Eigentumsförderungsgesetzes mit einem Beitrag den Bau von Wohnungen unterstützt, die die Gemeinde in eine Genossenschaft ausgelagert hatte.» Seines Wissens seien Lösungen wie diejenige in Elgg selten. 

Genossenschaft für Alterswohnungen

Die Nachfrage auf der Gemeindeverwaltung Elgg zeigt, dass diese Genossenschaft nicht alle Wohnungen im Besitz der Gemeinde verwaltet, sondern nur ein Alterszentrum. Die übrigen Wohnbauten sind wie gewöhnlich beim Finanzvermögen angegliedert. Dazu die Finanz- und Liegenschaftensekretärin Margrit Kunz: «Die Gemeinde hat Mitte der Neunzigerjahre die ‹Alterswohnungen Zirkel’ im Baurecht erstellt und zu diesem Zweck eine Genossenschaft gegründet. Inzwischen besitzt die Gemeinde nur noch einige wenige Anteilscheine. Unser Ziel ist, gegenwärtige und künftige Nutzniesser der Alterswohnungen zu ermutigen, sich dort einzukaufen.»

Auf den Grenchner Vorstoss angesprochen, zeigt sich Margrit Kunz interessiert. Von einer derartigen Alternative zur Immobilienbewirtschaftung im Finanzvermögen habe sie noch nie gehört. Doch die Idee habe etwas für sich, weil der unternehmerische Spielraum für die Liegenschaften vergrössert werde.

Experiment mit Funktionsgebäuden in Bern

Die Stadt Bern hat quasi das Gegenstück zur Grenchner Idee ausprobiert – und nach elf Jahren wieder aufgegeben. In Bern wurden die Gebrauchsliegenschaften (Schulen, Sportstätten, Verwaltungsgebäude und der Tierpark) aus dem Verwaltungsvermögen in eine separate Firma ausgelagert. Betroffen waren 1600 Objekte. Nicht angetastet wurden die 2500 Wohnungen, 750 Gewerbeliegenschaften, 350 Baurechte, 31 Bauernhöfe und zehn Restaurants, die im Finanzvermögen verblieben und in einer Sonderrechnung der Stadt ausgewiesen werden.

Den Ausschlag für den ungewöhnlichen Entscheid gaben Abschreibungsvorschriften und damit verbunden ein Sparpotenzial von 20 bis 35 Mio. Franken jährlich. Als besagte Vorschriften geändert wurden und die Ersparnis wegfiel, votierte das Stimmvolk mit 82,7 Prozent für die Rückführung der Bauten ins Verwaltungsvermögen per Anfang 2014.

Weniger als 50 Wohnliegenschaften

Zwischen Verwaltungsgebäuden und Wohnbauten ist der Unterschied so gross, dass das Berner Modell nicht mit der Idee in Grenchen verglichen werden kann. Gemäss der Jahresrechnung 2013 besitzt die Stadt im Finanzvermögen heute relativ wenige eigene Wohnungen. Es sind weniger als 50 Wohngebäude sowie diverse Grundstücke in verschiedenen Zonen.