CSL Limited, die australische Mutterfirma von CSL Behring, vermeldet für das am 30. Juni vollendete Geschäftsjahr 2016/2017 ein Umsatzwachstum von 15 Prozent auf 6,923 Mrd. US $, was 6,737 Mrd. Franken entspricht. Der Gewinn wird auf 1,337 Mrd.$ beziffert (1,301 Mrd. Fr.) gegenüber 1,242 Mrd. $ im Vorjahr. Das Gewinnwachstum um «lediglich» 95 Mio. $ enthalte auch noch Effekte im Zusammenhang mit der Übernahme des Grippeimpfstoff-Bereiches von Novartis per 31. Juli 2015, schreibt das Unternehmen.

Der Nettogewinn nach Steuern unter Ausschluss von Währungseffekten sei nämlich um 24 Prozent gestiegen. Die Aktionäre waren gestern weniger euphorisch. Im australischen Markt war ein Kursrückgang um 1,5 % zu verzeichnen.

CEO: «Aussergewöhnliches Jahr»

CEO und Managing Director Paul Perreault sprach in einer Medienmitteilung von einem «aussergewöhnlichen Jahr», das die erfolgreiche Umsetzung der aktuellen Strategie dokumentiere. Ein starkes Standbein für CSL Ltd ist CSL Behring und dort insbesondere der Schweizer Standort in Bern. Als Produktionsstandort der Immunglobuline werden in der Schweiz rund 3 Mrd. oder fast 43 Prozent des Konzernumsatzes erzielt. Überraschend kam Anfang Juni die Nachricht, dass Uwe E. Jocham das Unternehmen verlassen hat. Jocham war mit dem Aufbau der «Recombinant Facility», der neuen Produktionsstätte für Medikamente für Hämophilie-Patienten in Lengnau beauftragt, der in vollem Gange ist.

Zu Jochams Nachfolgerin ad Interim wurde kurzfristig Susanne Jecklin ernannt. Sie leitet nun die Geschicke des Aufbaus der milliardenteuren Fabrik, die einst über 300 Arbeitsplätze beinhalten soll. Ja, man sei von Jochams Abgang tatsächlich überrascht worden, sagt Jecklin. «Er hat eine grosse Lücke hinterlassen.»

Gekommen, um zu bleiben?

Doch habe man diese dank gemeinsamen Anstrengungen rasch schliessen und die Handlungsfähigkeit wieder herstellen können. Das Interregnum werde gemäss Konzernangaben «etwa ein halbes Jahr» dauern, gibt Jecklin bekannt. Über eigene Ambitionen als Jochams Nachfolgerin will sie sich nicht äussern, ihr Verweis auf ihre letzte Station bei Novartis dürfte aber für sich sprechen: Sie war dort fachtechnisch verantwortliche Person der gesamten sterilen Pharmazeutika (60 Marken mit einem Umsatz von 10 Mrd. $)

«Inzwischen bin ich fast täglich auf der Baustelle in Lengnau präsent und überwache zusammen mit einem rund zehnköpfigen Leitungsteam den Aufbau der Fabrik», erklärt Jecklin. Immer mehr Mitarbeitende seien vor Ort und hätten in Lengnau provisorische Büros bezogen. Geplant sei, dass man nächstes Jahr die Büros in Bern aufgeben und die gesamte Crew von derzeit rund 100 Personen nach Lengnau bringe. «Damit können wir den Aufbau in der Schlussphase und die Installation der Produktionsstrassen besser managen, als von Bern aus», sagt sie.

Baubewilligung und weitere Einsprachen

Inzwischen habe man auch eine rechtskräftige Baubewilligung für die nachträglich beantragte Aufstockung des Hauptgebäudes. Bei der Neuauflage des Projekts seien keine Einsprachen eingegangen, bestätigt Jecklin. Der Zeitplan sieht vor, dass mit der Produktion 2019 begonnen werden könne.

Rund eineinhalb Jahre wird es danach dauern, bis die ersten zertifizierten Produkte in die USA ausgeliefert werden könnten, was eine «leichte Verzögerung» gegenüber dem ursprünglichen Fahrplan bedeute. Die entsprechenden Medikamente könnten aber zwischenzeitlich in kleineren Mengen an anderen CSL Behring Standorten produziert werden, versichert Jecklin.

Einsprachen habe es wiederum beim Projekt für ein neues Logistikcenter angrenzend an die Fabrik gegeben, gibt Jecklin sodann bekannt. Diese seien jetzt in der Bereinigungsphase.