«Wir erleben hier in Lengnau die Entstehung eines Jahrhundertprojektes», erklärt Uwe E. Jocham mit sichtlichem Stolz. Der 53-Jährige ist Direktionspräsident der sich im Aufbau befindlichen CSL Behring Recombinant Facility (RCF) AG in Lengnau. Seit 2015 baut der international tätige Biotechnologiekonzern CSL Behring in der Grenchner Nachbargemeinde einen neuen Produktionsstandort.

Die Bautätigkeiten erstrecken sich über einen Zeitraum von fünf Jahren und lösen Investitionen von mehr als 400 Millionen Franken aus. Zukünftig sollen am neuen Standort drei rekombinante Gerinnungsfaktoren zur Behandlung von Hämophilie (Bluterkrankheit) hergestellt werden. Der Neubau – der in der Industriezone Lengnaumoos realisiert wird – soll Raum bieten für über 300 neue Arbeitsplätze.

Schon 49 Personen angestellt

Bereits heute beschäftigt die CSL Behring RCF 49 Fachkräfte. Darüber hinaus arbeiten mehrere hundert Mitarbeitende im Planungsbereich, in der Architektur, bei den Prozessplanern und auf der Baustelle. Die neue Produktionsanlage wird insgesamt aus sechs Gebäuden bestehen, die über eine Lebensader – einen Verbindungskorridor von über 250 Metern Länge – verbunden sind und teilweise drei Stockwerke hoch werden, wie Jocham das Bauvorhaben knapp zusammenfasst. Im Frühling dieses Jahres erfolgte die Grundsteinlegung und bereits heute sind zwei Drittel des Rohbaus abgeschlossen.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass mittlerweile rund 31 000 Kubikmeter Beton verbaut und darin gut 4400 Tonnen Stahl eingebaut und verlegt worden sind. Eine Mammutaufgabe, die auch Fingerspitzengefühl verlangt. «Jedes Stahlstück muss von Hand eingelegt werden», sagt Walter Läderach, der als Bauherrenvertreter des Konzerns am Standort des Neubaus amtet. Auffallend beim Besichtigen des Untergeschosses der Baustelle waren die massiven Stützsäulen. 320 Stück dieser Kolosse wurden bisher verlegt.

Sie sollen die Kräfte, welche von den oberen Stockwerken auf die Fundationsplatte einwirken, auffangen. Auf jede Säule werden schlussendlich Lasten von 160 Tonnen einwirken. «Das entspricht etwa dem Gewicht von 120 Personenwagen, die aufeinandergeschichtet sind», illustrierte Läderach die gewaltigen Massen.

Rohbau Anfang 2017 fertig

«Man kann sich das noch gar nicht so richtig vorstellen, dass hier in zwei Jahren alles aus hochsterilen Reinräumen bestehen wird», sagt Direktionspräsident Jocham. Denn heute werden auf der Baustelle noch täglich bis zu 4000 Kubikmetern Wasser abgepumpt. Bis spätestens Anfang 2017 sollen die Arbeiten am Rohbau abgeschlossen sein und nahtlos in den Innenausbau der Gebäude übergehen.

Dies soll wiederum bis Ende kommenden Jahres verwirklicht werden. Dann kann mit dem einjährigen Testbetrieb begonnen werden. Die letzte Hürde bildet die Behördeneinreichung. Dabei wird jedes eingebaute Equipment sowohl von der US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) als auch von Swissmedic auf die Erfüllung bestimmter Qualitätsstandards hin bewertet und anschliessend zertifiziert werden müssen, bevor schlussendlich die Betriebszulassung erteilt wird.

In allen Belangen auf Kurs

«Dies ist ein ziemlich langer und harter Prozess, der erst Ende 2019 beendet sein wird», so Läderach. Ein straffer Zeitplan, wie auch der Direktionspräsident bestätigt. Dennoch bleibt er durchweg optimistisch: «Wir sind mit Volldampf dabei.» Bis zum Produktionsstart im Jahre 2020 sei es zwar noch ein langer Weg, aber sowohl zeitlich als auch vom Budget her sei man auf Kurs.