Mit dem Kunstmarkt «coffre ouvert», der in diesem Jahr am 5. Juli, zum vierten Mal auf dem Marktplatz stattfindet, hat sich in Grenchen ein weiteres Ereignis von nationaler Ausstrahlung etabliert. Er ist zwar grundsätzlich keine Erfindung der Grenchner, trotzdem darf sich die Kunstgesellschaft Grenchen rühmen, als erste einer vorab in der Westschweiz bereits bekannten einfachen Idee der Kunstvermittlung auch in unserer Region zum Durchbruch verholfen zu haben.

Vor vier Jahren nahmen am ersten «coffre ouvert» 23 Künstlerinnen und Künstler, Kunstsammler sowie Kunstvermittler wie zum Beispiel das Künstler Archiv Grenchen teil, bereits im folgenden Jahr waren es über 50 Teilnehmer aus der ganzen Schweiz, die während eines Tages auf dem Marktplatz Kunstwerke direkt aus dem Kofferraum der Autos anboten.

Nach bisherigem Stand der Anmeldungen ist auch heuer wieder mit einer Wagenburg von gegen 60 Autos voller Kunstwerke zu erwarten. Und es werden nur Kunstwerke angeboten: Kunsthandwerkliches, Bastelarbeiten oder Sonstiges sind nicht zugelassen. Das sind denn auch schon die einzigen Vorschriften, Platz- oder Standgebühren werden nämlich auch nicht erhoben.

«Dieser Kunstmarkt bietet allen Kunstinteressierten die Gelegenheit, einmal ungezwungen in einem breiten Angebot von Kunstwerken zu stöbern. Schwellenängste vor Türen zu Galerien oder Museen werden abgebaut, der direkte Kontakt zum Künstler oder Sammler wird unkompliziert ermöglicht», lobt beispielsweise der Künstler Heini Bürkli den Kunstevent.

Und er überlegt weiter: «Heute muss man den Leuten die Kunst auf den Weg legen, ob sie sie dann ignorieren oder nicht, spielt keine Rolle, aber sie müssen sehen, dass es sie gibt.» Deshalb zeigt er sein Schaffen auch in diesem Jahr.

Treffpunkt unter Künstlern

Künstlerkollege Fritz Breiter (Langendorf) bringt noch ein weiteres Element zur Sprache, weshalb er wieder gerne am coffre ouvert teilnimmt: «In den letzten Jahren prägte dies Veranstaltung eine friedliche, gute Stimmung. Es gab immer interessante Gespräche auch unterhalb der Künstler und mit den Besuchern. Da steht nicht einmal ein möglicher Verkauf im Vordergrund.»

Gerade dieses Ungezwungene ist wohl das Erfolgsrezept, dass die Besucher jeweils in Scharen auf den Marktplatz strömen. Dazu gehört ebenfalls, dass die Kunstgesellschaft Grenchen die Ausstellenden im Anschluss des Anlasses zu einem Gratis-Risotto-Essen im Garten des Kunsthauses einlädt.

Der Künstler Markus Leibundgut aus Bettlach, der sein Atelier zusammen mit Max Obrecht (Grenchen) in Grenchen hat, weiss zu berichten, dass ein solcher zufälliger Kontakt mit einer Dame aus Wallis ihm die Möglichkeit zu einem Malaufenthalt im Wallis eröffnete: «Der coffre ouvert ist für mich in erster Linie auch Plausch, man lernt viele andere Künstler und deren Werk kennen.» Markus Leibundgut zeigt in diesem Jahr zusammen mit seinem Künstlerfreund Max Obrecht neue Werke. (tss)

Samstag, 5. Juli, von 10 bis 16 Uhr auf dem Marktplatz Grenchen (bei schlechtem Wetter muss der Freiluftanlass abgesagt werden)