Die Gemeinnützige Gesellschaft Grenchen finanziert schon zum zweiten Mal in Folge einen Grossteil der Kosten für ein Clownprojekt in den Alterszentren Kastels und Weinberg. Präsidentin Regula Lüthi und Theres Mathys von der Gemeinnützigen Gesellschaft überreichten Sonja Leuenberger einen Check über 3'600 Franken. Zwei Clowninnen besuchen jeweils jeden zweiten Monat im Jahr an einem Nachmittag die Alterszentren und erfreuen so die Bewohnerinnen und Bewohner.

«Wir gehen in erster Linie zu denjenigen Personen, die ihre Freude nicht mehr so richtig zeigen können. Sei es, weil sie an Altersdemenz oder Alzheimer leiden oder einfach sonst nicht mehr gut beieinander sind», erzählt die Clownin Masacha. Sie besucht jeweils einzelne Personen auf ihren Zimmern. «Dabei geht es überhaupt nicht darum, Klamauk zu machen. Vielmehr dient das Clownkostüm als so etwas wie ein Türöffner, sodass sich die Menschen der Clownfigur gerne anvertrauen.»

Masacha, die ausser den beiden Alterszentren in Grenchen auch noch andere Heime besucht, erzählt von lustigen und auch sehr berührenden Momenten: «Es ist schon vorgekommen, dass mir eine Person ganz spontan von einem Missbrauch erzählt, deren Opfer sie in jungen Jahren wurde; ein Erlebnis, das sie bis heute nicht überwunden oder verarbeitet hat. Oder eine andere Person glaubte, ich komme sie jetzt holen, als ich das Zimmer betrat. Als ich fragte, wohin?, meinte sie, ‹in den Himmel natürlich›. Aber dann stellte sie fest, dass ich ja gar keine Flügel habe und kein Engel bin. Sie meinte darauf, dann sei wohl ihre Zeit noch nicht gekommen, also haben wir zusammen gelacht.»

Einen Mann, der erst vor kurzem seine Frau verloren hatte und darüber sehr traurig war, habe sie getröstet. Er habe ihr anvertraut, dass er seine Frau nicht gut behandelt habe und sich deswegen sehr schlecht fühle. «Ich habe ihm geraten, ihr einen Brief zu schreiben und darin alles zu erklären, den dann ein Engel seiner Frau im Himmel überbringen werde. Das hat er später getan, sich bei ihr entschuldigt und war sehr erleichtert. Denn jetzt konnte er ihr unbelastet in den Himmel folgen – schliesslich war er auch schon 98 Jahre alt.»
Masacha ist immer in Begleitung ihrer Tierchen, einer ganzen Reihe von Plüschtieren, welche den Bewohnern immer grosse Freude bereiten. Sie ist auch öfters mit einer Handpuppe unterwegs. «Es ist kaum zu glauben, was die Leute dieser Puppe alles anvertrauen, sie wirkt wie ein Schlüssel.»

Masacha ist selber nicht mehr die Jüngste. Ein grosser Vorteil, wie sie sagt. Als Hauspflegerin habe sie während 20 Jahren Erfahrungen sammeln können. «Ich weiss nicht, wie das eine junge Clownin machen soll, der es an Lebenserfahrung fehlt. Denn wie gesagt: Es geht nicht darum, Klamauk zu machen. Aus diesem Grund geben wir auch keine Vorstellungen, sondern beschäftigen uns höchstens mit kleineren Gruppen.» Sonst verliere man diese Vertrautheit.
«Singen ist sehr wichtig», erzählt sie. Es sei schon vorgekommen, dass beim gemeinsamen Singen von «Ramseyers wei go grase» eine Frau an der entsprechenden Stelle im Lied plötzlich laut «Schnuderhüng» gerufen habe, immer und immer wieder. Eine Frau, die laut den Pflegenden während dreier Jahre kein einziges Wort gesprochen habe. «Oder dann singen demente Menschen zehn Strophen eines alten Liedes auswendig und fehlerfrei, und ich kriege grade mal die erste hin.»

Dankbar für die Unterstützung

Für Sonja Leuenberger, die Leiterin der Alterszentren Grenchen, ist klar, dass nur jemand von ausserhalb, der nicht in den Alltag des Heims eingebunden sei, dieses Vertrauen erlangen könne.» Wir sind sehr froh über die Unterstützung der Gemeinnützigen Gesellschaft, die uns diese Clownbesuche ermöglicht. Denn ohne den finanziellen Beitrag könnten wir uns das nicht leisten.

Regula Lüthi, die Präsidentin der Gemeinnützigen Gesellschaft, ist überzeugt vom Clownprojekt: «Wir haben ein Projekt gesucht, von dem diejenigen Menschen profitieren können, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und wir haben schon letztes Jahr miterlebt, welch guten Einfluss die Clowninnen auf die Bewohner der Alterszentren haben.» Deshalb sei sie froh, das Projekt erneut unterstützen zu können, eine wirklich gute Sache.
Das Geld stammt aus dem Erlös der Brockenstube, welche die Gemeinnützige Gesellschaft betreibt. Im August zieht die Brockenstube übrigens um an die Marktstrasse, in grosse und helle Räumlichkeiten.