Staad
Christbäume wachsen zum zweiten Standbein

Die Bauernfamilie Peter und Heidi Sperisen baute mit harter Arbeit einen Nebenerwerb zum wichtigen Ertragspfeiler aus.

Franz Schaible
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Diese beiden Nordmanntannen von Peter und Heidi Sperisen stehen bald im Wohnzimmer.

Diese beiden Nordmanntannen von Peter und Heidi Sperisen stehen bald im Wohnzimmer.

Hansjörg Sahli

Es ist kalt. Über die grosse Pflanzung mit Tannenbäumen in verschiedenster Grösse bläst ein scharfer Wind. Die untersten Äste der zahllos in Reih und Glied wachsenden Nordmanntannen sind vom Schnee bedeckt. «Das erschwert die Ernte der Bäume», erklärt der Grenchner Peter Sperisen. Der Schnee müsse vor dem Ansetzen der Motorsäge sorgfältig entfernt werden, damit sie nicht abbrechen. Sagt es, und trennt die Tanne geschickt mit der Säge ab. Die Nordmanntanne wird frisch ab Hof verkauft oder geht an den Grossverteiler Migros Aare, wo der Baum im Rahmen der Kampagne «Aus der Region. Für die Region» weiterverkauft wird. Insgesamt ernten Sperisens jährlich über 2500 Christbäume.

Auf Christbäume spezialisiert

Die Familie Sperisen in Staad hat sich über die vergangenen Jahre mehr und mehr auf den Anbau von Christbäumen spezialisiert. «Schon mein Vater hat mit der Anpflanzung von Tannenbäumen begonnen, allerdings nur im kleinen Rahmen», blickt Peter Sperisen zurück. Er habe sich in Deutschland entsprechend weiterbilden lassen. Die erfolgreiche Zucht, das Schneiden und die Sortengestaltung bedingen ein gewisses Know-how.

Seit dem gezielten Ausbau ab 1995 ist das neue Standbein für den traditionsreichen Bauernbetrieb immer wichtiger geworden. Heute pflanzt und hegt Peter Sperisen zusammen mit seiner Frau Heidi Sperisen an mehreren Standorten auf 5 Hektaren Land Christbäume. Damit gehöre seine Kultur schon zu den grösseren im Kanton Solothurn.

Arbeitsmässig entfallen auf die Baumzucht ungefähr 30 bis 40 Prozent der gesamten Arbeitsleistung der Familie. Die Sparte liefere rund ein Drittel ans bäuerliche Einkommen, erklärt Sperisen. Die Haupttätigkeit ist aber immer noch der Ackerbau, der auf rund 22 Hektaren Land betrieben wird.

Ganze Familie hilft mit

Schon seit dem ersten Advent herrscht auf dem Hof in Staad Hochbetrieb. Für Heidi und Peter Sperisen ist der jährliche Christbaumverkauf etwas Besonderes. «Die ganze fünfköpfige Familie ist zusammen mit Helfern aus der Verwandtschaft und dem Freundeskreis im Einsatz», sagt Peter Sperisen.

Doch bis es jeweils so weit ist, braucht es viel Arbeit. Pro Jahr werden 3500 bis 4500 Jungpflanzen im Frühling angesetzt. Das «Sortiment» umfasst grob gesagt je ein Drittel Nordmanntannen, Rottannen und Blaufichten. Hinzu kommen Spezialitäten wie die Korktannen. Nur noch Nischenstatus hätten die Weisstannen, «deren Aufzug in der Kultur sehr schwierig ist».

Bis die Bäume in den Verkauf gelangen, dauert es je nach Kultur und Grösse zwischen vier und zwölf Jahren. Die Bäume benötigen eine intensive Pflege. Frost, Krankheiten oder Läuse setzen den Pflanzen zu. Zudem sollten die Bäume nicht einseitig, zu dick oder krumm wachsen. Formschnitt und Wuchsregulierung sorgen für einen guten Wuchs.

Trotzdem schaffen es nicht alle bis zum Weihnachtsbaum. Die Ausbeute betrage über alle Sorten gerechnet rund 60 Prozent. «Unser Ziel ist es, mit Pflege und sehr geringem Pestizideinsatz die Ausfallquote weiter zu reduzieren», erläutert Sperisen.

Schweizer Baum ist gefragt

Die Bedeutung des einstigen Nebenerwerbes «Christbaum» werde für seinen Hof weiter zunehmen, blickt der 58-jährige Bauer voraus. Zwar werde der Bedarf in der Schweiz in absehbarer Zeit nicht ohne Importe abgedeckt werden können. «Aber der Anteil der Schweizer Bäume von heute rund 40 Prozent wird weiter steigen» (siehe Bericht im «Der Sonntag» vom 19. Dezember). Entsprechende Signale erhalte man auch von den Grossverteilern.

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