Chrigu ist in ein Tuch eingepackt und wird auch sonst auf Händen getragen. Kein Kratzer, nichts soll ihm zustossen. Chrigu, das ist ein digitales Radio – aber nicht irgendeines: Bei Chrigu handelt es sich um das erste und wohl einzige DAB-Radio, das komplett in der Schweiz hergestellt worden ist. Drei Jahre hat es gedauert, bis der Prototyp bereitstand. Entwickelt hat ihn das Netzwerk Grenchen. «Es war wichtig, dass wir das CH für die Schweiz in seinem Namen haben», sagt sein Schöpfer, Elektroingenieur Andreas Zutter.

Auf dem Display flimmert ein roter Schriftzug in Grossbuchstaben von rechts nach links. «Es gibt fast kein Radio, das nicht aus China kommt», erklärt Zutter. «Deshalb muss die Qualität bei uns absolut top sein.» Sechs Monate Zivildienst hat der Elektroingenieur in den letzten drei Jahren für das Projekt aufgewendet. Er hat die richtigen Knöpfe ausgewählt, Teile konstruiert, und die ganze Software selbst geschrieben. Aus 300 Teilen besteht das fertige Radio. Wenn heute die Namen der abgespielten Lieder auf dem Display erscheinen, ist dies vor allem sein Verdienst.

Der soziale Aspekt dahinter

«Chrigu» steht aber auch für den Mann, der das Projekt initiiert hat: Netzwerk-Leiter Christian Rohr. «Mein Vater ist Modellbauer und begreift nicht, dass so ein Radio nicht in der Schweiz gemacht wird», erklärt Rohr. Irgendwann kam er dann auf die Idee, die Herstellung eines DAB-Radios im Netzwerk auszuprobieren. «Unser Ziel ist es, die Leute mit eigenen Produkten für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Dafür brauchen wir eine etablierte Technologie, auf die wir uns stützen können.» Der Zufall schickte Andreas Zutter vorbei, der seinen Zivildiensteinsatz beim Netzwerk absolvierte. Ohne den Zivildienst wäre das Projekt nicht machbar gewesen. «Einen Ingenieur zu bezahlen, wäre nicht möglich», so Rohr.

Stolz und Motivation seien enorm. «Ein fertiges Produkt zu sehen, ist für unsere Leute etwas ganz anderes, als ein einzelnes Teil herzustellen.» Rohr hofft, die Produktion des Radios für das Programm der 18-25-Jährigen einzusetzen. «Erfolgserlebnisse sind dort sehr hilfreich.» In einem Kurs erklärt Zutter den Netzwerk-Beschäftigten wie die immerhin 250 Komponenten im Innern des Radios richtig gelötet werden. Die Fertigkeit soll für den Wiedereinstieg in den Beruf nützen. «Es gibt viele Arbeitsplätze, bei denen diese Fähigkeit nötig ist», erklärt Zutter. Weitere Fingerfertigkeiten werden am Radio geübt: Die Frontplatte aus Metall wird im Haus gefräst, das Holzgehäuse in der Schreinerei zusammengebaut, die Verpackung in der geschützten Werkstatt hergestellt. «Trotz sozialem Aspekt soll das Radio konkurrenzfähig sein», sagt Rohr.

Jetzt hängt es vom Geld ab

Swissness und die Kleinserienproduktion schlagen sich trotzdem im Preis nieder. 300 bis 500 Franken würde ein vergleichbares Radio im Fachhandel kosten. Das Netzwerk-Radio wird über 500 Franken kosten. «Die beabsichtigte Klientel sind Leute, die sich ein Schweizer Produkt und die entsprechende Qualität wünschen», erklärt Rohr. Den höheren Preis will das Netzwerk durch handfeste Vorteile herausschlagen: «Es gibt kein Massenradio mit einem so aufwendigen Display», sagt Zutter. Die Front besteht nicht aus Kunststoff, sondern aus Aluminium. Es wird von Grenchner Firmen schwarz eloxiert und mit einer Lasergravur versehen. Beschriftet sind die Knöpfe auf Deutsch, alles ist so benutzerfreundlich wie möglich.

Jetzt entscheidet sich, ob aus den Prototypen eine Serienproduktion entsteht. «Wir brauchen die Resonanz vom Markt», sagt Christian Rohr. «100 Stück produzieren wir, wenn uns der Handel eine Chance gibt.» Deswegen kümmert sich das Netzwerk intensiv um die Vermarktung. Es braucht eine Homepage, ein Logo und eine Vermarkungsstrategie. Verkaufen möchte das Netzwerk das Radio über eine Kaufgenossenschaft oder Fachgeschäfte.