Grenchen
Chappeli-Tüfel-Gewinnerin: «Ich habe den schönsten Beruf der Welt»

Brigitte Stettler erhält den «Chappeli-Tüfel» der Stadt. Die Leiterin der Grenchner Stadtbibliothek freut sich sehr über die Auszeichnung. Bücher und Literatur interessieren die 62-Jährige auch privat.

Andreas Toggweiler
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Bibliotheksleiterin Brigitte Stettler erhält am 14. Oktober dem «Chappeli-Tüfel» der Stadt Grenchen.

Bibliotheksleiterin Brigitte Stettler erhält am 14. Oktober dem «Chappeli-Tüfel» der Stadt Grenchen.

Hansjörg Sahli

Brigitte Stettler wirkt seit Jahren als Stadtbibliothekarin von Grenchen. «Sie ist zahlreichen Grenchnern und Grenchnerinnen bekannt als kompetente, belesene und freundliche Bücherfachfrau und Beraterin mit grossem Wissen über Literatur», heisst es in der gestern durch das Komitee veröffentlichten Mitteilung zur Verleihung des Chappeli-Tüfel 2014. Ihre Professionalität komme auch den Schulen zugute. Viele Schulklassen suchen oft den Lesesaal in der Stadtbibliothek auf und lassen sich von Brigitte Stettler in die Geheimnisse der Lesewelt einweihen. «Während ihrer Tätigkeit hat Brigitte Stettler für die Öffentlichkeit Dutzende von literarischen Anlässen organisiert und der literarisch interessierten Bevölkerung zu Begegnungen mit namhaften Schriftstellerinnen und Schriftstellern verholfen», heisst es weiter.

Seit über 40 Jahren

«Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung», sagt Stettler spontan, «persönlich, aber vor allem für die Stadtbibliothek.» Denn dieser gilt ihr volles berufliches Engagement seit nunmehr über 40 Jahren. Sie hat die Stadtbibliothek zu dem gemacht, was sie heute ist: eine bei der Bevölkerung verankerte Institution, die inzwischen 42 000 Medien zur Ausleihe bereithält. Die Bibliothek im Erdgeschoss des ältesten Grenchner Schulhauses I hat 2500 Nutzer und macht im Jahr 55 000 Ausleihungen.

«Ich habe den schönsten Beruf der Welt», sagt die Bibliothekarin, die auch zwei Jahre vor der Pensionierung keine Amtsmüdigkeit zeigt. Insbesondere der Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern sei für sie eine grosse Befriedigung, erzählt sie. «Schau da kommt die Frau Bibliothek», hätten ihr die Kinder auf der Strasse schon zugerufen.

«Aktiv, offen, populär»

Doch auch für die Erwachsenen ist Brigitte Stettler keine Unbekannte. Sie war Mitgründerin und Präsidentin des Kleintheaters Grenchen und Präsidentin der (leider inzwischen «eingeschlafenen», wie Stettler mit Bedauern festhält) Literarischen Gesellschaft Grenchen. Ausserdem verfasste sie jahrelang vielbeachtete Kolumnen, auch fürs azGrenchner Tagblatt. «Sie ist eine aktive, offene und populäre Frau und deshalb als Trägerin des Chappelitüfel 2014 prädestiniert», kommt Hubert Bläsi, Präsident des Komitee Chappeli-Tüfel Grenchen in seiner Mitteilung zum Schluss.

Die vierte Frau

Brigitte Stettler ist die vierte Frau, welche diese Auszeichnung der Stadt erhält. Die Auszeichnung «Chappeli-Tüfel für ein Grenchner Original» wird durch das Komitee «Chappeli-Tüfel» seit 1987 in regelmässigen Abständen einem Grenchner oder einer Grenchnerin verliehen, der oder die auf originale Weise - original im ursprünglichen Sinne von «echt» - im gesamtgesellschaftlichen Bereich durch besondere Leistungen auffällt und für die Region Grenchen und ihre Bevölkerung positiv in Erscheinung tritt., wie das Chappeli-Tüfel-Komitee die Kriterien formuliert.
Die barocke Chappeli-Tüfel Figur ist neben der Madonna von Holbein eines der Kunstwerke, das ursprünglich die Kapelle Allerheiligen schmückte. Im Gegensatz zur Madonna fand sie aber nach einer jahrzehntelangen Abwesenheit und Odyssee wieder nach Grenchen zurück. Sie steht heute in der Eusebiuskirche. Der Titel «Chappeli Tüfel» ist dieser Original-Figur entnommen. Eine moderne Statuette von Hanspeter Schumacher verkörpert den Preis. Er wird 2014 von der Raiffeisenbank gesponsert. (rrg)

Bücher und Literatur würden sie auch privat interessieren, meint die 62-jährige, welche in Turgi im Kanton Aargau aufgewachsen ist. Und natürlich das Pflegen von Begegnungen. Als wichtigen Förderer und Mentor bezeichnet sie Hans Kaufmann, den kürzlich verstorbenen ehemaligen Stadtarchivar.

Fantasy und Krimis sind top

Und was interessiert ihre Kundinnen und Kunden der Stadtbibliothek zurzeit am meisten? - «Bei den Mädchen sind es Fantasy-Geschichten, bei den Buben eher Detektivstorys oder auch Fantasy, einfach mit etwas mehr Action», erklärt sie. Bei den Erwachsenen sind es Kriminalromane im weitesten Sinn. «Wir schauen, dass wir unser Sortiment laufend aktuell halten können.» Für Anschaffungen stehen der Bibliothek gut 40 000 Franken jährlich zur Verfügung. Zum Sortiment gehören auch CDs und DVDs. Gerne berücksichtige man auch Bücherwünsche der Kunden.

Mit Befriedigung stellt Stettler fest, dass gedruckte Bücher keineswegs von gestern sind, sondern sich sogar noch steigender Beliebtheit erfreuen. Trotzdem gelte es, neue Trends und die technische Entwicklung im Auge zu behalten. «Auch E-Books zum Ausleihen werden künftig in der Bibliothek erhältlich sein», meint sie. Jedes Medium, das (Lese)kultur transportiere habe seine Berechtigung.

Bald in der alten Turnhalle?

Das einzige «Sorgenkind» Stettlers ist der bauliche Zustand der Stadtbibliothek. Seit Jahren setzt sie sich für eine neue Lösung ein. «Diese zeichnet sich jetzt ab», äussert sie sich erleichtert. Denn im Stadtbauamt werde zurzeit geprüft, ob man die Bibliothek in der alten Turnhalle unterbringen könne. Dazu würde in der Kubatur ein weiteres Stockwerk eingezogen. «Ich fände das eine eine ideale Lösung. Wir wären wieder in einem zentral gelegenen historischen Gebäude und hätten vielleicht sogar noch Platz für ein kleines Bistro.» Nebst dem Chappeli-Tüfel wäre dies die Krönung für ihr Lebenswerk, «auch wenn ich bis dann natürlich längst pensioniert bin», lacht sie.

Die Preisverleihung wird am Dienstag, 14. Oktober 2014 im neuen Restaurant Chappeli stattfinden, das Ernst Thomke - selber Chappeli-Tüfel 1998 - kürzlich saniert und wieder eröffnet hat. Der Chappeli-Tüfel kommt also gewissermassen wieder ins Chappeli zurück.