Ein rascher Wechsel an der Spitze eines Unternehmens verheisst vielfach nichts Gutes. Das trifft im Fall der Grenchner Industriefirma Etampa AG offenbar nicht zu. Ab sofort hat Hans Rudolf Haefeli – er ist seit 2010 Inhaber und Verwaltungsratspräsident – auch das operative Ruder übernommen. Der bisherige CEO, Daniel Brügger, tritt nach nur 20 Monaten vom Amt zurück, wie das 1945 gegründete Unternehmen am Mittwoch bekannt gab.

Mit dem Geschäftsgang direkt stehe der Wechsel nicht im Zusammenhang. Es habe unterschiedliche Auffassungen über die künftige Ausrichtung der Firma gegeben, erklärt auf Nachfrage Haefeli.

Seit dem Aufbau eines Produktionsstandortes in Tschechien im vergangenen Sommer sei die Führung beider Standorte sehr anspruchsvoll geworden. «Aber wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt im Sinne, dass dies die beste Lösung für die Firma ist.» Das zeige auch, dass Brügger noch bis im Herbst in diversen Projekten tätig sein werde. Und in der Geschäftsleitung gebe es keine weiteren Veränderungen.

Guter Start ins laufende Jahr

Mehr als zufrieden zeigt sich Haefeli mit dem Geschäftsgang. Der Hersteller von Stanz- und Feinschneideteilen sei gut ausgelastet. «Im vergangenen Jahr haben wir trotz Frankenschock den Umsatz auf dem Vorjahresniveau halten können. Und das will etwas heissen bei einem Exportanteil zwischen 90 und 95 Prozent.» Dieser beläuft sich auf rund 20 Millionen Franken.

Der Start ins laufende Jahr sei geglückt. Etampa habe sowohl beim Umsatz wie beim Ergebnis deutlich zulegen können. Für das ganze Jahr rechnet Haefeli mit einem Umsatzplus von 8 bis 12 Prozent und man werde wie in den Vorjahren schwarze Zahlen schreiben. «Allerdings müssen wir dafür kämpfen. Es ist kein Glanzresultat, aber es ist zumindest genügend.».

Bereits vor dem Währungsschock hat Etampa reagiert und die Prozesse optimiert, um die Produktivität am Standort Grenchen zu steigern, wie der Firmenpatron ausführt. Dazu investierte Etampa 2014 über zwei Millionen Franken in eine Feinschneidpresse, die dreimal so leistungsfähig sei wie ihre Vorgänger. Um den Kostenblock weiter zu reduzieren, kündigten die Grenchner vor einem Jahr eine Teilverlagerung der Produktion nach Tschechien an.

Mit der dortigen Metra Blansko wurde die Etampa-Metra als Joint Venture gegründet, an welcher die Grenchner die Mehrheit halten. Etampa verlegte nachgelagerte Tätigkeiten wie Bürsten und Schleifen der Teile nach Osteuropa, die tschechische Firma brachte die Bearbeitung hochwertiger Blechgehäuse ein. Insgesamt sind dort aktuell rund 90 Angestellte beschäftigt. Den Start ins Abenteuer «Tschechien» bezeichnet Haefeli als geglückt.

Neue Arbeitsplätze geschaffen

In Grenchen dagegen kam es im Zuge der Teilverlagerung zum Abbau von rund sieben Jobs. Aber auch hier gebe es Positives zu vermelden, inzwischen seien nämlich wieder neue Stellen geschaffen worden. «Mit 85 Beschäftigten sind wir heute mindestens gleich gross wie vor der Verlagerung», so Haefeli. «Der Standort Grenchen ist nicht infrage gestellt.»
Etampa fertigt in Grenchen grosse Serien an Stanz- und Feinschneideteilen. Dabei gehe es um Serien von 1 bis zu 40 Millionen Stück pro Jahr. Hauptkunden sind Zulieferer der Autoindustrie.