Grenchen
Centralfest-Anwohner: «Sonst schläft uns noch das Gesicht ein»

Mit dem «Centralfest» wollen Anwohner und Gewerbler die Strasse wiederbeleben. Der Passantenverkehr und das Leben in der oberen Centralstrasse fehlen zunehmend, und von alleine wird sich die Situation kaum ändern.

Patrick Furrer (Text und Bild)
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Diese drei unternehmungslustigen Prinzen wollen die Centralstrasse wieder wachküssen: (v.l.) Kilian Messerli, Cosimo Antonio Greco und Musiker Roland «Orlando» Chopard.

Diese drei unternehmungslustigen Prinzen wollen die Centralstrasse wieder wachküssen: (v.l.) Kilian Messerli, Cosimo Antonio Greco und Musiker Roland «Orlando» Chopard.

Grenchner Tagblatt

«Wir müssen etwas unternehmen, sonst schläft uns hier in der Centralstrasse noch das Gesicht ein», sagt Roland Chopard, der gleich neben dem Café Central sein Musikfachgeschäft Mc Wühlmaus betreibt. Von den Häusern entlang der einstigen Zentrumsachse geht noch immer ein gewisser Charme der Blütezeit der Uhrenindustrie aus, doch diese Zeiten sind lange vorüber. Inzwischen stehen Ladenlokale leer - als letztes wurde auch die Stadtchäsi aufgegeben. Der Passantenverkehr und das Leben in der oberen Centralstrasse fehlen zunehmend, und von alleine wird sich die Situation kaum ändern.
Ein Problem, dem sich jetzt ein initiatives Dreierteam stellen will. Gemeinsam mit Anwohner Kilian Messerli und Unternehmer Cosimo Antonio Greco vom Lokal der «Colonia Libera Italiana» hat Chopard vor knapp eineinhalb Monaten die Idee eines Strassenfests geboren. «Wir müssen wieder Leben nach Grenchen bringen», erklärt der Burgdorfer Cosimo Greco. «Ständig reklamieren die Leute, dass nichts los ist.» Genau das lasse man nicht auf sich sitzen, ergänzt Kilian Messerli. «Wir bringen wieder Leben in die Strasse.»
Essen, Trinken, Spass und Musik

Geschehen soll das mit dem neuen «Centralfest» - in genau einer Woche, am Samstag 2. Juni. Für das grosse Fest wird der Strassenabschnitt zwischen Restaurant Gärtli und der Wiesenstrasse komplett für den Verkehr gesperrt. Der Bus wird umgeleitet. «BGU-Geschäftsführer Hans Rudolf Zumstein hat sofort zugesagt, weil er unsere Idee gut findet», erklärt Kilian Messerli. Auch die Parkplätze werden blockiert. Der gesamte Strassenabschnitt wird mit Tischen und Stühlen, einer Bar aus dem Hause «Baracoa», einer Spielbude mit Büchsenwerfen und mehr aufgerüstet. Cosimo Greco wird vor dem Colonia-Lokal Spanferkel und italienische Spezialitäten anbieten, vis-à-vis beim «Central» wird türkische Suppe serviert. «Mangiare e bere», fasst der italienischstämmige Unternehmer zusammen. Auch Nichtgastronomen tragen ihren Teil bei, etwa das Coiffeur- und Kosmetikstudio Carisma.
Ein nichtgastronomischer Leckerbissen wird das Livekonzert der «Orlando Band» alias Johnny Cash Band sein, welche auf einer Bühne Klassiker aus der Feder des US-amerikanischen Countrymusic-Haudegens zum Besten gibt. Roland «Orlando» Chopard selbst ist Teil der Truppe und verspricht, das Publikum mit fetzigen 50er-Jahre-Rhythmen mitzureissen. Die Band wird von 14 bis 17 oder 18 Uhr auftreten, das ganze Strassenfest dauert von 11 Uhr morgens bis (offiziell) 11 Uhr abends.
Schon vor dem Bandkonzert wird Chopard solo einige Musikstücke der Marke Bob Dylan und Cat Stevens vortragen. Mutige Partygäste erhalten zudem die Gelegenheit, sich als Karaoke-Talent zu beweisen.
Von nichts kommt nichts
Illusionen macht man sich aber nicht: Wie viele Gäste zum Fest kommen werden, wissen die drei nicht, auch wenn sie ziemlich zuversichtlich sind. Wahr ist, dass durch eine einzige gute Idee die Centralstrasse nicht plötzlich wieder aufblüht, neue Gewerbetreibende zuziehen und investiert wird. Dennoch: Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel, ist das Trio überzeugt. «Wenn es gut läuft, werden wir das Strassenfest auf jeden Fall weiterhin durchführen», sagt Kilian Messerli. Eventuell werde man die Idee dann sogar ausbauen.
Messerli, Greco und Chopard haben sich viel vorgenommen - und sicher wird den Strassenfestbesuchern am nächsten Samstag auch einiges geboten. «Wir sind bereit», sagt Cosimo Greco. Auch ein Festzelt steht für den Schlechtwetterfall bereit. Dennoch hoffen die drei auf gutes Wetter, wie es sich für eine Freiluft-Fete gehört. Aber auch da sind die drei Initianten zuversichtlich, wie Cosimo Greco mit einem Augenzwinkern erklärt. Er habe nämlich einen richtig guten Draht zu Petrus.