Museum Grenchen

Cäcilienverein zwischen Tradition und Zeitgeist

Vielfältig: Information und Instrumente aus alter Zeit ergänzen sich zum Einblick hinter die Kulissen. (Bild: Hansjörg Sahli)

Museum Grenchen

Vielfältig: Information und Instrumente aus alter Zeit ergänzen sich zum Einblick hinter die Kulissen. (Bild: Hansjörg Sahli)

Der Cäcilienverein Grenchen kann dieses Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiern. Das Kultur-Historische Museum widmet ihm dazu eine zwar kleine, aber feine Sonderausstellung.

«Der Cäcilienverein hat in seiner langen Geschichte mit zahlreichen qualitativen Konzerten und Aufführungen das kulturelle Leben in der Region Grenchen stark mitgeprägt und tut es heute noch», erklärte Museumsleiterin Angela Kummer. Das ist der Grund, wieso man dem katholischen Kirchenchor eine eigene Ausstellung gewidmet hat.

Besucherinnen und Besucher erfahren einiges über den Chor und seine Musik, über das Hauptinstrument, die Orgel, aber auch über das Vereinsleben und weltliche Aufführungen. Die Ausstellung lädt auch ein, selber aktiv zu werden, beim Schmökern in Büchern und Programmheften etwa oder mittels Touchscreen, der tönende Einblicke ins Vereinsleben erlaubt.

Prunkstücke gibt es in der Ausstellung einige. Etwa die prächtige Karfreitags-Rätsche, welche in früheren Zeiten anstelle der Kirchenglocken die Gläubigen zum Gottesdienst rief oder die beiden Modelle der Kirche St. Eusebius sowie des Restaurantkomplexes Bad, ein häufiger Auftrittsort des Vereins in früheren Zeiten.

Volkslieder waren einst ein Feindbild

An der Vernissage stellte Präsidentin Luitgard Kliegl den Verein näher vor. Dieser steht unter dem Schutz der heiligen Cäcilia. Neben der Hauptaufgabe, der Pflege des Kirchengesangs, komme jeweils der gesellige Teil nicht zu kurz. Wichtig sei dem Verein aber auch das soziale Netz. Freundschaften, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft seien spürbar, ebenso wie die Solidarität in schwierigeren Stunden.

Dirigent Jürg Schläpfer ging auf die Geschichte des Cäcilianismus ein. Gegründet wurde die Bewegung Mitte des 19. Jahrhunderts in Bayern. Mitten im Kulturkampf zwischen Kirche und Staat stellten die Cäcilianer eine Organisation dar, welche die Kirchenmusik reformieren und namentlich profane Tänze, Operettenarien und Volkslieder aus den Kirchen beseitigen sollte. Im Lauf der Zeit haben die Cäcilianer jeweils neu definiert, was Kirchenmusik sein soll.

Der Pfarrer kämpfte um den Chor

In Grenchen führten persönliche Zwistigkeiten um 1870 zur Auflösung des Gemischten Chores. Der damalige Pfarrer Sylvan Walser kämpfte aber für einen Kirchenchor und konnte 1884 eine Gruppe von Sängerinnen und Sängern zur Gründung des Cäcilienvereines gewinnen. Seit der Gründung des ersten Cäcilienvereins setzen sich zahlreiche lokale, bistums- und länderübergreifende Institutionen für die Belange der Kirchenmusik ein.

Sei dies in der Ausbildung von Organisten und Chorleitern, in der Bereitstellung geeigneter Literatur, in der Veranstaltung von Fort- und Weiterbildungskursen oder in der Mithilfe bei neuen Kirchengesangbüchern. «Letztlich wollen all diese Strukturen dazu dienen, dass auch weiterhin in unsern Kirchen mit Freude und Engagement gesungen und musiziert wird», fasste Jürg Schläpfer zusammen.

Als Tenor umrahmte er schliesslich zusammen mit der Sopranistin Agathe Wyss und dem Organisten Albert Knechtle die Vernissage mit Duetten von Mozart und Mendelssohn-Bartholdy.

Die Ausstellung ist eingebettet in die Hauptausstellung «Vom Bauerndorf zur Industriestadt» und dauert bis zum 31. Januar 2010.

Weitere Infos und Rahmenprogramm: www.museumgrenchen.ch

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