Sich zweiteilen. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt? Für die Seeländer George-Band ist der Wunsch Realität geworden – aber die meisten Fans empfinden das als Albtraum. Die Galionsfigur George hat die Band verlassen. Wie es aussieht, werden bald George solo und die George-Band durch die Region touren.

«Ich bin George.» So geradlinig stellt sich der 45-jährige Seeländer Sänger und Mundartrockmusiker George Schwab vor. Einen Herrn Schwab, oder gar das Sie, das gibt es für ihn nicht. Mit der George-Band hat er in zehn Jahren einen respektablen Bekanntheitsgrad erreicht. Die letzte CD, «Buuregiel», stieg direkt auf Platz 6 in der Schweizer Hitparade ein und ist der bisher grösste Erfolg. Doch mitten in diesen aufsteigenden Trend liess George eine Bombe platzen: Er macht ab sofort solo weiter und trennt sich von der George-Band.

«Ja, ich habe eine turbulente Zeit hinter mir», sagt George, «es gab unglaublich viele Reaktionen. Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass es um mich einen solchen Rummel geben würde.» Und diese teilweise heftigen Reaktionen seien nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. «Recht viele Fans sind enttäuscht und haben im Zeitalter von Facebook ungeniert ihre Meinung kundgetan, ohne die Hintergründe genauer zu kennen. Das hat schon etwas wehgetan.»

Happige Vorwürfe

Getroffen hat vor allem der Vorwurf, er sei dem Ruf des Geldes gefolgt und habe seine alten Wegkollegen im Stich gelassen. «Richtig ist, dass mir die Plattenfirma Universal ein Angebot gemacht hat. Auch wenn ich dieses Angebot abgelehnt hätte, wäre der Künstlervertrag mit der George-Band wohl nicht mehr verlängert worden», erklärt der Sänger. «Es ist eine grosse Chance, die ich packen musste. Aber reich werde ich mit diesem Künstlervertrag nicht.»

Von Montag bis Donnerstag arbeitet George deshalb weiter als Landschaftsgärtner. Freitag, Samstag und Sonntag gehören der Musik. «Vielleicht kann ich das Pensum noch etwas reduzieren, um mich professioneller um meine Musik kümmern zu können. Aber dass ich jemals ganz von der Musik leben könnte, damit rechne ich nicht. Musik ist ein Risiko. Das Projekt kann erfolgreich werden, es kann aber auch in die Hosen gehen. Ich bin Musiker aus Leidenschaft und ich werde sicher in zehn Jahren noch singen. Das hängt nicht vom kommerziellen Erfolg ab.»

Im kommenden Frühjahr soll bereits die Solo-CD erscheinen und die ersten Konzerte sind geplant. «Ich werde meinem Stil treu bleiben», verspricht George. Mundartrock mit einer Prise Country, und Texte mit einer Portion Heimat, etwas Heimweh und einem Schuss Sehnsucht dürfen also erwartet werden. George: «Die Texte habe ich bereits geschrieben. Die Songs komponieren Grössen wie Remo Kessler von der Schmetterband oder Maurizio Pozzi.»

Am meisten geärgert über den Absprung des Frontmannes hatte sich wohl Drummer DeeDee Kaufmann. «Am Anfang hatte ich sehr Mühe damit, das gebe ich zu. Ich habe zehn Jahre viel Herzblut in die Band gegeben», sagte Kaufmann im Interview mit dem Bieler Radio Canal 3. Mittlerweile hat er sich aber wieder eingerenkt. «George hat dadurch, dass wir alle einen guten Job gemacht haben, eine sehr gute Ausgangslage. Er will die Chance, die ihm angeboten wurde, jetzt packen. Ich verstehe das, denn so eine Chance bekommt man nur einmal im Leben.»

Die George-Band gibt es weiter

Er habe die Entwicklung wohl etwas unterschätzt: «Die Plattenfirma hat seit einiger Zeit auf George als Person gesetzt, und wir als Band haben das unterstützt», sagte DeeDee Kaufmann weiter. So war auf dem Cover von «Buuregiel» ja auch allein George abgebildet. «Mir ist nicht der Arm abgefault, so dass ich keine Musik machen könnte. Die George-Band wird es weiterhin geben. Wir schauen nach vorne und werden mit einer neuen Besetzung einen Neuanfang machen.»

Stört es George, dass die George-Band unter dem alten Namen weitermachen will? «Sie dürfen das, ich habe den Namen nicht schützen lassen. Es ist für mich kein Problem. Ich will keinen Streit mit den Mitgliedern der Band. Schliesslich hatten wir zehn tolle, intensive Jahre zusammen, und ich wünsche jedem nur das Beste und allen Erfolg.»