Bis im Jahr 2023 müssen die Bushaltestellen laut gesetzlichen Vorschriften behindertegerecht umgebaut werden. Das heisst, Rollstuhlfahrer müssen ohne fremde Hilfe ein- und aussteigen können. Zu diesem Zweck braucht es einerseits Niederflurbusse, anderseits müssen die Busstationen mit erhöhten Kanten ausgebaut werden.

Grenchen hat mit 83 Bushaltestellen ein auf den ersten Blick ausserordentlich feinmaschiges Busnetz. In keiner Stadt im Kanton gibt es so viele Haltestellen. Bereits seien etwa 20 Prozent der Haltestellen behindertengerecht gestaltet, erklärt Stadtbaumeister Aquil Briggen. Doch die grosse Anzahl Stationen in Grenchen zeigt: es gibt noch viel zu tun. Ein Umbau einer Bushaltestelle ohne parallele Strassensanierung kostet laut Briggen etwa 30 000 Fr.

Zusammen mit Belagssanierung

«Das ist auch der Grund, warum wir, wenn immer möglich die Ausbauten mit den anstehenden Belagssanierungen kombinieren», erläutert er weiter. Denn dann lassen sich kostenmässig Synergien erzielen und baulich alles in einem Guss realisieren. Hier ist auf Grenchens Strassen zurzeit einiges im Gang, da auch die gesetzliche Frist für beitragsberechtigte Schallschutzmassnahmen (Flüsterbeläge) demnächst abläuft.
Es sei auch nicht so, dass alle Bushaltestellen umgebaut werden müssten, relativiert Briggen, da die Verhältnismässigkeit nicht gegeben sei. So wird beispielsweise bei der Holzerhütte kaum je eine Buskante gebaut werden und auch an einer steilen Haltestelle wie am Grubenweg wäre der Einstieg für Rollstuhlfahrer wohl wenig praktikabel. Hier läge auch ein Vorteil eines dichten Busnetzes, indem gemäss Verhältnismässigkeitsüberlegungen einem Rollstuhlfahrer eher das Ausweichen auf eine benachbarte Haltestelle zugemutet werden kann.

Auch Kanton betroffen

Wie viele Haltestellen nun konkret und bis wann umgebaut werden, kann Briggen deshalb noch nicht sagen. Nicht wenige Bushaltestellen befinden sich zudem auf Kantonsstrassen. Hier ist der Kanton zuständig für die behindertengerechte Ausgestaltung. Die Haltestelle Schwimmbad auf einer Kantonsstrasse muss beispielsweise auch noch umgestaltet werden.
Der Umbau einer Busstation kann sich mitunter zu einer kleinen Knacknuss entwickeln, wie die Situation bei der Haltestelle Schmelzi gezeigt hat. Auch hier habe man sich entschieden, im Zuge der laufenden Belagssanierung umzubauen, erklärt Briggen. Nur: die Haltestelle befindet sich direkt vor dem Einfahrtstor für Lieferanten des ETA-Werkes, der Bau einer Buskante wäre hier gar nicht möglich, weil Lastwagen über die Busstation in die Einfahrt fahren müssen.

Knacknuss ETA-Einfahrt

Diskutiert wurde in der Folge, die Haltestelle ein paar Meter nach Norden zu verschieben. Damit hätte man aber Parkplätze des Maxi-Ladens aufheben müssen. «Uns war sofort klar, dass dies für einen Detailhändler eine unzumutbare Einschränkung bedeutet», meint Briggen, der zusammen mit Tiefbauchef Thomas Rüegger die Situation gleich vor Ort erläutert. «Es zeichnet sich jetzt eine Lösung ohne Parkplatz-Verlust ab, indem die Buskante nicht über die ganze Länge der Station erhöht wird, sondern lediglich eine Art Plattform entstehen soll», erklärt Rüegger. Die Einfahrt der ETA wäre damit nicht tangiert und den Bedürfnissen von Behinderten würde Rechnung getragen.
Um Kosten für den Umbau der Busstationen zu sparen, könnte man auch einfach die Dichte des Netzes reduzieren. «Solche Erwägungen machen wir bei der Baudirektion nicht», meint Briggen dazu. Die Aufhebung einer Busstation müsste der Gemeinderat zudem beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau beantragen.

Dicht oder nicht?

Die Frage, ob viele Haltestellen gleichbedeutend sind mit einem dichten Busnetz, müsste zudem noch vertieft untersucht werden, erklärt Briggen. «Grenchen hat sehr viele Haltestellen mit nur einer Haltestellenkante», betont er. Das heisst, man kann den Bus nur in eine Richtung nehmen. «Sofern dies bei den anderen Städten nicht so ist, und im Verhältnis viel mehr Haltestellen mit zwei Kanten bestehen, ist ein Vergleich über die effektive Dichte des Busnetzes schwierig zu machen», gibt der Stadtbaumeister zu bedenken. Zudem müsse man die Siedlungsdichte berücksichtigen.