Grenchner Stadtpräsidium
Bürgerliche Parteien müssen sich einigen, wenn sie Ära SP beenden wollen

Der FDP-Vorstand will Hubert Bläsi als Kandidaten fürs Stadtpräsidium. Die anderen bürgerlichen Parteien reagieren unterschiedlich auf die Ankündigung.

Patrick Furrer
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Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi will das Zepter übernehmen.

Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi will das Zepter übernehmen.

Solothurner Zeitung

Dass der Vorstand der FDP Stadt Grenchen Vize-Stadtpräsident Hubert Bläsi Anwärter François Scheidegger vorzieht, sorgt in freisinnigen Reihen für Unruhe. Einige Parteimitglieder hätten sich lieber Scheidegger, andere wenigstens beide Kandidaten zur Auswahl gewünscht. Befürchtet wird, dass die Partei gespalten werden könnte. Kommt hinzu, dass FDP-Aussteiger Eric von Schulthess (GLP) auch noch einige FDP-Stimmen für sich beanspruchen will (wir berichteten).

So viel steht für die bürgerlichen Parteien fest: Erstens brauche Grenchen einen Wechsel in Gestalt eines bürgerlichen Stadtpräsidenten. Zweitens können FDP, SVP, CVP und GLP nur gemeinsam reüssieren, wollen sie die Ära der SP wirklich beenden. Das setzt eine gewisse Einigkeit voraus, wie sie derzeit nicht vorhanden ist.

Mehr oder weniger überrascht

Die SVP ist vom Vorschlag des FDP-Vorstandes enttäuscht. In den Vorgesprächen hatten sowohl die SVP wie auch die CVP mitgeteilt, dass sie Kandidat François Scheidegger bevorzugen würden. «Wir waren schon ziemlich überrascht über den Einzelvorschlag mit Hubert Bläsi», sagt Richard Aschberger, Präsident der SVP Stadt Grenchen, der an den Vorgesprächen teilgenommen hatte. Die SVP habe erst aus der Presse erfahren, was der FDP-Vorstand vorhat.

Aschberger macht eine gewisse Kaltschnäuzigkeit aus. «Es geht darum, wie die FDP mit ihren Partnerparteien kommuniziert. Wenn die FDP uns zwar anhört, aber dann doch nur macht, was sie will, werden derartige Vorabsitzungen zur Farce.» Dennoch werde die SVP vorerst nur abwarten und nichts weiter unternehmen.

Der ehemalige FDP-ler Eric von Schulthess, Präsident der neu gegründeten GLP-Sektion Grenchen, geht erwartungsgemäss noch weiter: «Ich habe mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass die FDP auf die anderen bürgerlichen Parteien wieder einmal keine Rücksicht nimmt.» Für ihn sei klar, dass er sich als Sprengkandidat gegen Hubert Bläsi positionieren würde. Dafür nehme er sogar in Kauf, dass die Bürgerlichen keinen Stadtpräsidenten erhalten. «Die FDP muss aber die Verantwortung dafür tragen, dass sie die Partnerparteien übergeht und einmal mehr nicht auf sie eingeht.»

Keinen Grund, zu handeln

Auch die CVP hätte den Vorschlag François Scheideggers bevorzugt. Marco Crivelli, Präsident CVP Grenchen, sagt aber, seine Partei sehe keinen Grund, zu handeln. Beide Kandidaten - Bläsi wie Scheidegger - wären denkbar. Die hitzigen Diskussionen kämen denn auch verfrüht, schliesslich wisse man erst im Mai, nach der Nominationsversammlung der FDP, wen die Freisinnigen wirklich schicken. «Das Ganze wird viel heisser gekocht, als später dann gegessen. Wir stehen dafür ein, dass die Bürgerlichen zusammenstehen und den bürgerlichen Kandidaten unterstützen.» Wer das sein werde, wird man erst im Mai wissen. Zu viele Fragen seien noch offen.