Der Regierungsrat hätte die Berner Fachhochschule ursprünglich in Bern und Biel konzentrieren wollen. Burgdorf hätte über die Klinge springen müssen.

Doch das Emmental und der Oberaargau wehrten sich heftig gegen die drohende Schliessung ihres Technikums und setzten schliesslich durch, dass der Grosse Rat einen Bericht zur Standort-Evaluation in Auftrag gab.

Dieser Bericht stand am Mittwoch und Donnerstag im Kantonsparlament zur Debatte. Neue Argumente gab es in den 41 Voten nicht zu hören. Die Burgdorf-Befürworter quer durch die Parteienlandschaft machten regional- und finanzpolitische Gründe für ihren Standort geltend.

Anhänger der regierungsrätlichen Lösung entgegneten, der Verzicht auf Burgdorf sei zwar schmerzhaft aber unabdingbar. Denn die Verzettelung der 6300 Studierenden auf heute 26 Standorte schade der Wettbewerbsfähigkeit der BFH im nationalen Vergleich.

Widmers Kompromiss

Als mehrheitsfähig erwies sich schliesslich der Kompromiss des Wanzwiler BDP-Grossrats Dieter Widmer: Die Seeländer sprachen sich für den Standort Burgdorf aus, die Emmentaler und Oberaargauer stimmten im Gegenzug für den Bau des Campus Biel in voller Grösse. Die vorberatende Kommission hatte eine abgespeckte Variante ins Spiel gebracht.

Der neue Campus Biel direkt beim Bahnhof dürfte in der Vollvariante gut 300 Millionen Franken kosten. Er soll den gesamten Bereich Technik, Informatik, Architektur, Bau und Holz umfassen.

Der Grosse Rat verabschiedete eine Reihe von Planungserklärungen, darunter diejenige für Burgdorf mit 118 zu 26 Stimmen und jene für die Volllösung in Biel mit 114 zu 41 Stimmen.

Für die Regierung sind diese Planungserklärungen zwar nicht verbindlich. Das Parlament kann den weiteren Prozess aber über die Planungs- und Ausführungskredite steuern.

Bern gegen Burgdorf

Damit rückt nun die Frage ins Zentrum, welche Abteilungen der Fachhochschule künftig in Bern und Burgdorf anzusiedeln sind. Nach dem Willen des Grossen Rats soll die Regierung dabei die Standorte Bern und Burgdorf «gleichwertig prüfen».

Die Neuevaluation könnte aber durchaus auf Kosten der Bundesstadt gehen. In Bern angesiedelt ist heute der Bereich der Künste sowie das Departement Wirtschaft, Gesundheit und Soziale Arbeit.

Freude im Seeland und im Emmental

In Bern wurden die grossrätlichen Entscheide denn auch mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Das Kantonsparlament habe regionalpolitische Überlegungen über die bildungspolitische Notwendigkeit gestellt, heisst es in einer Mitteilung der städtischen Präsidialdirektion.

Der grossrätliche Entscheid sei kontraproduktiv und schwäche die Berner Fachhochschule. Eigentlich habe der Kanton die Fachhochschule ja konzentrieren wollen und «nun macht man praktisch das Gegenteil», sagte der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) auf Anfrage.

Mit Freude wurden die Entscheide des Grossen Rates hingegen in Burgdorf und Biel aufgenommen. Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr (SP) sprach von einem guten Tag, nicht nur für die Stadt, sondern für den ganzen Kanton Bern.

Das Kantonsparlament habe Entscheide getroffen, die Klarheit schafften und dennoch auf regionalpolitische Gegebenheiten Rücksicht nähmen. Das Komitee Campus Biel/Bienne sprach von einem «Etappensieg der Vernunft».

Die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP) zeigte sich überglücklich, dass «wir nun ein Pfand für die weiteren Planungsarbeiten in der Hand haben». Dies sei ein Freudentag für das ganze Emmental und den Oberaargau.