«Tierhaltung ist absolut verboten», heisst es in der Hausordnung, die im Korridor hängt. Die Bewohner der acht Sozialzimmer haben sich daran zu halten - doch den Mieter, der hier vor zwei Wochen eine Katzenmutter mit ihren drei Welpen aus dem Fenster geworfen hat, kümmerte auch das herzlich wenig. Die Welpen haben die Gräueltat nicht überlebt, die Katzenmutter muss nun im Tierasyl Aarebrüggli aufgepäppelt werden (wir berichteten).

Die Bewohner der anderen Zimmer im alten Haus hatten schon vor der Tat von der verbotenen Katze und ihren Welpen gewusst. «Wir hörten das Wimmern der Büsis aus seinem Zimmer», erzählt einer. Weil der Mieter kaum Zuhause war und sich nicht um die Tiere kümmerte, gaben ihnen die Nachbarn etwas zu fressen. «Man muss doch zu den Katzen schauen. Und sie zum Fenster raus zu werfen, das geht wirklich nicht», sagt der Nachbar traurig.

Er und die anderen Sozialwohnungsmieter hatten vor zwei Wochen das Geld für ein Taxi zusammengelegt, um die Katzen ins Tierasyl bringen zu lassen. Ein paar von ihnen waren Augenzeugen und haben gesehen, wie die Tiere nach dem Sturz unten im Hof liegen blieben. Sie alle sind sicher, dass es der wirklich besagte Mieter war, der die Katzen zum Fenster rausgeworfen hat.

Beschuldigter ist untergetaucht

Der angeblich alkoholkranke Mann wohnte alleine und hatte selten Besuch, höchstens von seiner Freundin. Pikant dabei: Ihr gehörten den Nachbarn nach auch die Katzen. Der Mann hätte sie behüten und pflegen sollen - wieso er das genaue Gegenteil getan hat, weiss keiner.

Seit Juli wohnte der Mann Ende zwanzig in seinem kleinen Zimmer an der Däderizstrasse. Gesehen haben ihn die Nachbarn jetzt bereits seit einigen Tagen nicht mehr. Auch am Sonntagnachmittag und Montagvormittag war er dort nicht anzutreffen, konnte daher noch nicht zu seinen Gründen befragt werden.

Zum ersten Mal aufgefallen

Der Hausbesitzer möchte im Zusammenhang mit dem unschönen Vorfall lieber nicht genannt werden, verurteilte die Tat aber auf Anfrage scharf. Verwalter Peter Kohli bestätigte gestern, der Besitzer werde nun das Urteil abwarten, da gegen den Mieter Anzeige wegen Tierquälerei gemacht wurde, und dann «entsprechend handeln». Der Vermieter sei ein Tierfreund und toleriere so ein Verhalten nicht.

Der Hausverwalter zeigt auf das Fenster, aus dem die Katzenjungen geworden wurden. Der Mieter streitet ab, das getan zu haben.

Der Hausverwalter zeigt auf das Fenster, aus dem die Katzenjungen geworden wurden. Der Mieter streitet ab, das getan zu haben.

Bei einem Schuldspruch droht dem Katzenhasser also nicht nur eine Busse oder Haft, sondern auch der Rausschmiss aus der Wohnung. Bis anhin streitet der Mann aber ab, die Tiere aus dem Fenster im 2. Stock geworfen zu haben, wie der Verwalter aus seinem letzten Gespräch mit ihm weiss. «Es steht Aussage gegen Aussage», erklärt Verwalter Kohli. Auch sei der Mieter vorher nie auffällig geworden. Eigentlich sei er sogar «ganz ein Anständiger».