Besonders am Wochenende und an den Abenden strömten die Menschen zu den Standorten, um die Entstehung der Kunstwerke zu begutachten. Das Bildhauersymposium Büren an der Aare machte das Seeländer Stedtli ein weiteres Mal zum Pilgerort für alle, die diese Kunst gerne einmal ganz aus der Nähe erfahren wollen.

Ein Rundgang durch die Kunst

Eine Schulkasse hat sich vor der Skulptur von Nick Röllin aufgestellt und lauscht aufmerksam den Erklärungen des Kunstschaffenden. Zu sehen ist ausser einem grossen Betonklotz noch nicht sehr viel. Röllin, der aus Oberägeri stammt, beschreibt den Kindern, wie er zuerst einen Tonabdruck seiner Figur hergestellt und anschiessend mit Gips übergossen hat. Während die Kinder den Gips mit den Fingern befühlen, erzählt er weiter, wie er in diesen Negativ-Gipsabdruck den Beton gegossen hat. Nachdem dieser zwei Tage getrocknet hat, ist er nun damit beschäftigt, den Gips vom Beton zu trennen und die Figur freizulegen. Das sieht zugleich chaotisch und spannend aus.

Vor der ARTis-Galerie beginnt der Rundgang zu den weiteren Künstlern des Symposiums. Neben der Post in der Kreuzgasse arbeiten Rudolf Tschudin aus Sissach und Jitka KusovaValevska aus Tschechien. Tschudin stellt aus Eisen und Blech eine Banane her. Aufwendig wird abgemessen, geschnitten und geschweisst.

Werkstunde nach draussen verlegt

Kusova-Valevska meisselt aus einem Sandsteinblock, nur mit Handwerkzeug einen Kopf. Immer wieder bleiben Zuschauer stehen und begutachten die Fortschritte. Einige sind bereits am Samstag da gewesen, als alles seinen Anfang genommen hat. Peter Bissig arbeitet in der Hauptgasse. Der Berner Oberländer aus Isenthal schnitzt an einer Holzfigur, die Spiel und Witz vermitteln soll.

Die Werkklasse von Thomas Stampbach hat ihre Werkstunde nach draussen verlegt und geniesst den Unterricht durch den Künstler. Stampbach ist begeistert, dass etwas wie dieses Symposium quasi vor der Haustür zu haben ist. Bissig erzählt, wie er zuerst mit der Motorsäge den frisch geschnittenen Eichenstamm bearbeitet hat und nun die Details mit Hand und Meissel hervorbringt.

Vielfältig in Idee und Umsetzung

Im Schlossrain hat Gino Taraboi aus Italien eine Holzfigur hergestellt. Seine Finger gleiten über die geschliffenen und polierten Kanten. Laura, ein Mädchen aus der Zuschauermenge, findet diese Figur besonders cool. Sie berichtet: «Wir durften sie berühren und sie war ganz fein. Wir konnten uns auch ausdenken, was es sein könnte.» Neben Taraboi arbeitet Kristina Spasova Yosifova aus Bulgarien mit der Schleifmaschine ebenfalls an einer Skulptur aus Holz.

An der Ländte sind gleich vier Künstlerinnen und Künstler am Werk. Thomas Dürst und Hermann Gschaider haben schweres Geschütz aufgefahren. Dürst, der aus Dotzigen stammt, bearbeitet mit einem Steinbohrer seinen Tessiner Marmor. Es stäubt und lärmt ganz gewaltig. Eine zerquetschte Dose zum Thema «Littering» soll entstehen. Gschaider hat sich auf Anhieb in seinen Serpentin aus dem Poschiavo verliebt.

Er lobt den natürlichen Bruch und die Schichtungen im Gestein. Für ihn sind Form und Struktur wichtig. Seine Skulptur soll die Zeitdimension ausschalten, zumindest für einen kurzen Moment. Gschaider ergänzt: «Sie soll einladen zum Rasten und Alltag vergessen. Die Skulptur soll der Person Ruhe bringen, die die Ruhe braucht.» Katharina Lüdicke aus Berlin und Reto Odermatt aus Brienz arbeiten mit Holz. Mit Motorsäge, Schleifgerät und Meissel wollen sie Gedanken und Beobachtungen in ihren Figuren ausdrücken. Odermatt will den Menschen die Sprache des Holzes näher bringen.

Die Künstlerinnen und Künstler sind noch bis am Freitagmittag am Werk. Am Abend findet um 18 Uhr die Finissage in der ARTis-Galerie statt. Die Kunstwerke sind anschliessend bis zum 21. September in Büren ausgestellt. Die Skulpturen der Schulkinder, die im Rahmen des Symposiums und unter der Organisation der Schule Büren gemeinsam mit Gianni Vasari hergestellt wurden, sind noch bis Freitag 17 Uhr vor der Galerie zu bewundern.