Lengnau
Buche fiel um und streifte Haus: Ein Fall für die Juristen

Ohne grossen Sturm fiel eine Buche am Lengnauer Grotweg in einen Garten und beschädigte den Dachvorsprung des angrenzenden Hauses. Der Fall beschäftigt nun die Juristen.

Margrit Renfer
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Der Unfall verlief glimpflich, die Schadenregelung ist unklar. mrl

Der Unfall verlief glimpflich, die Schadenregelung ist unklar. mrl

Der Boden war vom Regen etwas aufgeweicht und ein normaler Wind blies. Aber eigentlich herrschte ganz normales Frühlingswetter als es am Grotweg, bei einer Liegenschaft am Waldrand plötzlich krachte. Eine grosse Buche mit einem Stammdurchmesser von etwa 65 Zentimeter war direkt in den Garten gefallen und rammte den Dachvorsprung. «Wir hatten noch Glück», sagt der Besitzer. Im Zimmer direkt neben dem beschädigten Dach hielt sich seine Frau mit den Grosskindern auf. Seither wird die Verantwortung für die Übernahme des Schadens hin und her geschoben.

Wer übernimmt Schaden ?

Es stürmte nicht, als die Buche umstürzte und in der näheren Umgebung waren keine Schäden zu verzeichnen. Also lehnte die Gebäudeversicherung die Übernahme des Schadens ab. Mangelnder Unterhalt des Waldes wurde geltend gemacht. Im Grot handelt es sich meist um Privatwaldparzellen. Das Wurzelwerk des Baumes war etwas schwach, doch die Bäume im betroffenen Gebiet machen nach Aussagen von Fachleuten generell einen gesunden Eindruck. Im Waldgesetz des Kantons Bern ist der Waldabstand für Bauten und Anlagen auf mindestens 30 Meter festgelegt. Doch es gibt Ausnahmen.

20 Meter wurden bewilligt

Im vorliegenden Fall wurde mit dem Überbauungsplan Krähenberg im Februar 1984 eine Ausnahmeregelung getroffen. Darin wurde der minimale Waldabstand von 20 Metern vorgesehen. «Allseitig, Wald-, Hausbesitzer, Bewilligungsbehörde und Gebäudeversicherung zusammen haben wir wohl ein vermehrtes Risiko akzeptiert» stellen die angrenzenden Hausbesitzer heute fest.

Mit der beantragten und bewilligten Ausnahme wurde die Haftung neu geregelt. «Ist eine Baute oder Anlage mit einer Ausnahme bewilligt worden, ist für allfälligen vom Wald oder dessen Bewirtschaftung ausgehenden Schaden die Haftung wegbedungen, soweit dies bundesrechtlich zulässig ist» steht in Art. 27 des Waldbaugesetzes. So lehnt die Haftpflichtversicherung des Waldbesitzers eine Kostenübernahme ebenfalls ab. In einem rechtlichen Verfahren wird nun abgeklärt, wer bezahlen muss.

Und nun wie weiter?

Am Wald entlang führt ein Spazierweg und die angrenzenden Grundeigentümer im Grot machen sich nach dem Vorfall Sorgen, was weiter passieren könnte. Die zuständige Forstverwaltung ist bereit, die Waldeigentümer über den nötigen Unterhalt des Waldes zu beraten. Von der Einwohnergemeinde wurde vor Ort festgestellt, dass das notwendige Lichtraumprofil für Fusswege gemäss der Gesetzgebung eingehalten ist. Ein gewisses Risiko ist wohl im und am Wald immer vorhanden.

Rechtliche Grundlagen: Waldgesetz WaG Art. 17. Bundesgesetz vom 4.10.1991.

Kantonales Waldgesetz Art. 25-27 vom 5. Mai 1997; Kantonale Waldverordnung Art. 3, 34 vom 29. Oktober 1997

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