Verein Sprachbrücke

Brückenbau über Sprachbarrieren hinaus

Therese Frei (stehend) und Elisabeth Latscha erklären den Flüchtlingen, wie die Grundnahrungsmittel heissen.

Therese Frei (stehend) und Elisabeth Latscha erklären den Flüchtlingen, wie die Grundnahrungsmittel heissen.

Im Verein Sprachbrücke geben Freiwillige Flüchtlingen Deutschunterricht. Damit soll eine Lücke in der Region geschlossen werden.

«d is soft, t is harsh, like g, k», Therese Frei erklärt vier Asylbewerbern das lateinische Alphabet und wie sie die Laute bilden können. Die Schüler sprechen die gesprochenen Laute nach. Sie können sich zwar verständigen, kennen aber das Alphabet noch nicht. Das Thema ist eine Wiederholung vom letzten Mal.

Frei wechselt in ihren Ausführungen zwischen Deutsch und Englisch hin und her. Am Nebentisch übt Elisabeth Latscha mit den zwei anderen Schülern, die das Alphabet bereits kennen, Vokabular. Der Unterricht ist in einen individuelleren, schriftlichen Teil und in einen spielerischen, gemeinsamen interaktiven Teil gegliedert. Neben der Sprache wird vor allem im spielerischen Teil auch schrittweise Schweizer Kultur vermittelt.

Neu in Grenchen

Seit Anfang November haben Mitglieder des Vereins Sprachbrücke mit dem Deutschunterricht für Asylbewerber (Aufenthaltsbewilligung F und N) begonnen. Diese tiefsten Aufenthaltsstufen bekommen vom Kanton keinen Deutschunterricht und sind deshalb auf sich allein gestellt. In der ganzen Schweiz gibt es aber auf ehrenamtlicher Basis Organisationen, die versuchen, diesen Menschen mit Deutschkursen zu helfen, so auch der Verein Sprachbrücke Solothurn.

Derjenige von Grenchen möchte mit seinem Angebot eine Lücke in der Region um Grenchen schliessen. Immer zwei Lehrpersonen leiten eine Klasse in einem einstündigen Abendkurs. Bisher gibt es sechs kleine Klassen, die man noch aufstocken möchte. Auch soll es noch mehr Klassen geben. Gesamthaft besuchen drei Frauen und sechzehn Männer die Kurse, die meisten aus Grenchen, ein paar wenige aus den umliegenden Ortschaften.

Viele Wechsel

Diese Zeitung hat in eine Unterrichtsstunde hereingeschaut. Die sechs Schüler Ayanle, Abdullah, Muhammad, Mohammad, Assad und Abdhi Bishar sind mit voller Konzentration dabei. Sie stammen aus Somalia Afghanistan, Bangladesch und dem Sudan. Sie sind eher zurückhaltend, wenn es um ihre Vergangenheit geht, jedoch betonen sie die Freude, in der Schweiz sein zu können. Nur einer von ihnen hat die Möglichkeit zu arbeiten.

Seit dem Projektstart im November haben sie den Unterricht jedes Mal besucht. Wechsel gab es bisher keine unter ihnen, doch das ist nicht der Normalfall. «Menschen mit diesem Aufenthaltsstatus werden oft herumgeschoben und können nicht lange an einem Ort bleiben», so Frei. «Das Niveau ist sehr unterschiedlich. Es ist aber überraschend, dass etliche sich dennoch schon auf Deutsch verständigen können. Es ist das Deutsch, das sie auf der Strasse aufgeschnappt haben.»

«Alle sind pünktlich»

Die Erfahrungen, die der Verein bisher gesammelt hat, sind sehr positiv. «Diese Gruppe beispielsweise ist sehr dankbar und hilfsbereit, sie möchte alles richtig machen. Alle kommen pünktlich, auch wenn dies in Afrika wohl kein Thema ist», erklärt Frei und fügt an, dass andere Organisationen auch negative Erfahrungen gemacht hätten. «Zum Beispiel, dass Teilnehmende mehrmals unentschuldigt fehlen und nicht gut mitmachen.»

Um dem vorzubeugen hat der Verein in Grenchen klare Regeln festgelegt. «Wenn jemand zwei Mal hintereinander unentschuldigt fehlt, dann wird er ausgeschlossen, das kam bisher einmal vor. Es gibt genügend andere Asylbewerber, die nur darauf warten, einen solchen Kurs zu besuchen.»

Frei hat eine Lehrerausbildung gemacht, Latscha kommt aus dem kaufmännischen Bereich. Ihnen beiden bereitet der Unterricht grosse Freude, es bereichert. «Es ist schön, helfen zu können», erklärt Latscha. «Und gerade für diese Menschen ist es wichtig, dass sie von Anfang an Positives mitnehmen können.»

Der Verein sucht noch Lehrerinnen und Lehrer und appelliert an Teilzeit- oder pensionierte Lehrpersonen. Man muss aber nicht unbedingt eine pädagogische Ausbildung mitbringen, jedoch über kompetente Deutschkenntnisse verfügen. Der zeitliche Aufwand beträgt eine Stunde Unterricht und die dazugehörige Vor- und Nachbereitungszeit. Wer möchte, kann auch dem Verein beitreten und dadurch mit einem Beitrag Lehrmittel mitfinanzieren.

Mehr Infos unter www.sprachbruecke-grenchen.ch

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