Vor rund 13 Monaten erfolgte der Umzug der Brockenstube der gemeinnützigen Gesellschaft von der Beundengasse an die Marktstrasse, nahe beim Zentrum und nahe beim Marktplatz. Der Umzug habe sich eindeutig gelohnt, sind sich Regula Lüthi und Bernadette Willemin einig. Die beiden Frauen gehören zum Kernteam der rund 18 Frauen, die die Brockenstube betreiben.

Was ist anders am neuen Ort? «Wir haben fast doppelt so viel Platz, wenn man den Keller miteinbezieht», sagt Regula Lüthi, seit drei Jahren Präsidentin der gemeinnützigen Gesellschaft. Das bedeutet, man kann wesentlich mehr Ware annehmen als früher. «Und wir haben jetzt viel Laufkundschaft, etwas das es früher nicht gab», so Bernadette Willemin. Das bringe Leben in die Marktstrasse. Davon profitierten auch die anderen Geschäfte und das Bistro Bambi nebenan. Das bedeute auch, der Warenumschlag sei wesentlich grösser als früher. «Es gab an der Beundengasse manchmal Möbelstücke, die monatelang stehen blieben. Das passiert hier nicht. Ein grosser Teil der Ware, die reinkommt, geht auch innerhalb kurzer Zeit wieder raus.»

Die grossen Schaufenster trügen sicherlich auch dazu bei, so Lüthi. «Das eine ist unser Monatsschaufenster und wird einmal im Monat gewechselt. Manchmal kleiden wir eine Schaufensterpuppe ein, und zehn Minuten später sind die Kleidungsstücke verkauft.»

Man kann es sich sogar leisten, die Ware saisonal zu halten. Momentan steht gerade der Wechsel zu den Winterkleidern bevor, die jetzt noch im Keller eingelagert sind. «Was wir jetzt beispielsweise sehr gut gebrauchen könnten, sind Raclette- und Fonduesets, passend zur Saison», sagt Bernadette Willemin. Auch Weihnachtsartikel werden bald gefragt sein.

Längerfristig sucht die Brocante auch Sachen aus den Fünfzigerjahren, im Hinblick auf das Grenchner Fest unter diesem Motto im nächsten Jahr.

Gesucht ist gute Ware

Die grosse Laufkundschaft bringe viel Ware, leider auch oft solche, die man nicht gebrauchen könne. «Wir sind angewiesen auf gute Ware», so Willemin. So auch bei den grösseren Stücken, Möbel wie Sofas oder ganzen Sitzgarnituren, Tische und Stühle, Kommoden etc. Auch diese müssen intakt und einigermassen gut erhalten sein. Ein Team der Brocante geht sich jeweils diese Stücke anschauen und entscheidet dann, was sie abholen lassen wollen und was nicht.

Die Transporte werden durch die Schmelzi organisiert. «Manchmal kommen dann die Leute von der Schmelzi mit Dingen an, die ihnen einfach mitgegeben wurden, die wir aber nicht verkaufen können. Diese Sachen müssen wir dann kostenpflichtig entsorgen», sagt Lüthi. Das Abholen durch die Mitarbeiter der Schmelzi ist gratis. Kauft jemand im Brockenhaus ein grösseres Möbel und möchte sich das liefern lassen, übernimmt auch die Schmelzi den Transport, aber kostenpflichtig.

Zu kaufen gibt es von Kleidern über Geschirr, Besteck und Gläsern auch Bilder, Haushaltgeräte wie Kaffeemaschinen, Racletteöfen und anderes, aber auch alte Schreibmaschinen, Lampen, Tisch- und Bettwäsche, CD-Gestelle mit CD’s, eine grosse Anzahl alter Fasnachtsplaketten, Schmuck und und und. «Wir verkaufen alles zu einem erschwinglichen Preis, das heisst zu einem fixen und reellen Preis, den sich jedermann leisten kann», erklärt Lüthi. Man wolle die Preise tief halten, weil man die Ware, die reinkomme, auch wieder verkaufen wolle.

Trouvaillen in der Brocante

Ab und zu werden auch ganz spezielle Dinge in die Brocante gebracht. «Ein Kunstsammler, der aus Altersgründen seine Sammlung nicht mehr weiterführen wollte, hat uns eine ganze Reihe von Bildern überlassen, die meisten von Grenchner Künstlern.» Von der Bijouterie Maegli erhielten die Verantwortlichen auch schon Schmuck, den sie verkaufen konnten. «Wir haben auch eine riesige Sammlung alter Modellautos erhalten, die innerhalb von wenigen Tagen wieder verkauft wurde.» Oder dann bringen Leute spezielle Dinge, wie den wunderschönen, alten Kinderwagen, der dann explizit nicht für den Verkauf gedacht ist, sondern als Schmuckstück aktuell im Schaufenster steht.

Wer sucht, der findet. Wer gut sucht, findet Besseres. Eine Frau sei mit ihrem Buben in die Brockenstube gekommen und habe ihn für seine Konfirmation von Kopf bis Fuss eingekleidet – mit guten Kleidern für keine 30 Franken. «Sie hat bloss gemeint, diese Kluft werde er sowieso nur einmal anziehen, also weshalb viel Geld ausgeben?».

Die Frauen, die turnusmässig während der Öffnungszeiten die Brocante betreuen, erhalten keinen Lohn, sondern arbeiten unentgeltlich. Der Erlös aus den Verkäufen deckt die angemessene Miete und die anderen Fixkosten, wie Strom, Wasser und Telefon. Der Rest wird für Vergabungen aufgewendet. Profitieren konnte zum Beispiel der Gospelchor, der Ferienpass, drei Spielgruppen, «Dienst am Nächsten» und das Clowninnen-Projekt der Alterszentren Grenchen.

Die Öffnungszeiten hat man dem Markt angepasst. Von Mai bis September ist die Brocante Dienstag-, Freitag- und Samstagmorgen sowie Mittwoch Nachmittag geöffnet, ab Oktober fällt der Dienstagmorgen weg, dafür ist am Samstag die Brocante an der Marktstrasse den ganzen Tag von 9 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.