Grenchen soll zum Heimathafen der legendären Kultmotorräder aus dem Hause Harley Davidson werden. Auf dem Grundstück im Dreieck Regionalflughafen, Tennishalle und Lindenhof ist eine über 50 Millionen Franken schwere Überbauung geplant, die später einmal unter anderem das Ausbildungszentrum von Harley Davidson Europa beherbergen soll. 1500 potenzielle Arbeitsplätze sind laut dem Architekten damit verbunden, vorgesehen ist ein Neubau nach dem Schlagwort «Diversity» – nebst der Ausbildung von Mechanikern sollen Verkäufer, Marketingleute und weitere mit dem Töffsport verbundene Berufe geschult werden.

Hinter dem Projekt stecken die Gebrüder Fritz und Walter Arni aus Hessigkofen, die europaweit zu den wichtigsten Harley-Vertretern gezählt werden. Architekt und Mitinitiant ist Boris Szélpal aus Solothurn. Das Projekt sei weit fortgeschritten, hiess es diese Woche auf Anfrage. «Wir suchen ganz klar Synergien mit dem benachbarten Flughafen», erklärt Architekt Szélpal. Konkret sollen auch Flugpiloten im Zentrum geschult werden. Von Vorteil sei zudem die Nähe zur Autobahn.

Pistenanpassung hat Vorrang

Aufgrund der kontrovers diskutierten Pistenanpassung liegt das Projekt derzeit aber auf Eis. Claude Barbey, Stadtbaumeister von Grenchen, erklärt es sogar für «passé». Die Stadt zögert, denn würde die Flughafenpiste nach Westen verlängert und der Flughafenkreisel nach Norden verlegt, wäre auch das vorgesehene Grundstück tangiert. Deshalb will die Stadt als Erstes das Problem der Pistenanpassung gelöst haben.

Ausser der Bauverwaltung sind auch die Wirtschaftsförderung, das Stadtpräsidium sowie das kantonale Raumplanungsamt und die Regierung längst über die Pläne informiert. Geboren wurde das Harley-Neubauprojekt eigentlich schon vor rund vier Jahren, die Idee scheiterte bisher immer am Kanton, der einer Neueinzonung des Landwirtschaftslandes zu Bauland nicht zustimmen wollte, wie Rudolf Bieri vom kantonalen Amt für Raumplanung zusammenfasst.

Pläne harren in der Schublade

Die Gebrüder Arni und Architekt Boris Szélpal verzichten auf eine Kommentierung. Gar keine Auskunft zum Neubauprojekt gibt es vorerst von Harley Davidson Schweiz. Man könne einzig bestätigen, über die Pläne informiert zu sein.

Noch unklar ist, wie die Initianten die 50 bis 60 Millionen Franken für die Realisierung der Grossüberbauung zusammenbekommen wollen. Schriftliche Verträge wurden bisher keine abgeschlossen. Gebaut würde der Neubau auf privater Initiative mithilfe von Sponsoren, Harley Davidson selbst würde nur als Mieter fungieren. Ans Aufgeben jedenfalls denken die Initianten nicht. «Wir planen langfristig», erklärt Walter Arni vielsagend.