Landwirtschaft
Brauchen alle Landwirte künftig einen Computer?

Bereits 1200 Bauern in den Kantonen Solothurn, Freiburg und Bern benutzen das Internet, um die Formulare für ihre Direktzahlungen auszufüllen. Ab kommendem Herbst werden diese Formulare für alle nur noch online zugänglich sein.

Olivia Schmidiger
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Neben der Arbeit draussen werden Landwirte künftig auch vor dem PC sitzen müssen.

Neben der Arbeit draussen werden Landwirte künftig auch vor dem PC sitzen müssen.

AZ

Denn die Anmeldung für Direktzahlungen wird komplett ins Internet verlegt. Wer also künftig Direktzahlungen erhalten will und noch keinen PC mit Internetanschluss besitzt, sollte sich unbedingt einen leisten oder wenigstens jemanden organisieren, der einen PC hat.

Bruno Meyer, Abteilungsleiter einzelbetriebliche Massnahmen beim Amt für Landwirtschaft in Solothurn, erklärt, was die Landwirte künftig erwartet: «Als Bauer bekommt man ein Passwort und eine ID, damit kann man von jedem beliebigen Computer aus auf seine Daten zugreifen und die Formulare ausfüllen.» Unter der ID versteht man eine elektronische Identitätskarte, SuisseID genannt.

Ein Viertel aller Bauern hat keinen PC

Es gibt sie in Form eines USB-Sticks oder einer Kreditkarte mit Lesegerät, ähnlich wie dies beim Onlinebanking üblich ist. Damit soll der Missbrauch von Daten verhindert werden, da in Zukunft riesige Datenmengen an einem Ort gebündelt werden. Somit könnte man eigentlich auch in einem Internetcafé sitzen und von dort aus die Formulare für Direktzahlungen ausfüllen oder beim Nachbarn im Büro arbeiten.

Bruno Meyer schätzt, dass etwa 20 Prozent der Bauern im Kanton sich neu in diese Materie einarbeiten müssen. Der Rest, vor allem die jüngere Generation, habe bereits entdeckt, wie praktisch ein Computer auf einem Bauernhof sein könne, so Meyer. Und für Kurse, wie man mit dem Internet umgeht, gebe es genug Anbieter. Wer mit den Formularen nicht klarkommt, könne sich, wie jetzt auch schon, bei der dafür zuständigen Hotline melden. Zusätzlich werde eine Anleitung zur Verfügung gestellt.

Das ganze Projekt ist allerdings immer noch in der Testphase. Diesen Frühling wird es an zwei Gemeinden durchgespielt. Anschliessend werden die Landwirte ihre Rückmeldungen machen können. «Falls Probleme auftauchen, können diese dann noch behoben werden, damit bis im Herbst 2011 alles einwandfrei starten kann.»

«Die neuen Techniken existieren, und diese wollen wir ebenfalls nutzen. Ausserdem vereinfacht es die Abläufe und hilft beim Vermeiden von Fehlern», sagt Meyer weiter als Begründung. Denn ein weiterer Punkt zugunsten der Einführung der Online-Formulare ist der momentane Papierkrieg. Laut Meyer verursachen solche Formulare bei allen Beteiligten eine ganze Palette voller Papier. Dies soll vermieden werden. Die Bauern wurden bereits durch zwei Flugblätter informiert, damit sie nicht völlig überrumpelt werden.

Das Ziel sei, die gesamte Agrarerhebung im Internet erfassen zu können. Bei der Tierhaltung sei dies schon weit verbreitet und funktioniere. Beim Amt für Landwirtschaft des Kantons Solothurn ist man daher zuversichtlich.