Natur geniessen, sich sportlich betätigen oder mit Freunden zusammensitzen. Unterschiedlichste Beweggründe locken Jung und Alt in die Grenchner Witi. Ein Strauss von Begegnungen und Geschichten.

«In zehn Minuten bin ich in den Ferien», schwärmt die Grenchnerin Helene Mäder, die mit dem Fahrrad unterwegs ist. «Die Aarelandschaft ist meine Heimat», bekräftigt die über 70-Jährige und erinnert sich gerne an das Flussbad oberhalb der Archbrücke. Am alten Übergang war für Schwimmer ein Steg angebracht. Ein Grenchner Beck bot jeweils Gebäck und Süssigkeiten an. Béatrice Meissgeier, ihre Schwester, will mit ihrem Mann nach Staad spazieren, wo ihr Auto steht. Dort sitzen Berta Feer und René Zäch und lesen Zeitungen. Ein Zwischenhalt bei Lydia Strausak gehört bei den «Genuss»-Radlern dazu. Zäch ist in Solothurn aufgewachsen und wohnt in Biel. Mit seinem Vater hat er in seiner Jugend die Ebene zwischen Aare und Jura erkundigt. «Die im Ausland bekannten Radtouren entlang von Flüssen sind wunderschön», wissen die beiden und betonen, dass die Fahrradroute zwischen Biel und Olten durchaus konkurrenzfähig ist.

Tour de France nicht verpassen

René Zäch wird den Ausflug heute in Grenchen abbrechen, er will die aktuelle Etappe an der Tour de France nicht verpassen. Berta Feer radelt bis Solothurn. Eine Erntemaschine fährt übers Feld, ein Fischreiher fliegt auf, Störche stelzen auf einer gemähten Wiese. «Hier könnten wir den Apéro nehmen», schlägt eine Dame ihrem Begleiter vor. Dieser hat kein Gehör und fährt in flottem Tempo auf seinem Velo weiter. Eine junge Frau ist mit den Rollerblades unterwegs und telefoniert. Unter den ausladenden Ästen eines Baumes hat sich Susanne Wolf aus Solothurn in ein Buch vertieft. Noch mehr als 500 Seiten bis zum Ende. «Da kommt er», verkündet sie und zeigt mit der Hand auf einen Jogger, der sich nähert. Ihr Mann will bis Biel laufen, sie hält in ihrem Auto die Zwischenverpflegung bereit. Ein Paar aus Oensingen hat den Hund wieder an die Leine genommen, nachdem er eine Hasenfährte entdeckte. Mat Rialas aus Nottingham liegt an der Sonne. Der Elektriker weilt in der Schweiz und will Deutsch lernen. Eva Stiep hat ihm den lauschigen Platz gezeigt. Die Lehrerin geniesst die unterrichtsfreie Zeit und beide wollen nach dem Sonnenbad schwimmen.

Baden, ohne es zu wollen

Unfreiwillig baden ging Robert Buck. Am Schiff wollte er das Entengitter entfernen und ist ausgerutscht. Das Lachen seiner Frau Esther ist herzlich. «Zu komisch sah er aus mit all dem Seegras im Gesicht», schmunzelt sie. Aus einer kleinen Lichtung am bewachsenen Aareufer steigt Rauch auf. «Ein Verwandtschaftsausflug», sagt Fredi Gosteli aus Grenchen und stellt die Runde am Feuerplatz vor. Über der Glut dreht sich ein Spiess mit Poulets. Der 71-jährige Bernard Kuhn hat einen Motor angebracht, mit Fahrradzahnrädern eine Vorrichtung gebaut, die sich dank der Stromzufuhr einer Autobatterie dreht. «Es ist ein Testlauf», sagt Kuhn, und falls das Konstrukt sich bewährt, solls im August ein Spanferkel geben. Das Aareschiff Siesta fährt mit dem Strom, ein Flugzeug schraubt sich in den Himmel. Nach dem Sprung vom Brückengeländer schwimmen Andreas Saladin und seine Kollegen zum Floss zurück. Raphael Grichting hat sein iPod an Lautsprechern angeschlossen und sorgt für musikalische Unterhaltung. «Schau die Bullen», sagt jemand, ein Polizeiwagen führt über die Brücke. «Wir bräteln, baden, chillen und machen keine Lämpen», sind sich die 15- bis 18-Jährigen einig. Der Südwestwind hatte aufgefrischt. Beste Voraussetzungen für Berta Feer mit Windunterstützung früher in Solothurn einzutreffen.