Musikwoche

Boston Brass begeistert mit einzigartigem Stilmix

Der Stilmix der Boston Brass aus Klassik, Jazz, Volksweisen und Broadway-Hits sprengte den Rahmen herkömmlichen Blechbläser-Repertoires.

Der Stilmix der Boston Brass aus Klassik, Jazz, Volksweisen und Broadway-Hits sprengte den Rahmen herkömmlichen Blechbläser-Repertoires.

Die Boston Brass brachte Weltklasse an die Internationale Musikwoche im Parktheater Grenchen. Nichts für Puristen, aber dafür umso mehr für Freunde fulminanter Blechbläser-Brillanz.

«Wir durften Business Class in die Schweiz fliegen. Das ist nicht selbstverständlich und wir sind entsprechend motiviert», witzelte Jose Sibaja. Der Ursprung der Boston Brass aus New England liegt in den frühen 1990er-Jahren. Aktuell ist von den Gründern noch Trompeter Jeff Conner mit dabei, der als treibende Kraft für den Aufstieg in die Elite gilt. Heute spielen im Quintett Trompeter Jose Sibaja, Hornist Chris Castellanos, Posaunist Domingo Pagliuca und Tubist Sam Pilafian. Allerdings fehlte letzterer krankheitshalber, so dass der nicht minder famose William Russell seinen Platz einnahm.

Der Stilmix aus Klassik, Jazz, Volksweisen und Broadway-Hits sprengt den Rahmen herkömmlichen Blechbläser-Repertoires, bricht mit Hörgewohnheiten und begeistert mit Brass-Sound. Die Musiker beherrschen alle Genres, treiben sich gegenseitig zu immer schnellerem Tempo an, servieren die Stücke mit stupender Virtuosität, Temperament und Spielfreude. Selbst Piazzollas Tango klingen in der Brass-Besetzung gut. Wer den Originalklang mit Bandeon im Ohr hatte, stutzte einen Moment, liess sich danach aber von den Rhythmen und der Melodik von «Milonga del Angel» und «Verano Porteño» bezirzen.

Internationale Musikwoche Grenchen mit Boston Brass im Parktheater

Internationale Musikwoche Grenchen mit Boston Brass im Parktheater

Wirbeln beim «Danza ritual del fuego» aus Manuel de Fallas Suite «El amor brujo» normalerweise Pianisten-Finger über die Tasten, übernimmt beim Boston Brass Jose Sibajas Trompete den Part des Leaders. Glühten eben noch die Flammen von Klangkaskaden des rituellen Feuertanzes, verblüffte das Quintett mit dem Wechsel zu getragener Barock-Musik: Die Bach-Kantate BWV 140 «Wachet auf, ruft uns die Stimme», interpretiert mit zwei Trompeten, Posaune, Horn und Tuba. Faszinierend auch die Stippvisite zur Jazz-Oper «Porgy and Bess» von Gershwin, die trotz Bläser-Sound vertraut tönte. Zu Begeisterungsstürmen riss indessen das Volkslied «Blue Bells of Scotland» hin, dank dem Posaunen-Soli von Domingo Pagiluca.

Der Gänsehautfaktor

Nicht nur beim Posaunisten, sondern bei allen verblüffte die technische Brillanz. Jeder beherrscht sein Instrument meisterhaft. Ein Blick in die Vitae bestätigt dies mit Lehrtätigkeiten an Musikhochschulen und zahlreichen Preisen. Nie fehlte beim Zusammenspiel das Aufeinanderhören sowie das «gewisse Etwas», das den Gänsehautfaktor evoziert und beim Jazz unabdingbar ist. Stanton Moore schrieb den «Blues für Ben» und meinte vielleicht William, markierte das Stück doch einen starken Auftritt von Tubist William Russell, während das rasante «Green Hornet» die Trompeten in höchste Lagen führte und allen Gelegenheit zum solistisch Brillieren bot.

Wie eng beim Boston Brass Musik und Humor zusammengehen, offenbarte sich einmal mehr, als das Ensemble spontan den Refrain von «Stägeli uf, Stägeli ab» intonierte und das Publikum zum «Juhe»-Singen animierte. Nach der stehenden Ovation beruhigte die Band die Zuhörenden mit dem Schlaflied «Lulabay».

Danach eilten die Musiker ins Foyer und verabschiedeten ihre Fans mit Handschlag. Beim über den Atlantik Düsen werden sie nicht nur wegen dem Business-Class-Komfort mit guten Erinnerungen an Grenchen denken, sondern auch weil sie mit ihrem Groove das Parktheater zum Vibrieren brachten.

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