Grenchen liegt nicht an der Aare. Und die Aare fliesst nicht durch Grenchen – ein Manko, das sich in vielerlei Hinsicht immer wieder niederschlägt. So sind zum Beispiel die Passagierfrequenzen der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft nirgends so tief, wie in Grenchen. Wo andere Städte punkten können, weil der Fluss mitten durch die Stadt fliesst, mit Beizen und öffentlichem Raum direkt am Wasser, Campingplatz, Badi und vielem mehr, hat Grenchen ausser einem kleinen öffentlichen Uferstreifen direkt neben der Archbrücke und einem Spazierweg entlang der Aare nicht viel zu bieten – abgesehen vom Beizli des Fischereivereins und der Gaststätte im Tierheim Aarebrüggli.

Das will man ändern. Ein erster Schritt wäre der schon lange angedachte Bootshafen beim Werkhof der Marti AG. Schon im Jahr 2003 wurde ein öffentlicher Wettbewerb durch das kantonale Baudepartement durchgeführt, 2008 nahm man ein redimensioniertes Projekt wieder an die Hand – ohne Erfolg. Damals präsentierte man zwei Varianten – eine Teilrealisierung mit 46 Bootsplätzen, 30 Parkplätzen und totalen Baukosten von 2,6 Mio. Fr. und eine Vollrealisierung mit 89 Bootsplätzen, 54 Parkplätzen und Baukosten von 2,8 Mio. Fr.
Im Jahr 2016 nahm man das Projekt Bootshafen wieder auf in den Businessplan der Stadt und hat es seither weiterbearbeitet.

Investoren in Aussicht

Denn eines ist klar: Ein Grenchner Bootshafen würde die Standort- und Wohnattraktivität der Stadt wesentlich steigern. Dazu kommt, dass ein bekannter Grenchner Investor dazu bereit wäre, sich für die Stadt zu engagieren, sofern er sich nicht um Umsetzungsfragen kümmern muss. Eine international bekannte Grenchner Firma hat ebenfalls ihre Bereitschaft signalisiert, sich eventuell an einem Infrastruktur-Projekt zu beteiligen, das im Interesse der Bevölkerung liegt.

Man geht jetzt davon aus, dass die rund 60 ausserhalb liegenden Schiffsanbindeplätze aufgehoben werden und in den neuen Hafen verlegt werden sollen. Mit dem Kanton wurden bereits vertiefte Gespräche geführt. Der Kanton unterstützt das Projekt, nicht zuletzt aus ökologischer Sicht, weil man dem Uferschutz ohne die Schiffsanbindeplätze besser Rechnung tragen kann. Der Kanton wäre auch bereit, die Schifffahrtsverordnung abzuändern, die zusätzliche Anbindeplätze zu den bereits bestehenden ausdrücklich ausschliesst.

Komplexes Projekt

Aber man hat auch festgestellt, dass das Projekt äusserst komplex ist und man eine verlässliche Entscheidungsgrundlage braucht, um einen Investor definitiv gewinnen zu können. Deshalb suchte man einen Fachmann mit Erfahrung auf dem Gebiet, der einen Businessplan erstellen kann, der Hand und Fuss hat. Im Nidauer Anwalt Peter Wüthrich, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der Barkenhafen AG in Nidau fand man diese Person. Wüthrich hat Erfahrung in der Planung und im Betrieb von Hafenanlagen. Er war mehrere Jahre Präsident des Jachtklubs Biel, war beteiligt an Planung und Realisierung des Bootshafens Ipsach und vieles mehr.

Wüthrich reichte eine Offerte in der Höhe von 31'000 Franken für einen Businessplan ein. Dieser soll eine Planänderung, eine Kostenschätzung und eine Wirtschaftlichkeitsrechnung enthalten und voraussichtlich bis Ende Jahr vorliegen.

Die Gemeinderatskommission legte auf Anraten der Finanzverwaltung ein Kostendach von 30'000 Franken fest und bewilligte den entsprechenden Nachtragskredit. Ausserdem regte sie an, dass Wüthrich bei der in seiner Offerte aufgezeigten Auftragsvergabe für Dritte, soweit als möglich das Grenchner Gewerbe berücksichtigen soll.