Die Rotarier huldigen verschiedenen Tugenden, wirken sozial, humanitär und kulturell – und dies vor allem äusserst diskret. Zum 50. Geburtstag hat der Rotary Club Grenchen einen Schritt an die Öffentlichkeit getan und im Parktheater mit einem Kulturnachmittag mit den umliegenden Musikschulen und einem Konzertabend das Jubiläum zusammen mit Gästen, Vertretern des Partnerklubs Heidelberg-Schloss und Musikbegeisterten gefeiert.

Nachdem der Kulturnachmittag Eltern und Kinder in Scharen anlockte, kamen am Abend Freunde von Top-Orchestern zum Zug. Bereits die Fanfare und die Erkennungsmelodie von Kult-Agent James Bond liessen ahnen, was für ambitionierte Jungmusiker auf der Bühne spielten.

Stadtpräsident François Scheidegger bedankte sich bei den Rotariern denn auch nicht allein für das gemeinnützige Engagement, sondern auch für den der Bevölkerung zugänglich gemachten Jubiläums-Event. Gastierte mit dem Jugendsinfonieorchester Leipzig doch eines der renommiertesten Nachwuchsensembles in Grenchen.

Jugendliche Botschafter

Dirigent Ron-Dirk Entleutner brachte es gleich selber auf den Punkt: «Leipzig weist als Wirkungsstätte von bedeutenden Musikern wie Bach, Mendelssohn Bartholdy, Grieg, Mahler, Clara und Robert Schumann, sowie als Geburtsstadt von Richard Wagner eine lange Tradition auf.

Darüber hinaus glänzt Leipzig mit dem Gewandhausorchester und dem Thomanerchor. Aber aus dieser Stadt kommt mit dem Jugendsinfonieorchester auch einer der europaweit besten Jugend-Klangkörper.»

Anstelle von Werken der genannten Komponisten hatten die Jungtalente Musik bekannter Filme im Gepäck. Ein Programm, das wunderbar zum Attribut Jugend passte. Auf Grossleinwand nahm das Jugendsinfonieorchester Leipzig das Publikum mit auf die Amerika-Tournee.

Film ab, hiess es erneut mit dem Animationsfilm «Balance», bei dem das Orchester die Filmmusik-Improvisation beisteuerte. Dazwischen löste Konzertmeister Fridolin Weigert den Werbeslogan des Orchesterleiters mit den virtuos hinauf- und hinunterlaufenden Skalen von Montis «Czardas» ein.

Das Orchester hielt mit, schwelgte unter dem gleichermassen umsichtigen wie anfeuerndem Dirigat von Ron-Dirk Entleutner in ungarischem Melos, wechselte mit aberwitzigen Tempi von kantablen Stellen zu Vivo-Passagen.

Mitreissende Spielfreude neben voller Konzentration, Präzision und einer dynamischen Vielfalt, die ihresgleichen sucht, widmete es sich dem «Divertimento für Orchester» von Bernstein.

Hervorragende junge Virtuosen

Ein musikalischer Spass auf hohem Niveau, der sich mit Schostakowitsch noch steigerte. Begonnen hatte alles mit einer Wette zwischen ihm und dem Dirigenten Nikolai Malko. Dieser forderte den Komponisten heraus, den berühmten Titel «Tea for Two» aus dem Musical «No, No, Nanette» innerhalb von einer Stunde zu orchestrieren - Schostakowitsch benötigte dafür gerade mal vierzig Minuten. Mit dem Ergebnis, witzig und nostalgisch zugleich, demonstrierten die Virtuosen einmal mehr ihr Können.

Die ungezwungene und leichte Atmosphäre eines scheinbar wechselseitigen Improvisierens übertrug sich nämlich auch auf das Orchester, das mit glänzenden Solisten besetzt ist. Sie verweilten in elegischen Stimmungen, um in raschen Tempi wieder voranzuschreiten.

Das Feingefühl für Klangfarben, für das Hervortreten und Ausgleiten einzelner Instrumente, für zarte Melancholie und dynamische Steigerungen, erzeugte gerade bei Kinoklassikern wie «Start Trek» und «Herr der Ringe» pures Gänsehaut-Feeling plus Standing Ovation.

Howard Shores ist mit der Musik zur «Herr der Ringe»-Trilogie ein Meisterwerk des 21. Jahrhunderts gelungen. Schwierig, dieses Klangerlebnis mit einer Zugabe zu toppen. Ausser, mit der Musik eines der erfolgreichsten Filme der letzten Jahre: «Pirates of the Caribbean».

Während nach dem letzten Ton vor dem geistigen Auge Johnny Depp davon segelte, fielen sich auf der Bühne die jungen Frauen und Männer in die Arme, während sich im Foyer das Publikum um den Apéro drängte, um mit den jubilierenden Rotariern anzustossen.