Es gibt schöne, ja liebliche Strassennamen in Grenchen, wie Veilchenweg, Friedensweg, oder Rosenstrasse, neutral klingende Namen wie Bahnhofstrasse, oder Bettlachstrasse, ja sogar etwas mondän klingende wie Bellevuestrasse, Kastelsstrasse oder Monbijou.

Und es gibt auch noch die Schlachthausstrasse. Sie ist eine wichtige Umfahrungsachse und beginnt vis-à-vis der SBB-Unterführung bei der Firma Breitling und führt von dort Richtung Westen bis zum Monbijou-Kreisel, wo sie in die T5, hier Bielstrasse, mündet. Den Namen hat sie, wie unschwer zu erkennen ist, vom Schlachthaus. Was dort gemacht wurde, ist je nach Sichtweise mehr oder weniger unerfreulich und wird verdrängt. Auch wenn es noch heute zum Alltag gehört, denn die Mehrheit der Bevölkerung isst Fleisch.

Gebäude abgerissen

Das Grenchner Schachthaus wurde schon vor Jahrzehnten geschlossen. Es stand lange leer und wurde vor fünf Jahren abgerissen. Dort wo es einst stand, stehen heute zwei neue Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen.

Immer wieder flammt aber in der Stadt die Diskussion auf, die Schlachthausstrasse umzubenennen. Der Name erscheint vielen als anachronistisches Kuriosum, das einfach nicht so richtig zum modernen Grenchen passen mag. Es ist auch fast die einzige Strasse in der Schweiz, die so heisst. Nur in St. Gallen gibt es noch die Schlachthofstrasse, notabene weil dort auch ein Schlachthof ist.

Wettbewerb durchgeführt

Die Namensänderung der Strasse wurde schon 2001 einmal ernsthaft diskutiert, als immerhin die Gebäude des Schlachthauses noch standen. Damals wurde sogar ein Wettbewerb für eine Namensänderung durchgeführt.

Heute stehen hier zwei neue Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen.

Das Schlachthaus Grenchen im Jahr 2012. Bereist stehen Profile für eine geplante Überbauung.

Heute stehen hier zwei neue Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen.

Die Politik setzte dem aber ein Ende, denn am Schluss ist der Gemeinderat für die Namensgebung einer Strasse verantwortlich. Dieser votierte für eine Beibehaltung des bisherigen Namens. Gleichzeitig wurde übrigens die Flugplatzstrasse zu Flughafenstrasse umbenannt, mit Stichentscheid des damaligen Stadtpräsidenten.

Der heutige Stadtpräsident sieht die Zeit für gekommen, einen neuen Anlauf zu wagen. «Schlachthausstrasse ist irgendwie nicht mehr zeitgemäss und löst bei manchen Leuten Stirnrunzeln aus», meint François Scheidegger. Er habe deshalb die Kulturkommission beauftragt, einen neuen Namen für die Strasse zu finden.

Dem Vernehmen nach hat auch der neue Breitling-Chef bei seinem Antrittsbesuch im Stadthaus das Thema aufs Tapet gebracht. Denn die bekannteste Uhrenmarke mit Sitz in Grenchen hat ihre Adresse bisher an der Schlachthausstrasse 2., was bei Georges Kern beim Bezug seines neuen Büros wohl zu leichten Irritationen geführt hat. Immerhin will er die Marke zu neuen Höhenflügen führen und da passt der profane Name wohl eher nicht so dazu.

Investor beantragte Änderung

Scheidegger will zu diesem Gespräch nichts sagen, sondern erklärt, dass der Namenswechsel beispielsweise auch von der Bauherrschaft beantragt worden sei, welche vor zwei Jahren anstelle des Schlachthauses gebaut wurden. Auch stehe nicht nur die Schlachthausstrasse zur Debatte. «Man könne sich nämlich auch für die Unterführungsstrasse einen neuen Namen überlegen bzw. die Bahnhoftrasse am Kreisel in zwei Arme aufteilen.» Postadressen gibt es an der Unterführungsstrasse ohnehin keine.

Kulturkommissionspräsident André Weyermann bestätigt, dass bereits ein neuer Name zuhanden des Gemeinderates vorgeschlagen wurde. Die Kuko habe die Bezeichnung Leon-Breitling-Strasse favorisiert, nach dem Gründer der Firma. Dieser habe zwar nicht in Grenchen gelebt, doch dies sei keine Voraussetzung für einen Strassennamen. Damit werde auch das Kriterium erfüllt, dass man Strassen nicht nach lebenden Personen benennen wolle. Nicht infrage kam deshalb der Name des letzten Breitling-Besitzers Théodore Schneider. Dieser ist in Grenchen nicht sehr bekannt.

Eine Umbenennung könne auch als Schritt des Standortmarketings betrachtet werden, mit der Absicht Grenchen als Standort für die Firma Breitling attraktiv zu halten, meint die Kulturkommission. Somit dürfte der Gemeinderat an einer der nächsten Sitzungen über die Änderung des Strassennamens befinden.

Anderseits: Ist nicht die Swatch Group mit Abstand die grösste Arbeitgeberin der Uhrenbranche in Grenchen? Wieso also nicht Nicolas G. Hayek- Strasse? Dies würde wohl George Kern noch weniger gefallen als Schlachthausstrasse. Abgesehen davon erinnern der Stapi und der Kuko-Präsident daran, dass der verstorbene Swatch-Patron in Grenchen bereits über einen Kreisel samt Uhr verfüge und die Schild-Rust-Strasse, wo die ETA ihren Hauptsitz hat, bereits den Wurzeln seines Imperiums zuzuordnen ist. In Biel wurde zudem kürzlich eine Strasse nach Nicolas G. Hayek benannt.