SWG
Bitte lächeln, das Kamera-Auto kommt

Fast wie Googles «Street View»: Die SWG lässt das gesamte Strassennetz von Grenchen und Bettlach mit einer mobilen Kamera auf dem Dach fotografieren.

Patrick Furrer
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Roger Seetsen (l.), Lead Operator und Fahrer bei Cyclomedia, fährt die Strassen ab; rechts daneben Gerd Rettschlag, Projektleiter SWG, und Larry Den Hollander von der Schweizer Cyclomedia-Vertretung.

Roger Seetsen (l.), Lead Operator und Fahrer bei Cyclomedia, fährt die Strassen ab; rechts daneben Gerd Rettschlag, Projektleiter SWG, und Larry Den Hollander von der Schweizer Cyclomedia-Vertretung.

Oliver Menge

Es sieht aus wie «Street View» von Google, ist es aber nicht. Rund 10 Tage lang ist der Chauffeur mit dem Auto der holländischen Firma Cyclomedia auf den öffentlichen Strassen von Grenchen und Bettlach unterwegs. Alle paar Meter wird ein 360-Grad-Panoramabild geschossen, mit einer auf dem Dach montierten Kamera werden sämtliche Strassen, Häuser und Installationen entlang der Strassen fotografiert, ähnlich, wie man dies von Google «Street View» kennt. Beauftragt worden ist die Firma von der SWG, mehrere Tausend Bilder werden geschossen.

Später wird die SWG über ein elektronisches System auf die Aufnahmen zugreifen können, welche auch der Baudirektion, der Feuerwehr und der Polizei zur Verfügung gestellt werden. Der Zweck: Mit den aussagekräftigen Bildern sollen gewisse Einsätze besser geplant und vorbereitet werden können, ohne dass man zuerst vor Ort einen Augenschein nehmen muss. Mithilfe der Aufnahmen wird man vom Bürostuhl aus die Gegend elektronisch auskundschaften können. Cyclomedia war vor vier Jahren schon in der Stadt Solothurn unterwegs und macht derzeit auch Aufnahmen in Oensingen. In Solothurn hat jede Verwaltungsabteilung einen Zugriff auf das System. Laut Stadtschreiber Hansjörg Boll sind die Erfahrungen positiv, «zumindest bei denen, die es nutzen.» Besonders oft zum Einsatz kommt das System nicht.

Vom Plan zum Bild

SWG-Geschäftsleiter Per Just erklärt anhand eines Beispieles, wie das System genau funktionieren wird: «Wenn wir beispielsweise einen Rohrbruch feststellen und zur Reparatur ausrücken müssen, dann können wir am Computer die entsprechende Stelle auf dem zweidimensionalen Netzplan anklicken und werden so zu den Bildern von Cyclomedia verlinkt, die uns dann Auskunft über die Umgebung geben.» So würde man nicht erst vor Ort merken, wenn eine Böschung oder ein Baum im Weg stehen und den Zugang erschweren. «In der Theorie macht das Sinn, und ich glaube, dass dieses System Potenzial hat», sagt Per Just. Dennoch müsse es sich in der Praxis erst noch behaupten. «Wenn der Kosten-Nutzen-Faktor stimmt, werden wir die gewonnenen Daten künftig alle drei bis vier Jahre aktualisieren», so der Geschäftsleiter. Auch Gerd Rettschlag, Projektleiter der SWG, ist überzeugt. Vor allem bei grösseren Bauarbeiten oder Notfällen könnten die Bilder von Vorteil sein.

Die Kosten trägt die SWG. Die Daten werden aber auch den Behörden zur Verfügung gestellt werden. Ob gegen eine Gebühr, ist noch offen. Vor allem die Baudirektion, die Polizei und die Feuerwehr seien sehr daran interessiert, sagt Per Just. Damit können Rettungs- und Noteinsätze noch schneller und effizienter geplant werden. Ob ein Feuerwehrkommandant im Eifer des Gefechts auf dem Kommandofahrzeug aber noch die Zeit hat, unterwegs die Daten von seinem Laptop aus aufzurufen, muss an dieser Stelle offenbleiben.

Nur mit Zugriffsberechtigung

Bedenken bezüglich des Datenschutzes hat die SWG keine, weil die Daten nicht öffentlich zugänglich sind. «Natürlich werden auf den Bildern auch Menschen zu sehen sein», räumt Projektleiter Gerd Rettschlag ein, «doch da die Bilder nicht veröffentlicht werden, führt dies zu keinen Datenschutzproblemen, zumal durch verschiedene Sperren und Passwörter ein unbefugtes Zugreifen auf diese Bilder nach heutigen Erkenntnissen unmöglich ist.» Verfremdet werden die Bilder nicht, andererseits sind sie laut Per Just auch nicht datiert und lassen kaum Rückschlüsse zu. Übrigens: Auch die Kantonspolizei hat sämtliche Kantonsstrassen auf diese Weise dokumentiert.