Marlies Gerber aus Grenchen wartet auf dem Parkplatz auf ihre Schwester, zusammen mit ihrem Sohn Thomas und dem Hund Darki. Gemeinsam wollen sie im Restaurant Untergrenchenberg zmörgele und danach eine Wanderung über die Wiesen zur Bettlefluh und zurück machen. «Danach fahre ich mit dem Trottinett runter», sagt Thomas. In diesem Sommer ist es das erste Mal, dass die Familie auf den Berg geht, «aber wenn das Wetter hält, sind wir nächste Woche sicher wieder hier. Eigentlich wollte die Familie mit dem Bus auf den Berg fahren, aber der Sommerfahrplan war nur zwei Wochen in Betrieb. Jetzt, in der letzten Schulferienwoche, gilt wieder der «normale» Fahrplan: Die Busse verkehren nur mittwochs, samstags und sonntags.

Regina Stuber aus Grenchen hat heute Geburtstag. Zusammen mit ihrem Mann Martin und ihren zwei Buben Samuel und Nathanael wollen sie zur Feier des Tages einen Gutschein für ein Morgenessen einlösen, den sie gewonnen haben. «Da hinten könnt ihr die Windräder des Mont Soleil sehen», sagt Stuber und zeigt seinen Söhnen den Windpark in der Ferne.

Leichter Dunst verdeckt die Sicht auf das Alpen-Panorama. Der Zürcher Josef Bachmann studiert interessiert die Tafel am Rand der Weide, die über den Umgang mit den Mutterkühen aufklärt. «Jetzt habe ich schon wieder etwas gelernt», meint er. Es sei eines seiner Ziele, sich jeden Tag gescheiter schlafen zu legen, als er aufgestanden sei. Bachmann ist mit dem Auto auf der Durchreise. Nach einem Besuch bei einem Schulfreund in Grenchen will er über den Grenchenberg Richtung Court und weiter nach Breisgau fahren. «Ich möchte Nebenstrassen benutzen und die wunderschöne Landschaft geniessen», meint er. «Wissen Sie, die Schweiz ist wunderschön, man muss sie nur wahrnehmen.»

Auf der Terrasse des Restaurants Untergrenchenberg sitzen Renato Müller und seine Frau Ursula. Müller ist Verwalter der Bürgergemeinde und sozusagen der Hausherr hier oben – der Bürgergemeinde gehören die Grenchenberge. Die beiden geniessen ihren letzten Ferientag, geniessen das Frühstück, geniessen die Ruhe. «Wir waren während unserer Ferien öfters hier», sagt Müller. «Das Wetter war genial die letzten zwei Wochen, es ist einfach schön hier oben.»

Trotz Ferien: Wenn Müllers auf den Berg gehen, gibt es immer etwas zu erledigen, so auch jetzt. «Wir haben ein paar Dinge spontan regeln können, für die es nächste Woche, wenn ich wieder arbeite, einige Telefonate benötigt hätte. Und nach den Ferien muss ich sowieso all das aufarbeiten, was während der zwei Wochen liegen blieb», sagt Müller.

Vreni Schneider, die Wirtin des Berggasthofs Untergrenchenberg, ist bis jetzt zufrieden mit dem Sommer: «Es ist gut, sogar sehr gut gelaufen», sagt sie. «Nur schade, fährt der Bus nicht mehr jeden Tag auf den Berg. Wir haben in dieser Woche schon fünfmal Leute ins Tal fahren müssen, die meinten, es gebe am Abend noch eine Busverbindung.» Es sei nicht jedermanns Sache, auf eines der Monster-Trottinetts zu steigen und so ins Tal zu gelangen. Viele Gruppen, Gäste aus der ganzen Schweiz, sogar Oberländer und Walliser, viele Aargauer und Luzerner sind im Untergrenchenberg eingekehrt oder haben hier übernachtet.

Auch die Fly-Cadets, Austausch-Kadetten der Segel- und Motorfluggruppe Grenchen aus fünf Nationen, bezogen während zweier Wochen wieder ihr Quartier. «Unsere Zimmer waren sogar unter der Woche immer gut gebucht. Wir hatten viele Reservationen für Morgenessen, und am Abend kamen jeweils auch viele Romands aus Moutier zu uns», erzählt Schneider. Sie freut sich schon auf den Herbst, wenn der Nebel die Menschen auf den Berg treibt. «Ich liebe es einfach, wenn es läuft und wir viel zu tun haben. Dann kann man anders planen, anders kochen, dann bin ich in meinem Element.» Das nächste Highlight findet allerdings schon früher statt: Am 31. August wird auf der Terrasse des «Untergrenchenbergs» ein Vollmond-Fondue serviert.

Auch Annemarie Schmidig, Wirtin des Bergrestaurants Obergrenchenbergs, ist zufrieden. «Die ersten zwei Wochen waren ruhig, aber das ist eigentlich immer so.» Im Gegensatz zum Untergrenchenberg hätten sie nicht so viele Übernachtungen verzeichnet. «Wir haben eher im Herbst Gruppen, die bei uns im Massenlager übernachten.» Aber das Restaurant sei ausgezeichnet gelaufen. Dass der BGU nur während zwei der fünf Schulferien-Wochen täglich auf die Grenchenberge fahre, sei ja nichts Neues, sagt sie. «Viele Leute meinen, das sei die ganzen fünf Wochen so, denen empfehle ich dann halt, ein Monster-Trotti zu benützen, wenn sie hier ‹hängen bleiben›.»

Hans-Rudolf Zumstein, Geschäftsführer des BGU, hat Verständnis für die Kritik: «Ich persönlich würde am liebsten während der ganzen Schulferien tägliche Kurse auf den Berg durchführen. Aber die Gemeinde bezahlt nur sechs Wochen jährlich: Zwei im Sommer, zwei in den Herbst- und zwei in den Weihnachtsferien.» Eine Erhöhung der Frequenz sei nur möglich, wenn die Stadt die finanziellen Mittel aufstocke. «Unsere Passagier-Zahlen in den zwei Wochen mit Ferien-Fahrplan entsprechen den Erwartungen, allerdings sind die genauen Erhebungen noch im Gang. Die Bons ‹Attraktiv-Ferien› von Grenchen Tourismus sind rege benützt worden», so Zumstein.